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Um konkurrenzfähig zu bleiben, muss der Handel auf neue Trends reagieren

Die sieben wichtigsten Verbrauchertrends für 2017

05.12.2016

Richard Cope, Senior Trends Consultant bei Mintel, und Catherine Cottney, Trends Managerin bei Mintel, haben sich mit den europäischen Verbrauchertrends, die den Markt im kommenden Jahr beeinflussen werden, beschäftigt. Herausgekommen ist eine Zusammenstellung der sieben wichtigsten Punkte.

Schon Henry Ford war davon überzeugt, dass Erfolg darin besteht, dass man genau die Fähigkeiten hat, die im Moment gefragt sind. Natürlich waren diese Fähigkeiten zu Lebzeiten von Henry Fonda anders als jetzt – aber an der Aussage an sich, hat sich bis heute nichts geändert. Richard Cope und Catherine Cottney, beide von Mintel, der weltweit führenden Agentur für Market Intelligence, haben sich deshalb mit den wichtigsten Verbrauchertrends der Gegenwart bzw. der Zukunft beschäftigt. 

Ganz bequem bezahlen

Immer mehr Verbraucher vertrauen kontaktlosen Zahlungssystemen, Unternehmen werden daher mehr digitale Zahlungsmethoden anbieten, was wiederum zu mehr Impulskäufen führen kann. „Das Vertrauen der Verbraucher in digitale Zahlungsmethoden wächst und die Akzeptanz wird sich noch weiter erhöhen. Laut Mintel haben sich bereits 30 % der britischen Konsumenten an den Gedanken gewöhnt, bald in einer völlig bargeldlosen Gesellschaft zu leben, während 29 % die Bezahlung via Smartphone als bequemste Methode empfinden. In Zukunft wird ein größerer Fokus auf der Erhöhung der Ausgabengrenze liegen. Einzelhändler werden weiterhin ihre eigenen Smartphone-Zahlungsdienste auf den Markt bringen, von Alibabas Alipay bis hin zu Tescos PayQwik. Hersteller anderer tragbarer Geräte expandieren ebenfalls in den Bereich der mobilen Zahlungssysteme“, erklärt Catherine Cottney.  Es steht daher für sie außer Frage, dass es im Jahr 2017 zur selbstverständlichen Gewohnheit wird, schnell via kontaktloser Chipkarte, mit Smartphone oder tragbarem Gerät zu bezahlen. „Dadurch ergibt sich für Geschäfte und Restaurants die Chance, mehr Zeit und Mühe in das Shopping- oder Esserlebnis ihrer Kunden zu investieren.“

Vertrauen in soziale Medien steigt

Da Instant-Messaging-Dienste wie Snapchat, WhatsApp und Facebook Messenger immer beliebter werden, wird diese Kommunikationsform auch im Kundenservice an Bedeutung gewinnen. Verbraucher werden in Zukunft mit Unternehmen und Geschäften genauso leicht und informell kommunizieren wie mit ihren Freunden. „Soziale Medien werden zunehmend als sichere und vertrauenswürdige Kommunikationskanäle gesehen, die eine Verbindung zwischen Marken und Verbrauchern schaffen. Die Bedeutung der sozialen Medien im Kundendienst ist nicht zu unterschätzen. Schon 24 Prozent der deutschen Verbraucher würden gerne Instant Messenger nutzen, um einen Kundenberater online zu erreichen“, so Cottney. Im Einzelhandel werden Unternehmen in der Lage sein, durch die neuen Kommunikationswege direkt auf Kundenbeschwerden zu reagieren, ohne auf bemannte soziale Netzwerke angewiesen zu sein. Die Lebensmittel- und Getränkeindustrie wird vermehrt auf Social-Media-Kampagnen setzen, denn soziale Medien wie Snapchat ermöglichen es Nutzern, mit Markenlogos und Visuals auf personalisierte Art und Weise zu interagieren. „Was wiederum die Bekanntheit der Marke erhöhen kann.“

Es geht auch ohne Zucker

Nach Finnland, Norwegen, Ungarn und Frankreich ist das Vereinigte Königreich jetzt das nächste europäische Land, das eine Zuckersteuer einführen will. Diese Entwicklung stellt eine Herausforderung für die europäische Lebensmittel- und Getränkeindustrie dar und es stellt sich die Frage, wie die Zukunft des Zuckers aussieht. „Bereits vor der Einführungen der Zuckersteuer, die in Großbritannien im April 2018 in Kraft treten soll, befassen sich internationale Hersteller von Erfrischungsgetränken damit, sich neu zu erfinden und ihre Rezepte zu verändern. Mintel-Daten zeigen auf, dass sich das schlechte Image von Zucker bereits auf das Verhalten der Verbraucher ausgewirkt hat: 63 % der polnischen, 63 % der spanischen, 60 % der italienischen, 55 % der französischen und 54 % der deutschen Konsumenten sagen aus, dass sie den Konsum zuckerhaltiger Lebensmittel bereits aktiv reduzieren oder sogar ganz vermeiden“, berichtet Richard Cope. Anstatt die Gesetzgebung anzufechten, werden Getränkehersteller die Dosen- und Flaschengrößen verkleinern und mit Zuckeralternativen experimentieren.  

Luftverschmutzung versus Schönheit

Luftverschmutzung ist zur Realität geworden, und Regierungen, Marken und Verbraucher sind bereit zu handeln. Marken werden sich daher bemühen Teil der Lösung zu sein, nicht des Problems. Cope geht daher sogar davon aus, dass auch europäische Verbraucher, wie die Chinesen, vermehrt Atemschutzmasken kaufen werden. Zumindest soll seiner Meinung die Nachfrage nach Luftreinigern, Zimmerpflanzen und Schutzbekleidung steigen. Aber besonders die Schönheitsindustrie kann davon profitieren: „Die Schönheitsindustrie ist schon seit Längerem Spitzenreiter in Sachen Umweltschutz und wir erwarten in Zukunft noch mehr Marketingkampagnen, die die negativen Folgen der Umweltverschmutzung für Haut und Haar hervorheben. Laut einer Mintel-Untersuchung sind In Frankreich 41 % der Verbraucher der Meinung, dass Umweltverschmutzung schädlich für die Haut ist; 37 % der Italiener, 35 % der Deutschen und 28 % der Spanier stimmen dieser Aussage zu.“

Leistungsfähiger Handelspartner Afrika

Wenn eine politische Handelsunion schwächer wird, wird eine andere stärker. Das steigende BIP und die verbesserte Infrastruktur in Afrika macht den Kontinent zu einem zuverlässigen und leistungsfähigen Handelspartner, der seine Geschäfte in allen möglichen Bereichen ausweitet, von Urgetreide über Kakao bis hin zu Mode, Spielfilmen und Comics. Afrikanische Zutaten und Produkten haben laut Richard Cope daher enormes Potenzial in Europa: Einige dieser Produkte haben bereits ihren Weg in die europäischen Supermarktregale gefunden. Afrikanische Schönheitsprodukte haben ebenfalls das Potenzial auf dem europäischen Markt Erfolge zu feiern, darunter schwarze Seife aus der Asche lokal geernteter Pflanzen und Rinden wie Wegerich, Kakaoschalen, Palmblättern und Sheabutter.“

Ethisches Verhalten beeinflusst die Kaufentscheidung

Aus der Markenperspektive bieten soziokulturelle Initiativen wie Gebäudesanierungen und Förderung von Bildungs- und Kulturangeboten die Möglichkeit, die aktuellen patriotischen Gefühle positiv zu nutzen. „Die Kosten für die Instandhaltung und Renovierung kultureller Denkmäler und Institutionen steigen immer weiter. Unternehmen engagieren sich vermehrt bei der Finanzierung dieser Projekte, denn diese Initiativen bieten die Möglichkeit, sich in den Gemeinden auf konkrete Art und Weise einzubringen“, erklärt Cottney. Das kann das Kaufverhalten beeinflussen: Fast die Hälfte (48 %) der britischen Verbraucher im Alter von 25 bis 34 sagt aus, dass das ethische Verhalten eines Unternehmens einen Einfluss auf ihre Kaufentscheidung hat. „Die Lebensmittelindustrie und die Gastronomie werden historische Produktionsstätten, die mit ihren Marken assoziiert werden, wieder aufleben lassen. Die Bekleidungs- und Schuhindustrie sowie die Freizeit- und Unterhaltungsbranche könnten ebenfalls von dieser Entwicklung profitieren.“

Alles zum richtigen Zeitpunkt

Begünstigt durch die wachsende Beliebtheit der Geolocation-Technologie, unterstützen Unternehmen Verbraucher künftig bei der Entscheidung, was sie in den nächsten 30 Minuten bis 48 Stunden kaufen, anschauen, machen oder essen sollen. „Gepaart mit der Verbesserung von Geolocation- und Beacon-Technologien wird der Hype um Augmented Reality Spiele wie Pokémon Go einen Effekt auf die Interaktion der Verbraucher mit ihrer unmittelbaren Umgebung haben und ihr Kaufverhalten und ihre Entscheidungsprozesse beeinflussen. Die Beacon-Technologie wird leistungsfähiger und durchdringt den Einzelhandel immer weiter. Laut Mintel hat diese Art von Kommunikation Potenzial, denn 29 % der britischen Millennials würden ihren Echtzeit-Standort mit Unternehmen teilen, wenn sie im Gegenzug Angebote aus ihrer Nähe erhalten“, berichtet Cottney. Geschäfte können so „Happy Hour“ und Countdown-Rabatte als Reaktion auf alles anbieten, von der aktuellen Wetterlage bis hin zu politischen oder kulturellen Ereignissen vor Ort.

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