12.10.2007
Mit Shoppen kann man die Welt verbessern
LK-Handelszeitung: Herr Mag. Wutscher, können Sie uns einige Beispiele für ethisch korrektes Handeln der Rewe Austria geben?
Wutscher: Ein wichtiger Part dabei ist das Forcieren einer direkten Zusammenarbeit mit den Bio-Bauern, gemeinsam mit unserem Qualitätsmanagement-Team von Ja! Natürlich, das unermüdlich nach Optimierungen und Verbesserungen bei den Produkten strebt.
Aber wir setzen nicht nur im Bio-Segment auf ethisch korrekte Ware. Beispielsweise haben wir im Bereich Kaninchenfleisch sofort reagiert, als uns Vier Pfoten auf die katastrophalen Haltungsbedingungen der Tiere bei der Aufzucht aufmerksam gemacht hat. Wir haben in der Hochsaison vor Ostern beschlossen, dass dies mit unserer Philosophie nicht vereinbar ist und das gesamte Kaninchenfleisch in unseren Handelsfirmen Billa und Merkur ausgelistet.
Weiters setzen wir uns seit 2002 mit Global 2000 stark dafür ein, die Pestizide im gesamten Obst- & Gemüse-Bereich zu minimieren. Der PestizidÂskandal bei Paprika war damals der Auslöser, Global 2000 führt heute für Rewe Group Austria regelmäßig unabhängige Kontrollen der Grenzwerte durch.
Wie werden Sie den Ansprüchen des sogenannten „hybriden Konsumenten“ gerecht?
Grundsätzlich möchten wir den Konsumenten die Wahlfreiheit bieten, sich in jeder Situation neu entscheiden zu können, ob sie Schnäppchenjäger oder Qualitätskäufer sein möchten. Ob Discounter oder Verbrauchermarkt. Wir möchten nicht moralisierend auftreten und das eine oder andere Extrem verdammen – das wäre falsch. Der Konsument hat jeden Tag die Wahlfreiheit, sich neu und anders zu entscheiden. Und das ist gut so.
Ist das mit Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen?
Die Menschheit rund um den Globus wird immer mündiger, die Konsumenten werden sich ihrer Macht bei der Kaufentscheidung bewusst. Menschen wollen zunehmen die Welt ganzheitlich verstehen, verantwortlich handeln und dabei trotzdem ein genussvolles Leben führen. „Gesund“, „fair“ und „nachhaltig“ werden vor allem in gesättigten Märkten – wie auch der Lebensmittelhandel in Österreich einer ist – zu ausschlaggebenden Kaufargumenten. Egal ob Dienstleister, Produktentwickler oder Hersteller, sie alle müssen sich darauf einstellen, dass ihre Märkte zunehmend umwelt- und gesundheitssensibler werden.
Seit einigen Jahren gibt es auch Fairtrade-Artikel in den Sortimenten von Billa und Merkur. Wird dieser Bereich ausgebaut?
Betonen möchte ich, dass wir einen klaren Schwerpunkt Österreich in unserem Sortiment anbieten. Wir führen aber auch eine Reihe von Fairtrade-Produkten als Ergänzung des Sortiments. So finden sich beispielsweise Orangensaft von Transfair, die Ja! Natürlich Bio-Bananen und Demerara Würfelrohrzucker in den Sortimenten der Handelsfirmen. Damit schließt sich Rewe Group Austria dem Fairtrade-Gedanken an und unterstützt mit fairen Preisen das eigenverantwortliche Wirtschaften der Menschen in den Entwicklungsländern. Wir sind aber auch selbst in Sachen Private Public Partnership aktiv. Ja! Natürlich hat gemeinsam mit dem Kaffee-Experten Karl Heissenberger 2004 ein besonderes Projekt zugunsten von Ecuador initiiert. Klares Ziel für uns ist, die Lebensbedingungen der Bio-Bauern vor Ort zu verbessern.
Und was kann Rewe Austria zum Klimaschutz beitragen?
Wir leisten bei der Belieferung unserer mehr als 1.900 Märkte in ganz Österreich mit einer effizienten und möglichst schadstoffarmen Logistik einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. Im Jahr 2004 wurde damit begonnen, dem Dieseltreibstoff sukzessive einen höheren Anteil an Biosprit beizumischen. Weiters wird durch computerunterstützte Tourenplanung und – wo logistisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll – Nutzung der Bahn die LKW-Belastung verringert und ein positiver Beitrag zur CO2-Reduktion erzielt.
Bei den Filialen werden umfassende Konzepte zur Energieeinsparung umgesetzt, die sowohl beim Strom- als auch beim Heizenergieverbrauch ansetzen. Da wird beispielsweise die Filiale über die Abwärme der Kühlmöbel beheizt. Außerdem wird auch die gesamte Kälteanlage äußerst energiesparend ausgelegt.
In Zahlen am Beispiel des Neubaus in Klosterneuburg ausgedrückt bedeutet das, dass der Stromverbrauch um rund 30 Prozent, das sind über 50.000 Kilowattstunden, reduziert werden konnte. In Summe ist das allein in dieser Filiale eine CO2-Einsparung von ca. 38 Tonnen pro Jahr. mp

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