

Interview
19.01.2010
„Rabattschlachten beschädigen Werte“

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Mit den derzeit mehr als 700 Kaufleute-Standorten wird knapp mehr als die Hälfte aller rund 1400 österreichischen Standorte von selbstständigen Spar-Unternehmern betrieben. Der Trend geht hin zu größeren Geschäften: Hatten vor 20 Jahren erst 83 Spar-Kaufleute einen Supermarkt mit einer größeren Fläche als 400 m², so sind es mit 267 (per 11/2009) bereits drei Mal so viele. Mag. Fritz Poppmeier leitet seit 1999 als einer von vier Vorstandsdirektoren bei der Österreichischen Spar AG die Bereiche Expansion und Einzelhandel.
Im Interview mit der Handelszeitung zieht er ein Resümee über die Modernisierungsoffensive, Eigenmarken und Preisschlachten im Lebensmittelhandel.
Handelszeitung: Herr Mag. Poppmeier, hat das Modernisierungsprogramm den gewünschten Erfolg gebracht? Wie viel wurde investiert, in welchen Bereichen (Sortiment, Ladenbau, Technik, usw.) wurden die meisten Änderungen/Neuerungen bei den Kaufleuten durchgeführt?
MAG. Fritz Poppmeier: Die so genannte „Modernisierungsoffensive“, die wir vor einigen Jahren gestartet haben, hat einen richtigen Innovationswind durch die Reihen der Kaufleute geweht, der alle Bereiche der Geschäfte betroffen hat. Das reicht vom Außenauftritt bis zum Ladenbau, vom Sortiment bis zur Kühltechnik, und auch die Unternehmer selbst konnten an neu konzipierten Seminaren teilnehmen. Die hervorragenden Ergebnisse bei bereits umgestellten Märkten haben immer mehr Kaufleute dazu bewogen, es auch zu wagen. Also: Die Offensive hat auf jeden Fall den erwünschten Erfolg gebracht.
Ist für Spar das Modell der Läden mit reduziertem Sortiment auf kleiner Fläche (Stichwort „Billa Box“) interessant?
Am richtigen Standort waren kleine Flächen immer schon interessant. Hohe Kundenfrequenz ist entscheidend. Schon heute gibt es tolle Spar-Erfolgsbeispiele, wie den Gourmet im Wiener AKH oder auch bestimmte Spar-Tankstellenshops.
Das ist ein gutes Stichwort: Wie geht es weiter mit der Test-Kooperation mit Doppler?
Der Test ist mindestens auf ein halbes Jahr angelegt, sodass wir derzeit noch keine abschließende Analyse machen können. Die ersten Rückmeldungen der Tankstellen-Pächter sind aber sehr positiv.
Es heißt, dass Spar jene Kaufleute „belohnen“ will, die die maximal erlaubten Offenhaltezeiten (72 Stunden) auch zur Gänze ausnutzen?
Es ist richtig, dass wir unsere Kaufleute dazu animieren wollen, die gesetzlichen Öffnungszeiten auch voll auszunützen und wir helfen bei der Umsetzung. „Belohnen“ ist aber das falsche Wort.
Das Schärfen des Profils ist Spar ein großes Anliegen. Wie schafft Spar den Spagat zwischen diesem Vorhaben und dem Wunsch, den Kunden laufend Neues anzubieten?
Die Kunden dürfen bei uns erwarten, dass sie laufend Neuigkeiten angeboten bekommen. Das ist Teil unseres Profils. Ich sehe da keinen Widerspruch oder einen Spagat.
Mit Spar-Eigenmarken wie S-Budget haben die Kaufleute gute Frequenzbringer an der Hand. Beklagt wird die geringe Spanne dieser Artikel. Wie bewerten Sie die Nutzenrechnung der Eigenmarken für die Kaufleute?
S-Budget hat sich für den ganzen Spar-Konzern und alle seine Vertriebsschienen als Volltreffer erwiesen. Speziell die Spar-Kaufleute konnten damit in herausfordernden Zeiten ihr Preisimage beim Kunden weiter verbessern. Die Spar-Eigenmarken generell verbinden Innovation, Spar-Qualität, einen deutlichen Preisvorteil für den Konsumenten mit einer guten Spanne für die Kaufleute und sind somit eine Säule unseres gemeinsamen Erfolges.
Nah&Frisch hat kürzlich den 100. Postpartner in ihren Reihen gefeiert. Ist dieses Konzept auch für Spar-Kaufleute attraktiv?
Aufgrund der schwachen Rendite ist dieses Konzept nur an ausgesuchten Standorten umsetzbar. Wir haben eine Handvoll Postpartnerschaften, das Interesse der Kaufleute ist „mittelprächtig“.
Welche Expansionspläne verfolgt Spar im Jahr 2010 – speziell in Ostösterreich? Wird die Expansion zu gleichen Teilen mit Filialen und Kaufleuten passieren?
In der Supermarkt- und Eurospar-Expansion werden wir wie bisher dynamisch und qualitätsvoll weiterwachsen. Natürlich bemühen wir uns so oft wie möglich Standorte mit Spar-Kaufleuten zu besetzen. Da bei uns operativ den Kaufleuten auch die Möglichkeiten der Filialen offenstehen, wird die Liste der Erfolgsbeispiele immer länger.
2010 wird speziell auch für Interspar ein tolles Jahr: Neueröffnungen, Totalerneuerungen und ein neues Konzept speziell für den Wiener Raum, das wir erstmals in Klosterneuburg präsentieren werden.
Wohin wird Ihrer Meinung nach die „Rabattitis“ der Vergangenheit führen („-25 % auf alles“ usw.)? Welchen Stellenwert nimmt der Preis neben Instrumenten wie Regionalität, heimische Produkte und „Bio“ für Spar ein?
Gute Preise, Regionalität und Bio sind Elemente, die man bei Spar immer im Paket erleben kann. Ich halte es für falsch, dass oftmals so getan wird, als ob sich diese Instrumente gegenseitig ausschließen würden. Rabattschlachten sind aber kontraproduktiv, da die hinter den Produkten und Dienstleistungen stehenden Werte dadurch nachhaltig beschädigt werden können.
Danke für das Gespräch.
(Redaktion: Wolfgang Friedrich)
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