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Gute Konjunkturdaten lassen die Stimmung in den österreichischen KMU auf ein neues Hoch steigen.

KMU-Umfrage: Aufschwung im österreichischen Mittelstand hält an

29.11.2017

Creditreform hat im Rahmen seiner Wirtschafts- und Konjunkturforschung im Herbst 2017 wieder rund 1.700 österreichische Klein- und Mittelunternehmen nach der aktuellen wie auch zukünftigen Wirtschaftslage befragt.

Seit dem Frühjahr 2016 ziehen die Kurven des Creditreform Klimabarometers sowie Lage- und Erwartungsindex an einem Strang nach oben – Tendenz weiter steigend.
Hinsichtlich ihrer künftigen Umsatzlage sind die heimischen KMU heuer wesentlich zuversichtlicher als noch vor einem Jahr. Der Saldo aus steigenden und sinkenden Umsätzen beträgt im Herbst 2017 plus 16,1 Prozentpunkte

Die Konjunkturkurve der heimischen KMU zeigt weiter steil nach oben und erreicht ein Fünfjahreshoch. In allen Wirtschaftsbereichen liegen Lage- und Erwartungsindex deutlich über den Vorjahresergebnissen. Das Creditreform Klimabarometer konnte in den letzten Wochen noch einmal ordentlich zulegen und erreichte mit plus 23,9 Punkten ein neues Allzeithoch. Damit liegt es 7,3 Zähler über dem Ergebnis des Frühjahres (plus 16,6 Punkte) und 16,0 Zähler über dem Vorjahreswert (plus 7,9 Punkte). Am besten ist die Stimmung derzeit beim Verarbeitenden Gewerbe mit plus 27,9 Punkten (Vorjahr: plus 8,7 Punkte) und beim Baugewerbe mit plus 27,0 Punkten (Vorjahr: plus 2,4 Punkte). Auch bei den Wirtschaftsbereichen „Dienstleistung“ (plus 24,6 Punkte; Vorjahr: plus 8,5 Punkte) und „Handel“ (plus 19,4 Punkte; Vorjahr: plus 9,9 Punkte) ist der Aufschwung deutlich spürbar.

Das Creditreform Klimabarometer basiert auf einer Umfrage unter mittelständischen Betrieben in Österreich. Der Index setzt sich zusammen aus den Einschätzungen der Befragten zum eigenen Betrieb, zur eigenen Branche sowie zur konjunkturellen Lage allgemein. Dabei fließen in die Gesamtbewertung des Konjunkturklimas sowohl die Äußerungen zur aktuellen Lage als auch zur zukünftigen Entwicklung ein. Aus den positiven und negativen Antworten werden jeweils Salden gebildet, die wiederum die Berechnungsgrundlage für den Gesamtindex bilden. Das Klimabarometer zielt in erster Linie auf die Stimmung im Mittelstand ab.

Geschäftslage im Bau boomt

Die Stimmung in den Betrieben des Mittelstandes war im Herbst 2017 so gut wie schon lange nicht mehr. Der Geschäftslageindex hat sich mehr als verdoppelt und erzielte nach einer Zunahme um 15,3 Zähler mit plus 25,0 Punkten ein sehr gutes Ergebnis (Vorjahr: plus 9,7 Punkte). Am besten beurteilten im Herbst dieses Jahres die Baubetriebe ihre Geschäftslage (plus 30,1 Punkte; Vorjahr: plus 4,6 Punkte). Damit konnte die Baubranche mit einem Plus von 25,5 Zählern den höchsten Zuwachs aller Wirtschaftsgruppen verbuchen. Deutlich nach oben schraubte sich der Geschäftslageindex auch bei den Wirtschaftsbereichen „Verarbeitendes Gewerbe“ (plus 29,3 Punkte; Vorjahr: plus 12,8 Punkte) und „Dienstleistungen“ (plus 25,8 Punkte; Vorjahr: plus 10,1 Punkte): um 16,5 Zähler beim Verarbeitenden Gewerbe und um 15,7 Zähler bei der Dienstleistungsbranche. Eine deutlich bessere Bewertung der aktuellen Geschäftslage gab es auch beim Handel, wo der Geschäftslageindex aktuell plus 19,1 Punkte erreichte (Vorjahr: plus 10,7 Punkte). Im Gegensatz zu den übrigen Hauptwirtschaftsbereichen fiel die Zunahme um 8,4 Zähler jedoch vergleichsweise bescheiden aus.

Optimismus in der Industrie am stärksten

Angesichts der derzeit guten konjunkturellen Rahmenbedingungen sind die kleinen und mittleren Unternehmen auch bei ihren Geschäftserwartungen sehr zuversichtlich gestimmt und damit wesentlich optimistischer als noch im Herbst 2016. Der Erwartungsindex hat sich mehr als verdreifacht und verbesserte sich im Jahresverlauf um 16,8 Zähler. Er erreichte somit aktuell einen Wert von plus 22,9 Punkten (Vorjahr: plus 6,1 Punkte). Die meisten Optimisten gibt es derzeit beim Verarbeitenden Gewerbe (plus 26,6 Punkte; Vorjahr: plus 4,8 Punkte) – hier bewegte sich der Erwartungsindex um 21,8 Zähler in die Höhe. Den größten Stimmungsaufschwung gab es beim Baugewerbe, wo der Erwartungsindex um 23,7 Zähler stieg (plus 24,0 Punkte; Vorjahr: plus 0,3 Punkte). Zunahmen im zweistelligen Bereich gab es auch bei den Dienstleistungen (plus 23,4 Punkte; Vorjahr: plus 7,0 Punkte) um 16,4 Zähler und beim Handel (plus 19,7 Punkte; Vorjahr: plus 9,0 Punkte) um 10,7 Zähler.

Umsatzsteigerungen wie seit Jahren nicht mehr

Die Umsatzentwicklung des Mittelstandes im Herbst dieses Jahres war ebenfalls sehr zufriedenstellend. Der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Umsätzen konnte sich mehr als verdoppeln: Aktuell beträgt er plus 25,9 Prozentpunkte und markiert damit das beste Ergebnis der letzten zehn Jahre (Vorjahr: plus 11,1 Prozentpunkte). In den letzten Monaten verbuchten 39,1 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmer ein Umsatzplus (Vorjahr: 31,3 Prozent), während 13,2 Prozent ein Umsatzminus (Vorjahr: 20,2 Prozent) beklagten.

Überdurchschnittliche Umsatzsteigerungen gab es im Herbst 2017 beim Verarbeitenden Gewerbe (44,7 Prozent; Vorjahr: 27,1 Prozent), beim Bau (43,8 Prozent; Vorjahr: 25,6 Prozent) und bei den Dienstleistungen (41,7 Prozent; Vorjahr: 29,2 Prozent). Auf der anderen Seite waren besonders die Handelsunternehmen mit einem Anteil von 19,9 Prozent (Vorjahr: 18,7 Prozent) von Umsatzrückgängen betroffen – bei der Dienstleistungsbranche waren es noch 12,2 Prozent (Vorjahr: 19,0 Prozent). Mit plus 37,3 Prozentpunkten erzielte das Verarbeitende Gewerbe den besten Umsatzsaldo (Vorjahr: plus 4,7 Prozentpunkte), dicht gefolgt von der Bauwirtschaft (plus 35,0 Prozentpunkte; Vorjahr: plus 2,5 Prozentpunkte). Beim Handel dagegen war die Umsatzentwicklung rückläufig. Hier sank der Saldo von plus 20,0 Prozentpunkte auf derzeit plus 11,2 Prozentpunkte.

Starker Optimismus für die künftige Umsatzentwicklung

Hinsichtlich ihrer künftigen Umsatzlage sind die heimischen KMU heuer wesentlich zuversichtlicher als noch vor einem Jahr. Der Saldo aus steigenden und sinkenden Umsätzen beträgt im Herbst 2017 plus 16,1 Prozentpunkte (Vorjahr: plus 4,7 Prozentpunkte). Höher war die Umsatzerwartung zuletzt 2010.Die meisten Optimisten finden sich derzeit in den Betrieben der Dienstleistungsbranche: Hier ist der Prozentsatz der Befragten, die optimistisch in die Zukunft schauen, mit 33,9 Prozent (Vorjahr: 27,0 Prozent) am höchsten, während der Anteil der Pessimisten mit 11,3 Prozent (Vorjahr: 15,3 Prozent) am geringsten im Branchenvergleich ist. Bei der Bauwirtschaft schauen dagegen überdurchschnittlich viele Mittelständler (18,8 Prozent; Vorjahr: 32,1 Prozent) mit Sorge auf die kommenden Wochen, mit Abstand folgt hier der Handel mit einem Anteil von 12,6 Prozent (Vorjahr: 12,7 Prozent) auf Platz zwei. Den höchsten Erwartungssaldo erzielte im Herbst dieses Jahres die Dienstleistungsbranche (plus 22,6 Prozentpunkte; Vorjahr: plus 11,7 Prozentpunkte). Den zweitbesten Saldo gab es beim Handel mit plus 18,5 Prozentpunkten (Vorjahr: plus 18,0 Prozentpunkte) – beim Verarbeitenden Gewerbe waren es plus 17,0 Prozentpunkte (Vorjahr: 0,0 Prozentpunkte). Die Baubranche liegt mit einem Erwartungssaldo von plus 1,2 Prozentpunkten zwar nur knapp im positiven Bereich, konnte sich jedoch wesentlich mehr als alle anderen Wirtschaftsbereiche verbessern und zwar um 29,5 Zähler (Vorjahr: minus 28,3 Prozentpunkte).

Ausblick: Wirschaftswachstum bis zu drei Prozent erwartet

Nach dem guten Start ins Jahr konnte die österreichische Konjunktur in der zweiten Hälfte dieses Jahres noch einen Gang hochschalten. Diese positive Dynamik wird sich in den kommenden Monaten fortsetzen. Die Ökonomen prognostizieren ein Wirtschaftswachstum zwischen zwei und drei Prozent für dieses und nächstes Jahr. Gestützt wird die Binnenkonjunktur auch durch den privaten Konsum, der dank einer deutlichen Beschäftigungszunahme weiterhin hoch ist. Allerdings könnten steigende Mieten und höhere Energiepreise die Konsumfreude der Verbraucher dämpfen. Auch die Gastronomie erhöhte unlängst ihre Preise. Nicht zu vernachlässigen sind die bürokratischen Aufwendungen und Kosten für die Erfüllung der datenschutzrechtlichen Auflagen, welche spätestens im Mai 2018 mit Inkrafttreten der DSGVO erfüllt sein müssen. Von den derzeit günstigen Entwicklungen auf dem internationalen Markt – innerhalb und außerhalb der Eurozone – profitiert die österreichische Exportwirtschaft. Dies kann sich durch nicht vorhersehbare Entwicklungen (Brexit, Nordkorea, Trump-Exekutive u.ä.) aber leider schnell ändern.  Heimische Unternehmen sollten daher in diesen guten Zeiten vorsorgen, in dem sie ihren Eigenkapitalpolster weiter aufbauen, sich diversifizieren und neue Märkte erschließen.

Die Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung befragt seit 1996 zweimal jährlich an die 1.700 österreichische KMU zur aktuellen als auch zur zukünftigen Wirtschaftslage.

 

Autor/in:
Redaktion Elektrojournal
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