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1. Jahreskongress „Lebensmittel“

18.10.2004

Gestern fand im neuen Wiener Messezentrum der 1. Jahreskongress der österreichischen Lebensmittelbranche statt. Mehr als 100 hochrangige Manager aus den Bereichen Produktion, Handel und Markenartikler erörterten die gesamte Wertschöpfungskette von der Urproduktion über die Industrie bis zum Handel.

Veranstalter dieses zweitägigen Kongresses ist der Österreichische Wirtschaftsverlag zusammen mit der Ueberreuter Managerakademie und dem Österreichischen Agrarverlag. Am 1. Kongresstag hat ein hochkarätiges Referententeam gezeigt, wohin die Entwicklungen gehen und welche Auswirkungen sie auf die Lebensmittelwirtschaft haben.

Unter dem fachlichen Vorsitz von DI Oskar Wawschinek, Leiter der Unternehmenskommunikation der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit), begann Mag. Hanni Rützler vom Zukunftsinstitut darzustellen, welche Megatrends auf uns zukommen und wie die Branche darauf reagieren soll. Mag. Bernhard Heinzlmair, Geschäftsführer der tfactory GmbH Deutschland und Jugendforscher, zeichnete ein lebhaftes Bild der "Jugend in Bewegung". Sein Kernsatz: "Wer die Zielgruppe ansprechen will, muss sich ihrer ganz speziellen Codes bedienen."

Auf die Jungen folgten die Älteren. Peter Schilling, Schilling/Senioragency Wien, erläuterte die Tatsache "Die Generation plus is(s)t anders". Sein Credo: Wer den lebenslustigen Senioren ein "Tauschangebot" für die geänderten Werte (nach Scheidung, Auszug der Kinder, Sorgen um die Gesundheit, usw.) machen kann, kommt ins Geschäft. DI Dr. Johannes Bergmair vom österreichischen Forschungsinstitut für Chemie und Technik lieferte die notwendige Verpackung dazu. Sein Referat handelte von den Trends und ihren Auswirkungen auf die Verpackungen. "Aktive Verpackungen mit Zusatzfunktionen machen das Rennen", so Bergmair.

Das Markenbewusstsein des Europäers von heute hat Peter Pirck, Brandmeyer Markenberatung, durchleuchtet und festgestellt: "Wichtig ist die Selbstähnlichkeit einer Marke und dass sie die Botschaften des Systems vermittelt." Mag. Martin Prantl, Director Retailer Services bei ACNielsen, zeichnete das Bild des "Einkaufsladens der Zukunft". Ein Beispiel: Die britische Kette Sainsbury hat sich darauf spezialisiert, in kleinflächigen Outlets in Ballungszentren die "16-Stunden-Regel" zu praktizieren: Alle Produkte, die der Kunde innerhalb der nächsten 16 Stunden brauchen könnte, müssen geführt werden.

Die gesammelte Aufmerksamkeit hatte DI Guido Schelhove, CPC S EBIS Infineon Technologies, sicher, als er über RFID (moderne Funktechnik) und deren Revolutionspotenzial für die Lebensmittelwirtschaft referierte.
Hochkarätig auch das Podium für die abschließende Diskussion: DI Josef Braunshofer, Berglandmilch, Mag. Jörg Grossauer, Zielpunkt, Dr. Rainer Herrmann, Österreichische Unilever, Dr. Hannes Mraz, Wirtschaftskammer Österreich, und Mag. Manfred Stessel, Obst Partner Steiermark ("frisch, saftig, steirisch") stellten sich den Fragen.
Angesprochen wurde die "Aktionitis" und "Geburtstagshysterie" einiger Handelsketten und die Frage, ob die Branche insgesamt in einer Krise stecke; immerhin verdiene ja - laut allgemeinen Klagen aller Beteiligten - niemand mehr daran.

Trotz geringer Differenzen in Details war sich das Plenum jedoch einig, dass die heimische Lebensmittelbranche in keiner Krise stecke. Die Zusammenarbeit sei nach wie vor gut, auch wenn es hier und da zu Unstimmigkeiten komme. Einen derart desolaten Zustand, wie er etwa in Deutschland herrsche, scheue die Branche wie der Teufel das Weihwasser. Dementsprechend würden auch Anstrengungen gemacht, die schiefe Optik g'rade zu biegen und wieder in den grünen Bereich zu kommen.

w.friedrich@wirtschaftsverlag.at

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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