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1. Jahreskongress „Lebensmittel“

18.10.2004

Am Nachmittag des 2. Kongresstages beschäftigte sich ein Plenum mit dem Wirtschaftsraum Osteuropa, der von weitsichtigen österreichischen Unternehmen bereits seit Jahren bearbeitet wird.

So ist etwa die Brau Union Österreich für den Heineken-Konzern überhaupt erst interessant geworden, weil sie durch eine Reihe von Brauerei-Akquisitionen zum Big Player in Zentral-Osteuropa aufgestiegen war. Kein Einzelfall, wie Dr. Robert Kastner von Getbusiness International, einem mit EU-Förderungsmitteln finanziertem Beratungsunternehmen, betonte. Der Grad ausländischer Beteiligungen in den neuen EU-Mitgliedsländern ist bereits sehr hoch, international tätige Konzerne haben das Potenzial früh erkannt. Sowohl auf Hersteller- als auch auf Handelsseite sind bekannte Marken anzutreffen. Und die Konsumenten sollten nicht unterschätzt werden, denn trotz geringerer Kaufkraft schätzen die Osteuropäer westliche Qualität.

Allerdings seien die Marktentrittsbarrieren heute größer als vor 10 Jahren, erklärte Otto Buchta, der mit Maresi Foodbroker seit 4 Jahren in Ungarn, Tschechien und Slowakei tätig ist und zuvor Osterfahrungen als Geschäftsführer von Rittersport gemacht hatte. So habe sich etwa die Zahl der Lebensmittelgeschäfte in Ungarn von 36.000 (1990) auf 20.000 (2002) reduziert und bereits 65% des ungarischen LEH seien in der Hand westlicher Organisationen. Den Vorteilen wie Wegfall von Zöllen, effizientere Logistik oder stabiläre Währung stünden Nachteile wie hohe Listungsgelder, teure Werbung und generell hohe Anlaufkosten gegenüber. Die Handelsorganisationen würden auch dazu übergehen, Ostzentralen zu gründen und dort den Einkauf für mehrere Länder abzuwickeln. Einheitliche Europakonditionen würden zunehmend verlangt. Für Maresi als österreichische Marke sei es nicht leicht gewesen, den Markteintritt im Osten zu schaffen - ganz im Gegenteil. Erst der gemeinsame Vertrieb mehrerer Marken und starke finanzielle Unterstützung brachte den ersehnten Erfolg. Heute setzt Maresi Foodbroker in Ungarn mit 28 Marken 14 Millionen Euro um, in Tschechien mit 16 Marken 6 Mio. Euro und in der Slowakei mit 23 Marken 5 Mio. Euro.

Peter Feiner, Vorstandscorsitzender der Spar Ungarn, verwies u.a. auf die wachsende Bedeutung von Handelsmarken in den osteuropäischen Ländern. So seien in Ungarn mit Tesco (13% Marktanteil), Metro (10%), Delhaize (8%), Spar (7%), Auchan (6%), Rewe (5%) und Tengelmann (5%) breits sieben internationale Gruppen mit den Betriebstypen Hypermarkt, Discount (beide stark steigend) sowie Cash&Carry und Supermarkt tätig. Sie alle forcieren freilich ihr Eigenmarkenprogramme. Für "B"-Marken, also kaum bis gar nicht beworbene Herstellermarken, werde daher der Raum immer enger. Vielversprechend sieht Feiner die anlaufenden Projekte der im Jahr 2000 gegründeten ECR-Initiative in Ungarn. Gemeinsam arbeiten Hersteller und Handel hier an der Reduzierung der Kosten in der Versorgungskette.

pohl

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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