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100-Millionen-€-Hürde „locker“ genommen

11.06.2008

Alpenmilch Salzburg. Mit einem deutlichen Anstieg bei der Bio-Produktion, Absatzzuwächsen im In- und Ausland sowie einer stimmigen Markenpolitik will die Molkerei weiter wachsen.

Obmann Paul Bankhammer (li.) und Geschäftsführer DI Hans Steiner.

Die Alpenmilch Salzburg habe ihr großes Ziel für 2007, einen Gesamt­umsatz von über 100 Mio.€ zu erreichen, mit 105,1 Mio.€ „locker geschafft“, freute sich Alpenmilch-Geschäftsführer DI Hans Steiner bei der Bilanzpressekonferenz. Dass der Umsatz gegenüber 2006 (96,6 Mio.€) um 8,5% gestiegen ist, führt die fünftgrößte Molkerei Österreichs auf eine „stimmige Markenpolitik, gesteigerte Absätze im Inland und in den Exportmärkten sowie eine verstärkte Nachfrage nach Bioprodukten“ zurück.
In allen wichtigen Produktsegmenten wurden die Absätze gesteigert: Milch und Rahm stiegen um 2% (österr. Gesamtmarkt: +4%), fermentierte Jogurts um 16,5% (Ö: –1%), UHT-Milch und Rahm um 10% (Ö: konstant), Butter um 5% (Ö: 3,5%), Topfen und Frischkäse um 7% (Ö: –4%) und Käse um 8% (Ö: –1%). Im stark umkämpften Markt der Milchmischgetränke konnte die Alpenmilch laut Steiner ihren guten Platz im letzten Jahr sogar noch verbessern.

Milch in ganzer Vielfalt
Das vielfältige Sortiment der Salzburger Molkerei bietet rund 300 Produkte – von Milch über Natur-, Frucht- und Dessertjogurts, Milchmischgetränke bis hin zu den verschiedenen Käsesorten. Die seit mehreren Jahren erfolgreiche Dachmarke tutgut ist weiterhin ausgezeichnet am gesamtösterreichischen Markt positioniert. Dabei gehören die tutgut Lecithin Jogurt-Buttermilchdrinks neben den Trinkjogurts zu den beliebtesten SalzburgerLand Milchmischgetränken in Österreich. Seit Frühling 2008 sind die tutgut Lecithin Drinks im neuen Verpackungsdesign erhältlich; die Wellness-Drinks werden österreichweit in TV und Print beworben.
Bei ihren Löffel-Jogurts setzt die Alpenmilch Salzburg heuer auf Saisonsorten. Für den Sommer lanciert die Salzburger Molkerei nun „den SalzburgerLand Sommer Genuss“ in den zwei exotisch-säuerlichen Geschmacksrichtungen „Ananas Grapefruit Jogurt“ sowie „Zitrone Limette Jogurt“.
Neuerdings gibt es auch für Gastronomie und Einzelhandel Fruchtjogurt im 1-kg-Eimer in fünf Sorten. Als neue Sorte wurde im Mai das SalzburgerLand Bircher-Müsli Jogurt eingeführt, das vor allem bei der Hotellerie im Frühstücksbereich großes Interesse wecken wird.
Stolz ist man bei der Alpenmilch Salzburg auch auf den Export in die USA: Rund 140 t Bio-Käse – hergestellt nach den besonders strengen NOP US-Bio-Kriterien – werden jährlich in die USA geliefert. Auch beim Export in die neuen EU-Länder Ungarn, Tschechien und Slowenien konnten 2007 Umsatzzuwächse in der Höhe von 12% verzeichnet werden.
Zu den wesentlichen Erfolgsfaktoren der Molkerei zähle auch die starke Solidarität mit den Bauern, die sich in einem überdurchschnittlich hohen Milchpreise ausdrücke, so Steiner. Eine nur schwer begründbare, kurzfristige Milch-Verknappung habe 2007 zu drastischen Preiserhöhungen auf den nationalen und internationalen Märkten geführt. Die Alpenmilch Salzburg habe aber ihre Lieferanten nicht im Stich gelassen und die Milchpreise an die Bauern erhöht: „Im Jahresschnitt zahlte die Alpenmilch 37,98 Cent pro Kilogramm Milch aus, also um 0,45 Cent oder um 684.000 € mehr als der Durchschnitt der österreichischen Molkereien.“
Vor dem Hintergrund, dass in Salzburg 4% der Lieferanten pro Jahr aufhören, wolle man den Bauernmilchpreis weiter oben halten. „Die Bauern brauchen Mehreinnahmen, sonst hören sie auf.“ Die aktuelle Lebensmittelpreis-Diskussion auf Kosten der Bauern zu führen, hält Paul Bankhammer, Obmann und Beiratsvorsitzender der Alpenmilch, für „höchst ungerecht“. Die Landwirte treffe keine Schuld an der rasanten Entwicklung im Preisgefüge. Im Gegenteil, die Milch habe seit dem EU-Beitritt maßgeblich zu einer geringen Inflation beigetragen. Erst im vierten Quartal 2007 seien wieder Milchauszahlungspreise wie vor dem EU-Beitritt erreicht worden.
Die hohe Qualität der heimischen Milchprodukte könne aber wegen der gestiegenen Futtermittel- und Energiepreise nicht auf Dauer zu Diskontpreisen gehalten werden. Mit dem Preisniveau in Deutschland werde man nicht mithalten können, so Steiner. Dort herrsche aber eine „gute Nachfrage“ nach Bio-Produkten, die über Naturkostschienen und Handelsketten verkauft würden. Der zweite Hauptexportmarkt der Alpenmilch sei Italien, ein Land mit nach wie vor zu wenig Milch. Dort würden schwerpunktmäßig Markenprodukte angeboten.
„Wir sind bei den meisten Produkten stärker gewachsen als der österreichische Markt. Das Wachstum kam großteils aus Exporten“, freut sich Steiner.

„Die Preise fallen wieder“
Christian Leeb, Geschäftsleiter Marketing & Vertrieb bei Alpenmilch Salzburg (Foto), kommentiert den Umgang der Kunden mit Preissteigerungen so: „Der Peak ist erreicht – die Preise fallen wieder. Der Discount hat vorgelegt – vor allem in Deutschland – jetzt gilt es, die richtige Größe der Preisreduktion zu finden, ohne dabei unsere Bauern in Gefahr zu bringen, nicht mehr ordentlich wirtschaften zu können.“
Ihre Produkte bewirbt die Alpenmilch zum Einen durch klassische Werbung (TV, Radio, Print, Internet) und zum Anderen durch regelmäßige Vertriebs- und Flugblattaktivitäten gemeinsam mit den Handelspartnern, so Leeb.
In den ehemaligen Ostblockländern habe man eine zwölfprozentige Steigerung erreicht und einen Umsatz von 1,5 Mio.€ erzielt. Im Jahr 2007 lieferten 2.644 Bauern – 761 davon sind Bio-Landwirte – insgesamt 152 Millionen Kilogramm Milch an die Alpenmilch Salzburg. Der Anteil der Bio-Milch stieg um 12% auf 35,2 Mio.kg, damit mache der Anteil der Bio-Milch an der gesamten Milchproduktion bereits 23% aus. In einer Anwerbeaktion nahm die Molkerei 113 weitere Bio-Bauern unter Vertrag.

Derzeit arbeiten 165 Mitarbeiter (+ 8 im Vergleich zu 2007) im Unternehmen. Neue Bio-Produkte – wie z.B. die Bio ESL-Milch, der Biofrischkäse oder Bio-Käse, von dem im Jahr 2007 bereits 1.350 t produziert wurden – werten das Bio-Angebot der Alpenmilch Salzburg deutlich auf. Die Salzburger Molkerei setzt damit einen stärkeren Schwerpunkt in Richtung Bio-Produkte.
Für 2008 hat sich die Alpenmilch eine Umsatzsteigerung auf 122 Mio.€ zum Ziel gesetzt. Voraussetzung für den weiteren Wachstum sei die Fertigstellung des Erweiterungsbaus am Unternehmensstandort um 13,3 Mio.€. „Für 2009 ist der Abschluss der Investitionsphase vorgesehen“, so Steiner. In Salzburg wolle man die „Marktbedeutung behalten“, obwohl die Diskonter einen starken Druck ausübten.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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