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12. Einkaufszentren-Symposium

10.05.2010

Weniger euphorisch, dafür mit einem hohen Maß an Professionalität und Innovationsgeist blickt die Shopping Center-Industrie der Zukunft entgegen. Das war der Tenor des am 6. Mai zum 12. Mal in Folge stattgefundenen Einkaufszentren-Symposiums von RegioPlan Consulting.

Im Rahmen der größten Platform für Mieter, Planer und Betreiber von Einkaufszentren erhielten rund 350 Entscheidungsträger aus der Praxis neue Impulse von namhaften Querdenkern, Philosophen und Trendforschern. Einmal mehr erwies sich das Symposium als erfolgreicher Think Tank und Austauschplattform für Vertreter der Shopping Center-Industrie.

So brachte Dr. Ludwig Hasler, Philosoph und Publizist, seine These über den Menschen als verführbares Tier folgendermaßen auf den Punkt: „Am wohlsten ist mir in einer Konditorei, wo die Verkäuferin wirkt, als würde sie das ganze Angebot am liebsten selber vertilgen.“ Nur dann, wenn Shopping Center es schaffen, dem „vagabundierenden Wunsch des Menschens nach Veränderung“ entgegenzukommen, haben sie auch den Sinn ihres Geschäftes verstanden.

Auf der Suche nach der eigenen Marke für jedes Einkaufszentrum forderte Franz Hirschmugl vom Institut für Markenentwicklung in Graz die Teilnehmer auf, in ihr Einkaufszentrum „selber als Kunden zu kommen“. Nur dann würden sie sich über Stärken und Schwächen bewusst werden und die Marke erkennen. So betonte auch der Ideeologe und Quergeist Jens-Uwe Meyer, dass die rechtzeitig gestellte Frage „was in meinem Einkaufszentrum fehlt?“ oft die Frage erspart, „warum funktioniert mein Einkaufszentrum nicht mehr?“.

Was den Konsumenten in den Laden treibt, zeigte Jens Lönneker vom Rheingold Institut auf: „Oft treibt den Verbraucher nicht der leere Kühlschrank, sondern der Lebenshunger ins Geschäft.“ Dies zu verstehen, sei für das Geschäft eines Einkaufszentrums von zentraler Bedeutung. Dass „am Ende Mieter und Bürger über den Erfolg eines Einkaufszentrums entscheiden“, weiß Matthias Böning, Vorstandsvorsitzender der mfi AG, eine der führenden Managementgesellschaften für die Entwicklung und den Betrieb innerstädtischer Einkaufs-Arkaden aus Deutschland. Zum Thema Nachhaltigkeit bei Einkaufszentren zeigte Böning auf, dass „nur wenn Shopping Center ökologisch, ökonomisch und soziokulturell nachhaltig geplant sind, sie für Investoren eine erfolgsgarantierte, krisenunabhängige Anlagemöglichkeit mit stabil hohen Renditen bieten.“ Nachhaltige Shopping Center sind wesentlich mehr als nur „Green-Buildings“.

Auch das bisher kaum beachtete Thema – Migration und Einzelhandel – fand im Rahmen des 12. Einkaufszentren-Symposiums Eingang. So erläuterte Univ. Prof. Dr. Heinz Faßmann vom Institut für Geographie und Regionalforschung, wie Zuwanderer einerseits mit ihren sogenannten ethnic businesses und andererseits als Konsumenten von länder- und kulturspezifischen Produkten auch den heimischen Einzelhandel beeinflussen. „Realismus und Pragmatik und nicht Ideologie seien notwendig“, wenn man Zuwanderer stärker als Kunden gewinnen möchte. Der Handel könne sich auf diese Zielgruppen noch besser einstellen.

Unter der Moderation von Dr. Nils-Christian Hakert, COO von Atrium European Real Estate und Mag. Hanna Bomba-Wilhelmi, CEO von RegioPlan Consulting waren auch Entscheidungsträger aus der Praxis am Podium vertreten.

In der Diskussionsrunde zum Thema „Projektentwicklung von überregionalen Einkaufszentren“ zeigte sich Sonja Gimplinger, Managerin der SCN in Wien, noch relativ entspannt, wenn sie über die geplante Konkurrenz in Gerasdorf bei Wien nachdenke. „Das Projekt sei schon lange in Planung“, bisher seien noch keine Ergebnisse zu sehen. Das angesprochene Projekt verteidigte Kurt Schneider, CEO von Ekazent Immobilien Management mit dem Argument, dass es das erste Shopping Center-Projekt Österreichs sei, dass sich einer langen Umweltverträglichkeitsprüfung unterziehen musste. „Die Eröffnung wird im Jahr 2012 erfolgen“, so Schneider.

Einen internationalen Blick warfen Klaus-Martin Callhoff von mfi und Stephan Rees von Mosaic Property LLP. Dabei freute sich der auf Fachmarktzentren in Osteuropa spezialisierte Investor aus Großbritannien darüber, “im schwierigen Jahr 2009 das Trio Mieter, Eigentümer und Banken dennoch zufrieden gestellt zu haben.” Für mfi, das in Deutschland erfolgreich Einkaufszentren betreibt und nun nach Österreich expandieren möchte, steht fest, “dass Österreich ein anderer Markt als Deutschland sei”, dabei “wäre man bereit , sowohl als Dienstleister im Managementbereich als auch als Entwickler mit eigenem Geld zu investieren.”

Im Hinblick auf „Visionen 2020: Betriebstypen, Märkte, Standorte“ waren sich die Teilnehmer der zweiten Diskussionsrunde einig, dass während sich die konsolidierten Märkte Österreich und Deutschland krisenresistent gezeigt haben und damit auch Grund zum Optimismus geben, der osteuropäische Raum einer differenzierten Betrachtung bedarf. Während Polen oder Slowenien eine stabile Entwicklung versprechen, sei das „Geschäft insbesondere in Russland und in der Ukraine eingebrochen“, so Mag. Gabor Rose, Geschäftsführer von Magda Rose KG (Jones). Dies stelle nicht so sehr für das Unternehmen selbst ein Problem dar, jedoch sei dies für die Franchisepartner in diesen Ländern und für die Märkte selbst eine negative Entwicklung, der nicht so rasch entgegengewirkt werden kann. In diesem Zusammenhang merkte auch Frederik Kramer von Peek&Cloppenburg an, dass einige der immer schwächer frequentierten Einkaufszentren in Osteuropa nicht nur ein Zeichen der Krise sondern auch der schlechten Planung seien.

„Menschen in Osteuropa wurden sicher von der rasanten Entwicklung an Handelsimmobilien in den letzten Jahren überrollt“, brachte Reinhard Winiwarter von Standort Marketing Agentur die Lage in Osteuropa auf den Punkt. Demnach müsse „man nicht so sehr über revolutionäre Konzepte sondern mehr über logische Evolutionen bei Einkaufszentren nachdenken“, schlussfolgerte Harald Aichberger von CEERES Immobilienmanagement.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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