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Schulterschluss zur Gentechnikfreiheit (v. l.): Rewe International-Vorstand Frank Hensel, Florian Faber (ARGE Gentechnik-frei), Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner, Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter, Markus Schörpf (ARGE Gentechnik-frei) und Spar-Vorstandsvorsitzender Gerhard Drexel

20 Jahre Wettbewerbsvorteil für den Handel

08.05.2017

20 Jahre nach dem Volksbegehren gegen Gentechnik ist man doppelt sicher: Es war die richtige Entscheidung, und der Mensch profitiert ebenfalls davon: Gentechnik-Freiheit. Und sie hat große Macht. Sie schafft es, die größten Mitbewerber zu vereinen – so geschehen an jenem Tag, als die ARGE Gentechnik-frei ihr 20-jähriges Jubiläum feiert.

Frank Hensel, Rewe-Vorstand, und Gerhard Drexel, Spar-Vorstand, standen sich gegenüber und waren sich einig: Ohne Gentechnik-frei hätte die Qualität der österreichischen Lebensmittel stark gelitten. Sie ist nicht nur für den Menschen wichtig, sondern auch ein Wettbewerbsvorteil für den Handel – auch international.

Mit 1,226 Mio. Unterschriften unter das Gentechnik-Volksbegehren haben Österreicherinnen und Österreicher im April 1997 der Gentechnik auf Feldern, im Regal und auf den Tellern eine klare Absage erteilt. 20 Jahre danach ist Österreich in Europa unbestrittener Vorreiter und Vorbild in der gentechnikfreien Produktion: Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ist verboten, die weitere Verankerung der Gentechnik-Freiheit in Österreich und Europa, auch angesichts neuer Züchtungstechniken, ist unbestrittenes und gemeinsames Ziel von Politik, Wirtschaft und Zivil­gesellschaft. Kein anderes Land verfügt über ein derart breites Angebot kontrollierter Lebensmittel mit der Qualitätsauslobung „Ohne Gentechnik hergestellt“. 

„Österreich hat mit dem Gentechnik-Volksbegehren vor 20 Jahren eine Führungsrolle bei der Gentechnik-Freiheit in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion übernommen. Als erstes Land der EU haben wir 2015 die Gentechnik-Freiheit im Anbau sogar in der Verfassung verankert“, erklärt Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter. Seine Regierungskollegin Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner: „Ohne Gentechnik hergestellte Produkte sind ein Aushängeschild Österreichs. Schon 1998 hat das Gesundheitsministerium einen verlässlichen Gentechnikfrei-Standard als Richtlinie im österreichischen Lebensmittel-Codex verankert und seither stetig weiterentwickelt. In der Zwischenzeit ist der österreichische Standard zur europäischen Benchmark geworden. Zahlreiche EU-Länder folgen mittlerweile unserem Vorbild“.

Kontrollzeichen auf mehr als 3300 heimischen Lebensmittel

Es ist dabei eine wesentliche Markttransformation gelungen: Heute sind mehr als 3300 österreichische Lebensmittel mit dem Kontrollzeichen „Ohne Gentechnik hergestellt“ ausgelobt. Bei Milch und Molkereiprodukten, Eiern sowie beim Großteil des Geflügelfleisches (Huhn, Pute) ist die Gentechnik-Freiheit Branchenstandard. Produkte mit dem grünen Kontrollzeichen „Ohne Gentechnik hergestellt“ erfüllen die strengen Produktionsvorschriften des Österreichischen Lebensmittel-Codex bzw. der EU-Bioverordnung; deren Einhaltung wird in allen Stufen der Produktion regelmäßig von unabhängigen Kontrollstellen überprüft.

Das Kontrollzeichen genießt hohes Vertrauen: 74% der Konsumenten (Focus, 2015) bewerten es als glaubwürdig. 81% der Konsumenten erachten gentechnikfreie Produktion als sehr wichtig bzw. wichtig für ihre Kaufentscheidung (AMA 2016).

„Mit der ARGE Gentechnik-frei haben Erzeuger, Umweltorganisationen und innovative Händler vor 20 Jahren Einzigartiges für die Gesundheit der Bevölkerung und die Sicherheit der Umwelt geschaffen. Diese Partnerschaft hat den Siegeszug des Gentechnikfrei-Standards ermöglicht und Österreich zum weltweiten Vorreiter gemacht,“ erklärt Gerhard Drexel. Die Plattform habe aber auch in Zukunft wichtige Aufgaben – insbesondere angesichts der Freihandelsabkommen wie CETA.

Auch Frank Hensel sieht die gentechnikfreie Produktion als klaren Auftrag: „Bei einer überwältigenden Mehrheit der Österreicher besteht unverändert der dringende Wunsch, ausschließlich gentechnikfrei produzierte Lebensmittel zu konsumieren. Kein einziges Produkt, das in den Handelsfirmen der Rewe International AG angeboten wird, ist daher gentechnisch verändert, und das wird auch so bleiben.“

Josef Braunshofer, Berglandmilch-Geschäftsführer war mit seiner Molkerei unter den ersten, die gentechnikfrei wurden. Es war eine große Umstellung für die Bauern, die sich jedoch gelohnt hat. Aktuell hat er einen Wunsch an so manche Standesvertretungen: „Wenn wir Preisvergleiche mit anderen Ländern lesen oder hören, dann macht uns das nicht immer glücklich. Unsere Produkte sind auch aufgrund der Qualität teurer und eine Milch in Berlin ist nicht immer gentechnikfrei.“

Große Aufgaben für die Zukunft

Es gibt in Zukunft einige Hürden zu schaffen. Da wäre die korrekte Umsetzung von CETA, sodass die Schiedsgerichte in Europa nicht angewendet werden können – eine Aufgabe, die die Politik zu erfüllen hat, mit einem klaren Auftrag der Österreicher.

Die „Eiweißlücke“ ist ein Sorgenkind. Denn der Sojaanbau in Europa durch die Gemeinschaft Donausoja ist erst im Wachsen. Hier gilt es, sich als Donauländer und europäische Länder zu vereinen. Weiters gibt es wichtige Bereiche in der österreichischen Produktion, in denen erste kleine Segmente auf Herstellung ohne Gentechnik umgestellt sind: Insbesondere in der Schweine- und Rinderfütterung sind Maßnahmen gefragt, um eine großflächige Umstellung auf gentechnikfreie Produktion voranzutreiben. Bis dato haben insbesondere Qualitätsmarken (wie z. B. Gourmetfein, Fleischwaren Berger, Hütthaler, Schirnhofer) auf gentechnikfreie Fütterung umgestellt.

Auch auf europäischer Ebene stellen sich große Aufgaben: Zwischen den bis jetzt existierenden nationalen gentechnikfrei Kennzeichnungssystemen (aktuell: D, F, I, Lux, Slo; in Vorbereitung: P, B, CH, H, BiH, Cro) gibt es zum Teil deutliche Unterschiede in den Anforderungen an Produktion und Kontrolle. Eine europaweite Harmonisierung wird notwendig sein. Das seit vielen Jahren in der Praxis erprobte österreichische System sollte dabei in der EU als Benchmark und Messlatte dienen.

Technologisch wird das Hauptaugenmerk auf die „Neuen Züchtungstechniken“ zu werfen sein. Dabei werden gentechnische Methoden, wie z. B. derzeit die Genschere (CRISPR/CAS) als Zukunftstechnologien diskutiert, um das Genom von Pflanzen zu verändern. Anders als bei herkömmlichen Methoden der Gentechnik erfolgen die Veränderungen gezielter, aber auch breiter und tiefgehender. Teilweise werden auch keine artfremden Gene eingefügt, um die Eigenschaften der Pflanze zu verändern. Der Nachweis dieser Methoden im Endprodukt ist zumeist schwierig bis derzeit unmöglich.

Autor/in:
Gabriele Jiresch
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