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Trotz Einbußen lagen die Milch-Exporte 2016 weiterhin auf hohem Niveau

2016 war Härtetest für heimische Milchwirtschaft

29.03.2017

Aufgrund des Russland-Embargos und der Abschaffung der Milchquote war 2016 ein schwieriges Jahr für die österreichische Milchwirtschaft. Mit Beginn 2017 kam es aber zu einer zunehmenden Stabilisierung.

Die österreichische Milchwirtschaft startete im 1. Halbjahr 2016 unter sehr schwierigen Voraussetzungen. Der Höhepunkt der Milchkrise im 1. Halbjahr 2016 führte zu historischen Tiefpreisen in einzelnen Ländern, auch in Österreich kam es zu schmerzhaften Rückgängen bei den Preisen - durch die heimische Qualitätsstrategie konnten diese aber etwas abgemildert werden. Erst ab dem 2. Halbjahr kam es aufgrund der Rückgänge bei der Anlieferung, den erfolgten Interventionsmaßnahmen sowie einer stärkeren internationalen Nachfrage zu einer Trendwende. „2016 war für die österreichische Milchwirtschaft ein sehr schwieriges Jahr“, erklärte Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM).  

Rückgänge in fast allen Bereichen

Infolge der tiefen Milchpreise sank der Umsatz der zwei größten heimischen Molkereien Berglandmilch und NÖM, auch andere Molkereien hatten mit Umsatzrückgängen zu kämpfen. Der Milchpulvererzeuger Prolactal steigerte seinen Umsatz hingegen um zwei Drittel. Auch die Zahl der Milchlieferanten ging 2016 von 29.400 auf 28.500, somit um 3,1 Prozent, zurück. Die durchschnittliche jährliche Milchanlieferung stieg hingegen von 105,5 auf 112,2 Tonnen (plus 6,3 Prozent) – erbracht von vergleichsweise kleinstrukturierten Milchbetrieben mit durchschnittlich 18,9 Kühen je Betrieb. Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld der öster­reichischen Molkereien je Landwirt lag mit 39.720 Euro um 0,4 Prozent unter dem Wert des Vorjahres und verdeutlicht die schwierige Einkommenssituation trotz erhöhter Milchlieferleistung. Schlussendlich griff die EU ein, sodass es zu keinem noch größeren Milchüberschuss am Markt kam. Zur Milchmarkt-Entlastung zahlte die EU 14 Cent pro Kilo nicht angelieferter Milch. Von Oktober bis Dezember 2016 habe die Milchbauern in Österreich daher rund 20.000 Tonnen Milch weniger als im Vorjahreszeitraum angeliefert.

Milch-Importe gestiegen

Trotz deutlicher Preisrückgänge für Konsumenten gab es aber auch am heimischen Milchmarkt eine differenzierte Absatzentwicklung. So verzeichneten Produkte der weißen Palette (Trinkmilch) und der bunten Palette (Joghurts und Desserts) mengenmäßig leichte Rückgänge, der Käseabsatz konnte jedoch mengenmäßig weiter zulegen (Quelle: RollAMA).  Gepunktet hat Österreich 2016 im Außenhandel: Exportiert wurden Milchprodukte im Wert von 1,13 Mrd. Euro, also nur um 1,9 Prozent weniger als im Jahr davor. Durch Importe im Ausmaß von 720 Mio. Euro (plus 2,5 %) ergab sich dadurch ein positiver Außenhandelssaldo von 412 Mio. Euro. Die Exportquote lag somit bei 46,2 Prozent, der Import bei 29,4 Prozent. Hintergrund für diese Entwicklung waren der starke Wettbewerb sowie der preisbedingte Umsatzrückgang. Wichtigste Exportländer waren auch im Jahr 2016 Deutschland und Italien, der Außenhandel mit den Erweiterungsländern brachte einen positiven Saldo von 53 Mio. Euro. Auffallend war darüber hinaus, dass der Anteil von Drittland-Destinationen von 10 auf 15 Prozent gestiegen ist, hier vor allem nach Australien, Libyen, Schweiz, den Irak sowie China. Insgesamt exportierte Österreich in ca. 100 Länder, der Export nach Russland liegt infolge des Embargos jedoch nach wie vor auf Eis. Wichtigstes Außenhandelsprodukt der heimischen Milchwirtschaft ist Käse.

Weitere  Stabilisierung der Märkte

Der Lebensmitteleinzelhandel ist in Österreich sehr stark konzentriert. Nach dem Abgang der Handelskette Zielpunkt stellen die drei größten Handelsketten 87,6 Prozent Marktanteil, mit entsprechenden Auswirkungen für die gesamte Lebensmittelbranche. Kennzeichnend dafür ist ein steigender Anteil an Eigenmarken, die bei Bedarf mit günstiger Auslandware ersetzt wird. Die mangelnde gesetzliche Herkunftskennzeichnung, wie sie in mehreren EU-Ländern bereits eingeführt wurde, unterstützt diese Entwicklung. Für 2017 erwartet sich die österreichische Milchwirtschaft eine Stabilisierung des Milchmarktes sowie steigende Exporte, wobei hier nach Ansicht der VÖM mit neuen wettbewerbsrelevanten Themen zu kämpfen sein wird. Trotz derzeit rückläufiger Milchmenge wird bei einem entsprechenden Erholen der Preise mittelfristig wiederum mit einem Anziehen der Milchanlieferung gerechnet.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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