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(v.l.n.r) Franz Ernstbrunner, Katharina Koßdorff, Katharina Koßdorff

Agrar-und Lebensmittelexporte sind Konjunkturmotor für Österreich

15.10.2018

Exporte schaffen Wertschöpfung und sichern Arbeitsplätze. Gerade Lebensmittel erweisen sich seit den letzten Jahren immer mehr als „Hidden Champions“, denn Agrar-und Lebensmittelexporte wachsen schneller als andere Branchen.

Viele Unternehmen der Lebensmittelindustrie zählen mit ihren Exportleistungen zu Österreichs „Hidden Champions“. Seit dem EU-Beitritt konnten die gesamten österreichischen Agrar- und Lebensmittelexporte sogar um über 500 Prozent gesteigert werden, jene der Lebensmittelindustrie um fast 600 Prozent (von 959 Mio. Euro auf 6,7 Mrd. Euro). Im Vergleich stieg die gesamte Exportquote seit 1995 um 237 Prozent. Somit kann man die Unternehmen der österreichischen Lebensmittelwirtschaft zu den erfolgreichsten Exportbranchen zählen.

Ein Hoch im ersten Halbjahr 2018

Mittlerweile werden etwa zwei von drei in Österreich produzierten Lebensmittel und Getränke auf über 180 Märkten quer über den Globus verkauft. Die wichtigste Warengruppen für den Export sind  Getränke, wie Limonaden, Energy-Drinks, Eistees (+ 8,2 % auf 1 072 Mio. Euro). Darauf Folgen Zubereitung zur Tierfütterung (+ +13,3 Prozent auf 298,1 Mio. Euro), sowie Käse und Topfen (+ 9,3 Prozent auf 289,6 Mio. Euro) und feine Backwaren (+ 3 % auf 279,6 Mio. Euro) Die gesamte Agrarexportquote konnte im ersten Halbjahr 2018 um 4,8 Prozent zulegen und erreichte mit 5,8 Milliarde Euro einen neuen Höchstwert. Um diesen Erfolgskurs weiter führen zu können wünschen sich AMA und Lebenmittelindustrie vor allem auch Unterstützung von der Bundesregierung „Die Devise im Interesse des Produktions- und Exportstandortes Österreichs kann nur sein: „Volle Kraft in den Export!““, so Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing und Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin im Fachverband der Lebensmittelindustrie.

Auf gute Nachbarschaft

Wie auch in den vergangenen Jahren steht der Handel mit Deutschland an der Spitze der Exportstatistik (+6%). Unsere Nachbarn bleiben damit eine wichtige Zugkraft, nicht nur für Österreich, sondern für die gesamte EU. Die Exporte der Erzeugnisse der Lebensmittelindustrie zeigen für das erste Halbjahr 2018 mit einem Volumen von 3,5 Mrd. Euro und einem Plus von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr eine optimistische Entwicklung und das trotz angespannter Märkte im In- und Ausland. Im Allgemeinen wuchs der deutsche Markt gegenüber dem Vorjahr ebenfalls um 8,2 Prozent auf knapp 1,2 Mrd. Euro.

Den zweiten Platz belegt Italien mit 609 Mio. Euro (-5 Prozent). Die negative Entwicklung ist damit zu erklären, dass das Land die Krise deutlich stärker spürt, als andere EU-Staaten. Währenddessen entwickelt sich der französische Markt mit einem Plus von 5,6 Prozent (insg. 137 Mio. Euro) umso besser. Blass sieht gerade wegen der in Frankreich stattfinden SIAL, eine Weltfachmesse für Ernährung, große Potenziale diesen Markt noch weiter auszubauen, da sich österreichische Produzenten dort die Möglichkeit erhalten ihre Produkte zu präsentieren.

Neue Chancen bei Drittstaaten

„Gut ausverhandelte und tragfähige Handelsabkommen wie CETA oder jenes mit Japan sind für eine funktionierende Außenwirtschaft wichtig“, erklärt Koßdorff.  Die Exporte auf den Märkten außerhalb der EU entwickelten sich im ersten Halbjahr 2018 mit einem Plus von 2,1 Prozent unterdurchschnittlich und erreichten ein Volumen von knapp 1,1 Mrd. Euro. Weil der Preisdruck am Inlandsmarkt enorm ist, hat der Export hohe Bedeutung. EU-Abkommen, die Türen zu anderen Märkten aufstoßen, sind daher essentiell. Die aktuellen Zahlen für das erste Halbjahr 2018 zeigen, dass die Agrarexporte in die USA insgesamt um 5,6 Prozent auf 472 Mio. Euro zulegen konnten. Rückgänge im Agrarexport waren hingegen mit Kanada (- 11,8 Prozent) und Japan (- 5,6 Prozent) zu verzeichnen, was verdeutlicht wie wichtig es ist den Handel mit den zwei Ländern auszubauen. Als wichtige Zukunftsmärkte gelten neben den USA und Kanada auch ostasiatische Länder wie China, Japan und Südkorea, Für einzelne Produkte gibt es auch in Golfregion, als Gateway nach Indien, Chancen rentable Beziehungen aufzubauen. Deswegen ist eine zeitnahe Umsetzung des EU-Japan-Abkommens umso wichtiger. Nicht zu vergessen sind aber auch die nahen Märkte wie der Westbalkan (Serbien) und die Schweiz.

Auch zu Hause kein Zuckerschlecken

Tatsächlich steht der Handel vor großen Herausforderungen. Angefangen vor der starken Konzentration die im heimischen Einzelhandel vorherrscht (Rewe, Spar und Hofer teilen 87 % Marktanteil). Außerdem kann sich Österreich mit manchen Rohstoffen, auch angesichts der Klimaänderung, nicht ausreichend selbstversorgen, weshalb die Importquote noch immer höher ausfällt als die Exportquote und es somit noch immer zu einer defizitären Bilanz kommt. Allerdings viel diese 2017 schon wesentlich geringer aus, als die Jahre zuvor. Trotzdem ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Außenhandelsbilanz jemals in den positiven Bereich rutscht, da Österreich sehr auf Importe angewiesen ist. Auch die Frage der Rohstoffverfügbarkeit wird die Unternehmen - gerade im Hinblick auf die aktuellen Herkunftsdebatten - weiter in hohem Maße beschäftigen.

Sorgenkind Brexit

Auch die aktuellen Brexit-Verhandlungen machen Sorgen. Großbritannien ist immerhin der viertgrößte Absatzmarkt für die österreichische Lebensmittelindustrie und hat eine große Bedeutung für Österreich. Das Exportvolumen lag im ersten Halbjahr 2018 bei 90 Mio. Euro. Die aktuell unsichere Situation verunsichert viele EU-Exporteure und Kunden in Großbritannien, was die Exportdynamik mit Britannien 2017 sinken ließ. Mittlerweile gibt es aber wieder ein kleines Aufflackern, da mehr vorgezogene Käufe von lagerfähigen Produkten getätigt werden. Wichtige Zielsetzung der österreichischen Lebensmittelindustrie ist es, dass nach klaren Übergangsregelungen nicht-tarifäre Handelshemmnisse vermieden und bei vielen Erzeugnissen der Lebensmittelindustrie der zollfreie Marktzugang nach Großbritannien weiterhin bestehen bleibt.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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