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20.11.2002

Gastkommentar: Freibier für Österreichs unterschätztes Wählerpotenzial?
Die heimischen E-Commerce-Verkäufe (also Verkäufe via Internet und/oder Electronic Data Interchange [EDI]) der Unternehmen mit mehr als 9 Beschäftigten betrugen für das Jahr 2001 22,8 Mrd. €. Das sind rund 7 % der gesamten Umsätze. 2000 lag dieser Wert noch bei 2,5 %. Über das Internet wurde laut Statistik Austria ein Umsatz von 6,3 Mrd. € erzielt (rund 1,9 % der Gesamtumsätze), der größere Teil der E-Commerce-Verkäufe erfolgte über EDI (16,5 Mrd. €, somit rund 5,1 % der Gesamtumsätze). Bereits 21 % aller Unternehmen haben im Jahr 2001 Bestellungen über Internet erhalten. Nur 4 % aller Unternehmen haben über das Netzwerk EDI verkauft, dennoch ist das über EDI erzielte Verkaufsvolumen mehr als doppelt so hoch als das über Internet erzielte. Der Umfang der Internet-Verkäufe an private Haushalte ist seit dem Vorjahr ebenfalls angestiegen: Waren es im Jahr 2000 Waren und Dienstleistungen im Werte von 0,6 Mrd. €, die an Privatkunden über das Internet verkauft worden sind, sind 2001 schon Verkäufe im Wert von 1,3 Mrd. ¤ an den Endverbraucher gegangen. Im Vergleich zum gesamten E-Commerce-Umsatz von 22,8 Mrd. € ist dieser Anteil aber sehr gering.

Den Löwenanteil der E-Commerce-Verkäufe trägt in Österreich die Sachgütererzeugung bei (10,4 Mrd. €). Der Handel setzte 2001 8,4 Mrd. € um.
85 % der Unternehmen haben einen Internetzugang. Angewachsen ist die Zahl der Unternehmen, die eine eigene Website anbieten. Haben im Jahr 2000 erst 54 % der Unternehmen diese Art der Präsentation genutzt, so stieg der Anteil 2001 auf 65 %. 91 % der Großunternehmen, 83 % der mittleren Größenklasse, und 60 % der Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten zeigen sich im World Wide Web.
Eigentlich eigenartig, dass Politiker und Parteien mitunter auf brach liegende Wählerpotenziale erst aufmerksam gemacht werden müssen. Noch dazu, wenn es sich – wie in diesem Fall – um ein enorm großes Potential handelt. Sei’s drum: (Mehr und weniger) geschätzte Politiker, ihr vergesst in eurem Wahlkampf bislang auf die eingeschworene Gruppe der Bierliebhaber. Die sitzen politisch sozusagen auf dem Trockenen. Summa summarum sind es Millionen Wähler.
Schließlich kaufen in Österreich acht von zehn Haushalten Bier. 72 % der Männer trinken täglich oder zumindest mehrmals im Monat Bier. Und immerhin 29 % der Frauen tun es ihnen gleich (Tendenz stark steigend). Ganz davon abgesehen, dass Bier Umsatzfaktor Nummer Eins in der Gastronomie ist; und auch die umsatzstärkste Warengruppe im österreichischen Lebensmittelhandel. Kein Wunder, ist Bier mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von durchschnittlich 107 Litern pro Jahr nach wie vor unangefochten das Lieblingsgetränk der Österreicher.
Dennoch scheren sich Österreichs Politiker (das mehr oder weniger spektakuläre Anschlagen von Bier-Fässern einmal beiseite gelassen) nicht ums Bier. Und auch nicht um die Bier-Konsumenten. Die gesamtsteuerliche Belastung beträgt hochgerechnet fast 50 %! Da war ja die ehemalige
32prozentige Luxussteuer für Brillianten, Pelze und Nobelkarossen noch eine Mezzie.
Tatsächlich zapfen Österreichs Finanzminister (gleich, welchen Couleurs) die Biertrinker seit jeher ab. Wesentlich dafür verantwortlich ist die im internationalen Vergleich enorm hohe Biersteuer. Sie macht hierzulande dreimal so viel aus wie in Deutschland. Es muss ja nicht gleich Österreichweites Freibier zu Lasten des Euro-Stabilitätspaktes sein. Aber eine deutliche Senkung der Biersteuer würde den Biertrinkern mit Sicherheit schmecken. Und wer weiß? Bei derart vielen Unentschlossenen könnte diese kleine Wohltat so manches Wahlergebnis auffrischen.
Nun, geschätzte Politiker? Bier-Gusto bekommen?

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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