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28.11.2002

Gastkommentar: Das Gesetz der Wirtschaft: Der Preis von Billig
Der als Wachstumsmarkt gepriesene Lebensmittelverkauf über das Internet ist für viele deutsche Handelskonzerne endgültig gescheitert. Zwar bestellen immer mehr Bundesbürger im Netz Bücher oder CDs, Doch Käse, Fleisch und Obst wollen die meisten Kunden direkt im Laden riechen, tasten und wiegen.
Studien zeigten, dass der Online-Lebensmittelverkauf trotz Millioneninvestitionen der Branche einen Anteil von unter 0,5 % am Gesamtumsatz der Nahrungs- und Genussmittel habe. Während sich Spar, Karstadt und die Bio-Kette Tegut von ihren Online-Lebensmitteln verabschiedet haben, hat ein traditioneller Nonfood-Händler die Führungsrolle beim Lebensmittel-Lieferservice übernommen: Das Versandunternehmen Otto betreibt den otto-supermarkt.de. Klassische Handelskonzerne fühlen sich vom Otto-Shop nicht mehr herausgefordert. „Die Logistik ist das große Problem. Der Aufwand rechnet sich einfach nicht“, sagt ein Sprecher der Rewe-Gruppe (HL, miniMAL, Penny, toom).
Tengelmann (Plus, kaisers, A&P) geht seit Jahren in Berlin und München einen anderen Weg: Beim Haustür-Lieferservice wird per Telefon bestellt. Insgesamt 22.000 Stammkunden wälzen zuvor den Tengelmann-Produkt-Katalog und geben pro Einkauf etwa 75 Euro aus. „Wir machen keine Riesengewinne, aber wir arbeiten profitabel", sagt ein Manager. Im nächsten Jahr werde der Service in weiteren Großstädten angeboten.
Menschen, die sich nur am Preis orientieren, tappen oft in eine Falle, da es kaum Dinge am Markt gibt, die nicht ein wenig schlechter erzeugt und daher billiger verkauft werden können. Zuviel zu bezahlen, ist unklug; schlechter ist noch, zu wenig zu bezahlen. Zahlen Sie zuviel, verlieren Sie etwas Geld, mehr nicht. Zahlen Sie zuwenig, verlieren Sie oft alles, da das erstandene Produkt letztendlich Ihre Erwartungen nicht erfüllt oder Ihnen sogar schadet. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Wer zum niedrigsten Angebot greift, riskiert, etwas hinzurechnen zu müssen. Tun Sie das, dann könnten Sie sich von vornherein das bessere Produkt leisten. (John Ruskin, 1819-1900 engl. Sozialreformer)
Wer will nicht für sein sauer verdientes Geld den optimalen Gegenwert erhalten? Dieser Anspruch ist legitim. Er birgt aber Facetten in sich, die gerne übersehen oder verschwiegen werden. Aber gerade diese sollten uns nachdenklich stimmen:
Wie kann es sein, dass etwas „billig“ ist? Abgesehen von Aktionen und Abverkäufen geht es im Allgemeinen auf Kosten des Produkt-Wertes oder auf Kosten derer, die es erzeugen – im schlimmsten Falle auf Kosten beider.
Auf Nahrungsmittel umgelegt geht es aber letztendlich vor allem auf Kosten jener Konsumenten, die vorrangig zu Billig-Angeboten greifen.
Für 68% aller österreichischen Haushalte sind lt. der neuesten österr. Ernährungsstudie 2002 Bio-Produkte bereits ein Thema. Bioprodukte sind die Spitze der Lebensmittelpyramide. Sie sind schmackhaft und gesund und von höchster Qualität. Man bezahlt für sie das entscheidende bisschen mehr, das durch ihre aufwendige Erzeugung und Verarbeitung entsteht.
Der Konsument gewinnt dadurch in jeder Hinsicht: er hat das ultimative Frische- und Geschmackserlebnis, tut sich und seiner Gesundheit etwas Gutes und unterstützt zusätzlich noch die Erhaltung der Umwelt.
Was Ruskin vor über 100 Jahren erkannt hat, hat Ewigkeitswert.
Ralph Liebing, VNOe Dachverband des österreichischen Naturkostfachhandels
Dieser Kommentar drückt die persönliche Meinung des Autors aus.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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