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18.02.2003

Gastkommentar: Wirtschaftlich unsinnig, ökologisch fragwürdig
Was unterscheidet Biolebensmittel von konventionellen Lebensmitteln? Und was bedeutet Bio wirklich? Im Rahmen der Bio-Informationskampagne der AMA und Europäischen Kommission werden Konsumenten ausführlich zum Bio-Themen informiert. Handelszeitung informierte im Oktober vergangenen Jahres über die geplanten Aktivitäten: Die EU schießt 2,5 Mio. Euro zum heimischen Bio-Budget von 5 Mio. Euro zu. Die AMA startet damit eine neue Bio-Kampagne. Der Supermarkt als Kaufort wird wichtiger.
Qualität durch Sorgfalt und Kontrolle – das sind die Grundsteine des österreichischen Bio-Kontrollsystems. Österreich hat als erstes Land der Welt staatliche Richtlinien für den biologischen Landbau erlassen. Mit dem österreichischen Lebensmittelcodex wurde die biologische Landwirtschaft 1989 erstmals gesetzlich verankert. Viele österreichische Biobetriebe sind auch Mitglied eines Bio-Bauernverbandes. Die Verbandsrichtlinien der österreichischen Bioverbände gehen in vielen Punkten über die Mindestvorschriften der EU hinaus. Biolandwirtschaft erfolgt nach strengen gesetzlichen Richtlinien. Biolandwirte, Verarbeiter und Händler werden in jährlichen Kontrollen auf die Einhaltung dieser Richtlinien überprüft. Ziel dieser strengen Regelung ist die Erzeugung von wohlschmeckenden, hochwertigen Lebensmitteln und die Erhaltung einer gesunden Umwelt.
Dr. Edith Fürlinger, Expertin für Umweltrecht im Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie.

Ebenso wie der populäre Irrtum „Spinat hat viel Eisen“ zum Leidwesen mancher Kinder nicht wegzukriegen ist, hängen manche Politiker dem alten Irrglauben an, „Mehrweg ist gut und Einweg ist böse“. Die Vor- und Nachteile von Einweg und Mehrweg hängen nämlich stark von den Transportentfernungen ab. Denn Mehrweg muss hin und retour geführt werden, verursacht daher doppelte Verkehrsbelastungen und Verkehrsemissionen; so sind z. B. Kunststoffflaschen schon schon ab 250 Kilometer Transportentfernung besser für die Umwelt als z. B.
Glas-Mehrwegflaschen. Bei kurzen Distanzen ist Mehrweg sinnvoll und sollte auch gefördert werden, etwa die Verwendung von Mehrweg in der Gastronomie.

Was in Deutschland passiert, ist schwer begreiflich: Getränkeverpackungen wurden bisher gemeinsam mit anderen Verpackungen gesammelt und verwertet, und das sehr erfolgreich. Unverständlich ist auch, warum auf den Inhalt einer Verpackung abgestellt wird; alle Verpackungen sollten gesammelt und sinnvoll verwertet werden, egal ob vorher Shampoo, Waschmittel, Milch,
Wasser oder Wein drinnen war. Die Deutschen sind aufgrund modernster Anlagen „Weltmeister“ im Sammeln und Verwerten von Verpackungen.

Nun muss aber – wirtschaftlich unsinnig und ökologisch höchst fragwürdig – ein zweites System extra für Getränkeverpackungen aufgebaut werden, an dem höchstens die Automatenhersteller (bei der Entwicklung entsprechender Rücknahmeautomaten) verdienen. Zahlen muss dies letztlich der Konsument. (Es geht um Kosten von mehr als 1 Milliarde Euro allein für die Automaten). An sich unbegreiflich, wenn man von den deutschen Budget- und Einsparungsproblemen hört, aber vielleicht lenkt der Wirbel ums Pfand ja von den wahren Problemen ab. Nicht verschwiegen werden soll, dass sich das deutsche Zwangspfand leider auch auf österreichische Exporteure (und damit österreichische Arbeitsplätze) auswirkt. Heimische Getränkehersteller versuchen sich zwar gerichtlich gegen das deutsche Pfand zu wehren, weil das Pfand ein Handelshemmnis ist, das bei den langen Transportdistanzen nach Deutschland auch ökologisch durch nichts zu rechtfertigen ist. Leider wird eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs wohl zu spät kommen. Aufgrund des enormen Drucks, den der deutsche Umweltminister auf den Handel ausübt, wird ein eigenes und teures Sammelsystem für Getränkeverpackungen wohl bis zum Sommer 2003 eingerichtet werden. Bis dahin sind die Marktanteile in Deutschland längst verloren gegangen, damit aber auch so mancher Arbeitsplatz in Österreich.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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