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Aktuelle Story

18.03.2003

Bares ist Wahres
Trend. Der moderne Konsument kauft gleichzeitig Diskont- und Premium-Produkte. Für die Anbieter im überwiegend mittelpreisigen Segment wird’s sehr eng.
Eine unsichere Zukunft, weniger Geld in den Börsen, schwache Konjunkturprognosen: Das alles führt derzeit dazu, dass auch in Österreich die Diskonter boomen.
Vor allem im Lebensmittelhandel ist der Anteil der Preisdrücker hoch, ein Ende der Expansionswelle ist noch nicht abzusehen. Zu diesen Ergebnissen kommt das Marktforschungsinstitut RegioPlan Consulting. Nach RegioPlan-Einschätzungen könnten heuer 70 bis 80 neue Outlets in der Diskontschiene eröffnet werden. Der Anteil der Diskonter im Lebensmittelhandel wird auf rund 20 % geschätzt, allein Hofer soll mehr als 2 Mrd. E Umsatz machen.
Billig oder teuer, dazwischen wird’s eng
Aber der moderne Konsument vervollständigt sein Einkaufserlebnis durch den gleichzeitigen Einkauf in hochpreisigen Marktsegmenten. Die Folge: Für das Mittelsegment bleibt immer weniger Kaufkraft übrig.
Dazu kommt: Immer mehr Haushalte sind gezwungen, mit ihrem verfügbaren Einkommen sparsamer umzugehen. Die Wohlstandsschere öffnet sich und bringt größere Zuwächse an ärmeren Bevölkerungsgruppen als Zuwächse bei reicheren Gruppen. Aus diesem Grund sind Betriebstypen wie Diskonter, die verstärkt ärmere Bevölkerungsgruppen ansprechen, sehr erfolgreich.
Österreichweit steigt die Anzahl der Diskonter-Standorte seit Jahren an – auch im Jahr 2003 werden die Diskonter weiter expandieren. Dieser Vormarsch ist nicht auf einige wenige Branchen beschränkt, sondern in fast allen Bereichen anzutreffen: Im Lebensmitteleinzelhandel vor allem durch Hofer, Lidl und Mondo (aber auch „soft-Diskonter“ wie Zielpunkt, „di piu“ und Unimarkt), im Bekleidungshandel durch die Unternehmen Taco, KiK, TPS und Adessa.
Die Bequemlichkeit beim Einkaufen ist für den großen Erfolg der Tankstellenshops ausschlaggebend (z.B. Parkplätze, Öffnungszeiten, etc.). Convenience ist wichtig, zusätzlich tritt bei den Tankstellenshops ähnlich wie beim Shopping von Premium-Produkten das Genuss- bzw. Gönn-Gefühl der Konsumenten in den Vordergrund. Der (höhere) Preis spielt hier eine untergeordnete Rolle.
„Spannen werden zerstört“
DI Wolfgang Richter, Geschäftsführer von RegioPlan Consulting, sieht folgenden Entwicklungstrend in der Einzelhandelslandschaft: „Durch den steigenden Diskonteranteil werden die Handelsspannen der anderen Mitbewerber zerstört, weil die jeweiligen Marktteilnehmer mit den neuen, von erfolgreichen Diskontern vorgegebenen Preisen mit ziehen müssen. Langfristig bedeutet dies ganz klar eine schlechtere Ertragssituation für alle Marktteilnehmer der Branche. Sinkende Erträge wiederum erschweren das wirtschaftliche Überleben der Marktteilnehmer – die Wahl des Standortes wird als Entscheidungskriterium über wirtschaftlichen Erfolg oder Nicht-Erfolg eine noch wichtigere Rolle spielen als bisher.“
Bayern: Vorwarnstufe
Beim 12. Symposium des Landesverbandes des Bayerischen Einzelhandls e. V. (LBE) in Münschen wurden folgende Fakten bekannt: Die Lebensmittel-Diskontmärkte verbuchen in Bayern ein Umsatzplus von mehr als 11 %, SB-Warenhäuser, Verbrauchermärkte und Supermärkte ein Minus von mehr als 3 %. Die Selbstständigen mit Märkten von mehr als 500 m2 waren auch 2002 „kleine Gewinner“. Diese Entwicklung hat im Freistaat zu erheblichen Marktanteilsgewinnen der Discounter geführt, die nun bereits einen Anteil von rund 36 % am gesamten Lebensmitteleinzelhandelsumsatz aufweisen. Nach Angaben des LBE-Vizepräsidenten Hans Jürgen Bönsch entwickelt sich der Discounter mit dem weiteren Sterben der kleinen Läden (unter 500 m2 Verkaufsfläche) zum Nachbarschaftsmarkt. Und: Nicht nur Kunden mit geringen Einkommen seien Discount-Fans, sondern auch „Neuarme“ wie Anwälte, Ärzte und Selbstständige, die sich ärmer fühlen als sie sind, und für die der Billig-Einkauf Lust bedeutet. red
Einkaufen. 35 % der Österreicher zahlen alle Einkäufe bar, am häufigsten im Lebensmittelhandel.
Die aktuelle Markant-Studie „Zahlungsgewohnheiten 2003“ zeigt: Mit 39 % zahlen deutlich mehr Frauen alles bar als Männer, die zu 30 % ausschließlich bar bezahlen. Es ist auch eine eindeutige Tendenz in der Verwendung von Bargeld hinsichtlich der Schulbildung zu erkennen. Je höher die Schulbildung, desto weniger wird ausschließlich bar bezahlt.
Die häufigsten Gelegenheiten, zu denen bevorzugt bar bezahlt wird, sind in der Reihenfolge ihrer Nennung: Lebensmittelhandel (41 %), Bäcker/Fleischer (16 %), Dienstleistungen (7 %) und Kleinigkeiten (5 %); dazwischen fällt die Nennung „alles“ mit 35 % (siehe Grafik).
54 % der Befragten gaben an, häufiger die Bankomatkarte als Zahlungsmittel zu verwenden, seit der Euro als Währung den Schilling abgelöst hat.
In telefonischen Interviews wurden von der Unternehmensberatung Markant bei 500 Konsumenten repräsentativ für die Österreichische Bevölkerung ab 15 Jahren Fragen zum Thema „Zahlungsgewohnheiten in Österreich“ erhoben. red

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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