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02.06.2003

„Schluss jetzt mit weiteren EKZ“
RegioPlan. Einkommensunterschiede werden größer – Handel muss sich im Diskont- oder Luxusegment positionieren.

Seit Beginn der 90er Jahre sinken die regionalen Kaufkraftunterschiede in Österreich – also der Abstand zwischen den reichsten und den ärmsten Bundesländern kontinuierlich. Gleichzeitig klafft jedoch die Lücke zwischen den Einkommen immer stärker auseinander, wie aus eine aktuelle Analyse der Einkommensverteilung in Österreich von RegioPlan Consulting hervorgeht. Lagen das reichste und das ärmste Bundesland bei der Kaufkraft 1990 noch um 34,7 Indexpunkte auseinander, waren es 2001 nur noch 21,6 Punkte.
Gleichzeitig steigt in Österreich aber die Gruppe der Menschen mit einem Einkommen nahe dem Existenzminimum. Nicht ausschließlich sind davon laut Studie die ländliche Bevölkerung, kinderreiche Familien, Alleinerzieher, Arbeitslose und Randgruppen betroffen. Der Handel muss laut RegioPlan darauf reagieren und etwa mit Diskont-Schienen auf die wachsende Armut und die Sparzwänge dieser Konsumentengruppen reagieren. Erfolgreiche Beispiel für diese Entwicklung seien Billiglinien wie Takko, KiK, Adessa, TPS, Möbelix, Hofer oder Lidl.
Dem gegenüber stehe der Trend zu sehr exklusive Mono-Label-Stores, wie dies etwa im Bekleidungshandel besonders deutlich werde. Nicht nur in Wien – konkret am Kohlmarkt – auch in den Landeshauptstädten entstünden dementsprechend allmählich exklusivere Shopping Zonen.
RegioPlan-Chef Wolfgang Richter rät den Kaufleuten daher zu einer möglichst klaren Positionierung in einer der beiden Schienen, wie dies der Lebensmittelhandel bereits umgesetzt habe. Fraglich sei noch, ob Soft-Diskont-Konzepte wie beispielsweise bei Zielpunkt ausreichend seien. Insgesamt sei im Einzelhandel auch heuer mit rückläufigen Umsätzen zu rechnen.
Aichinger: Widmungsstopp für Einkaufszentren.
Die Gründe für die angespannte Situation im österreichischen Einzelhandel, für Umsatzrückgänge und Kaufunlust der Konsumenten sind mannigfaltig. Manches davon ist durch zyklische Wirtschaftsentwicklungen bedingt und somit unvermeidbar, manches ist einfach hausgemacht. „Verstärkt wird die vorhandene Konjunkturschwäche aber jedenfalls durch die explosionsartige Entwicklung der Verkaufsflächen und eine verfehlte Raumordnungspolitik“, so Dr. Fritz Aichinger, Obmann des Handels in der Wirtschaftskammer Wien.
Für den aufmerksamen Kenner der Handelslandschaft, einen realen Wirtschaftspolitiker und stetigen Beobachter der allgemeinen Entwicklung in den letzten Jahrzehnten gibt es jedenfalls einen ganz massiven Grund, quasi einen selbstgemachten, schleichenden Tod, nämlich den enormen Konzentrationsgrad in Österreich und ein ungehindertes Flächenwachstum bei den Einkaufszentren und Fachmärkten.
Schleichender Tod
Nach den vom Beratungsunternehmen RegioPlan vorgelegten Prognosen könnte es nämlich schon 2006 fast doppelt so viele und weit größere Einkaufszentren geben wie jetzt. Dabei ist Österreich mit einer Shopping-Center-Fläche von ca. 195 m2 je 1.000 Einwohner, im europäischen Vergleich bereits sehr gut besetzt.
In Deutschland kommen beispielsweise auf 1.000 Einwohner nur 97 m2 Verkaufsfläche zustande. Oder anders ausgedrückt: Waren es früher die (großen) Einzelhändler selbst, die an einer Flächenexpansion Interesse zeigten, sind es nunmehr fast ausschließlich internationale Immobilien-Großinvestoren, die ohne jede Rücksicht auf regionale Einzelhandelsstrukturen und Konsumgewohnheiten ihre Flächenwachstumspläne umsetzen wollen.

2-jähriger Baustopp
Aichinger: „Wir Händler fordern daher ein sofortiges Innehalten und einen zumindest zweijährigen, gänzlichen Baustopp von Einkaufszentren, um in dieser Zeit die Strukturen zu überprüfen und die Notwendigkeiten auf weitere Verkaufsflächen zu evaluieren.“ Keine Lösung sei es, auf die angespannte Situation mit weiteren gigantischen Konsumtempeln zu reagieren.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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