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Aktuelle Story

03.09.2003

Wenn sich der Hund in den Schwanz beißt
Dkfm. Hans Staud, Hersteller süßer und saurer Delikatessen, stellt sich neuen Aufgaben: Vergrößerung des Ottakringer Betriebes, eigene Marillenplantage, Gründung eines Kompetenzzentrums im Burgenland.

Berichterstatter, die sich in jüngster Zeit häufig in der Ottakringer Hubergasse einfinden, um dem Erfolgsgeheimnis Staud´scher Delikatessenproduktion auf die Spur zu kommen, trauen ihren Augen nicht, wenn sie den Chef mit dem Hubstapler um die Ecke düsen sehen. Dkfm. Hans Staud, Hans Dampf in allen Gassen, immer ein herzliches Lächeln auf den Lippen – aber einen Jux will sich der passionierte Nestroy-Verehrer nicht machen. Im Gegenteil: Obst- und Gemüse-Lieferanten, Mitarbeiter und Kunden wissen nur zu gut, wie ernst er es mit seinen Qualitätsansprüchen nimmt.
Staud's süße und saure Delikatessen sollen mit nichts als ihrem grundeigenem Geschmack die Sinne erfreuen. Und das tun sie so sehr, dass immer mehr Handelsketten, Gastronomie-, Catering und Hoteleriebetriebe aus dem In- und Ausland Staud´sche Produkte ordern.
Zweistellige Zuwachsraten (bei einem Umsatz von 4,8 Mio. E und einer Exportquote von 38 %) bringen Staud jetzt aber langsam an die Kapazitätsgrenze. Deshalb wird die „Marmeladenmanufaktur“, wie er sie liebevoll nennt, noch heuer erweitert. „Aber mit Maß und Ziel, damit ich der Nachfrage entsprechen kann. Wir produzieren auf Sog und nicht auf Druck“, so das Credo des Chefs, der ob seiner ausgeprägten emotionalen Intelligenz allseits Beliebtheit genießt.

Know-how und der Wille zum Erfolg haben ihn auch an eine Reihe weiterer Aufgaben herangehen lassen: Die Übernahme der angeschlagenen Südobst im burgenländischen Stegersbach, die er mit der Marke „Gurkenprinz“ wieder auf Kurs gebracht hat; die Berufung in die Codexkommission, wo er sich mit ernährungswissenschaftlichen Fragen zu beschäftigen hat; oder das Ehrenamt „Sprecher der Ottakringer Marktstandler“, wo seine Mutter den kürzlich wunderschön renoviereten Staud´s „Flagshipstore“ betreibt. „Und jetzt werde ich auch noch Bauer“, lacht Staud. In der Wachau übernimmt er einen Marillengarten, um Versuche mit neuen Sorten zu starten.
Sein jüngstes Projekt ist die Gründung eines „Kompetenzzentrums ländlicher Raum Burgenland“. Unter Stauds Federführung und mit EU-Förderung organisieren Landwirte und Verarbeiter eine Markengemeinschaft.
Heimtiernahrung. Die euphorischen Absatz-Szenarien, die die industriellen Hersteller von PET Food in den 90er-Jahren prognostizierten, haben sich nicht bestätigt. Ob die Eigenmarkenpolitik einer großen Handelskette „clever“ ist, sei aber angesichts schrumpfender Umsätze dahingestellt.

Mit rund 190 Millionen Euro Einzelhandelsumsatz (LEH + DFH, 2002 nach ACNielsen) gehört die industriell gefertigte Heimtiernahrung – auch PET Food genannt – zu den umsatzstärksten Warengruppen und ist ein verlässlicher Frequenzbringer. Dennoch ist die Situation nicht so rosig, wie noch Mitte der 90-er Jahre von den Herstellern prognostiziert. Konstant zweistellige Zuwachsraten ließen damals die Hoffnung aufkeimen, die Kalorienabdeckung von Hunden und Katzen mit industriell gefertiger Tiernahrung könnte innerhalb weniger Jahre bis zu 80 Prozent und mehr erreichen. Tatsächlich liegt diese Rate heute erst bei 40 Prozent. Das bedeutet zwar, dass das Potenzial für PET Food immer noch riesig ist, gleichzeitig zeigt sich aber eine Polarisierung bei den Tierhaltern. Während die einen immer höherwertige Produkte verfüttern, müssen sich Strolchis und Minkas weniger kaufkäftiger Herrln und Frauerln mit Küchenabfällen oder Kuttelfleck begnügen.

Die Währungsumstellung war dem Geschäft mit Tiernahrung auch nicht gerade zuträglich. Als Folge der Verunsicherung der Konsumenten gewannen die Diskonter im ersten Halbjahr 2002 Marktanteile bei PET Food. Dieser Umstand veranlasste den traditionellen LEH, allen voran Rewe Austria, Markenartikel auszulisten und die Regale mit Eigenmarken aufzufüllen. Der Spagat zwischen Vollsortimenter und Diskonter scheint sich nun aber als Boomerang zu erweisen. Der Tiernahrungsmarkt ist seit zwei Jahren rückläufig.

Johann Klikovits, einer der beiden Geschäftsführer beim Tiernahrungs-Marktführer Masterfoods, spricht angesichts dieser Tatsache von einer „klassischen lose-lose-Situation“. Der PET Food-Markt sei, so Klikovits, „ein emotionaler Markt mit hoher Regalfrequenz, und die Kunden verlangen Qualität und Convenience.“ Das könne aber nur der Markenartikel garantieren. Der traditionelle LEH sei nicht gut beraten, seine Sortimente zu verarmen und überproportional auf die Billigschiene zu setzen. „Denn dieses Match gewinnt der Diskonter“, ist Klikovits überzeugt. Natürlich mache es Sinn, auch die Einstiegspreislage anzubieten, aber darunter dürfe nicht die Sortimentsbreite und -tiefe leiden. „Leider liegt unser Regalanteil bei Rewe 20 bis 30 Prozent unter unserem tatsächlichen Marktanteil“, so der Verkaufsprofi, der jetzt auch vermehrt europaweite Aufgaben übernommen hat.

Regaloptimierungskonzepte und Categorymanagement, in den 90-ern noch das Credo des Handels, seien teilweise über Bord geworfen worden, immer öfter entstünden Ausverkauftsituationen in den verschlankten Sortimenten. Das schade dem gesamten Warenkorb, denn die Kunden würden die Markenartikel jetzt eben im Fachhandel kaufen. Deshalb konnte Masterfoods verloren gegangene Umsätze teilweise wieder kompensieren. Rewe musste hingegen im ersten Quartal des laufenden Jahres bei PET Food ein Minus von über neun Prozent hinnehmen (lt. ACNielsen) – der Gesamtmarkt verlor im gleichen Zeitraum nur 1,3 %, der Gesamtmarkt ohne Rewe konnte sogar um 4 % zulegen.

Für Klikovits liegt die Antwort auf der Hand: „Alle Kraft auf Premium und Superpremium, weiter Innovationen entwicklen und Wachstum in Kanälen mit fair share.“

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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