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01.10.2003

Es kann nur einen Sieger geben
Internet ist für weite Teile des Groß- und Einzelhandels ein unverzichtbares Kommunikationsinstrument. Doch die meisten Aktivitäten der Handelsunternehmen im Internet sind bis heute zu stark technikgetrieben. Eine Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit und Gebrauchsfreundlichkeit bietet dagegen neue Chancen auch für den mittelständischen Handel.

Die Bedeutung des Internets in Form von Electronic Commerce wird sich nur in jenen Bereichen entfalten, in denen Wettbewerbsvorteile gegenüber den stationären Handel offensichtlich sind. Vor allem aber können ursprünglich formulierte Hoffnungen, dass Vertriebskosten entscheidend eingespart werden könnten, in der Praxis nicht bestätigt werden. Nicht zuletzt belegen empirische Untersuchungen bei Konsumenten, dass der Einkauf Vorort nach wie vor favorisiert wird. Als Hauptargument wird genannt, dass man die Frische und Qualität der Waren besser begutachten könne. Der virtuelle Einkauf, der mit Hauszustellung kombiniert wird, bleibt somit bis auf weiteres ein Nischenangebot mit dem Haupteffekt, dass das Handelsangebot für die Kunden vielfältiger wird. Dies wird auch durch das reale Einkaufsverhaltem im Internet belegt. Gekauft werden Büchern, CDs und Software. Das Internet im Einzelhandel ist vor allem ein Attraktionsmedium, welches die Kunden zwar zum Einkaufen einlädt, was dann aber nicht unbedingt online zu geschehen hat. (Studie: Perspektiven für den öst. Handel)
Studie. EKZ Seiersberg könnte Graz bis zu 160 Millionen Euro Kaufkraft kosten. Große Verlierer sind EKZ Graz-West sowie die umliegenden Nahversorger.

Das neue Riesen-Einkaufszentrum in Seiersberg bei Graz wird der steirischen Landeshauptstadt bis zu 160 Mio. Euro an Kaufkraft wegnehmen. Zu diesem Ergebnis kommt der IHS-Experte Christian Helmenstein in einer völlig neuen Modellrechnung. Bei den kleineren umliegenden Gemeinden sei zwar der Kaufkraftabfluss in Summe nicht so groß wie aus Graz, allerdings droht einigen darunter - wie etwa Unterpremstätten - die völlige Zerstörung der noch bestehenden Nahversorgung. 2001 gab es österreichweit bereits 299 Gemeinden ohne Nahversorgung.
Graz verliert
Schätzungen zufolge soll das Areal in Seiersberg rund 200 Mio. Euro pro Jahr umsetzen. Zwischen 73 und 82 Prozent dieses Betrages, also 145 bis 160 Mio. Euro, werden nach der Berechnung des IHS-Experten aus dem Raum Graz stammen, der damit
4 bis 5 Prozent seiner Kauf-
kraft verliert. Hauptleidtragender werde aus heutiger Sicht weniger die Grazer Innenstadt, sondern das Shoppingcenter Graz West sein, führte Helmenstein bei einem Symposium der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) in Graz aus.
Helmenstein regt an, den „ruinösen Wettbewerb zwischen den Gemeinden“ durch raumordnungspolitische Maßnahmen und Instanzen zu verhindern. „Ich hätte kein Problem, so lange dies rein marktwirtschaftlich abläuft“, betonte der IHS-Fachmann. Tatsächlich würden die Gemeinden aber die Einkaufshallen auf der grünen Wiese mit günstigen Grundstückspreisen und Anschlüssen subventionieren.
Die Modellrechnung des IHS zeigt auch, dass die negativen Folgen der Schaffung neuer Einkaufszentren außerhalb der Dörfer oder Städte auf Nachbarkommunen aber auch Ortskerne selbst auch dann noch zu spüren sind, wenn diese – theoretisch - wieder zusperren. Obwohl viele Inhaber ihre Geschäfte weiter betreiben, auch wenn der Umsatz schon um 10 Prozent zurück gegangen ist. Wenn sie allerdings schließen, dann sei dies meist nachhaltig. Profiteure der Verschiebung der Kaufkraftströme sind laut dem Modell meist die weiter entfernten Gemeinden, die von vornherein eine gewisse Attraktivität als Einkaufsstandort hatten.

Kaufkraft der Steiermark reicht nicht
„Es wird überall ,Tote‘ geben“ beschreibt der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl, früher selbst Händler in der Geschirr- und Glasbranche, den Ausgang des Wettrennens um die Kunden. Die Kaufkraft in der Steiermark reiche schon jetzt für die bestehenden Angebote nicht aus. Der erste Konkurs eines Händlers in Seiersberg sei bereits zu vermelden. Die Chance für die Grazer City liege in der Attraktivierung und im besonderen Angebot. „Die internationalen Ketten wollten schon jetzt nicht mehr in die Innenstadt“, so Nagl. Die Steiermark ist das Bundesland mit den meisten Gemeinden ohne Nahversorger. Laut RegioPlan Consulting gab es 2001 in 140 steirischen Kommunen mit insgesamt rund 115.000 Einwohnern kein Lebensmittelgeschäft mehr. 1997 waren es noch 117 Gemeinden bzw. 93.600 Bewohner gewesen. Der steirische Wirtschaftslandesrat Herbert Paierl führt diesen Rekordwert im Bundesländervergleich auf die große Zahl an Mini-Gemeinden in der Steiermark zurück. Insgemsamt waren 2001 in Österreich 299 Ortschaften ohne Nahversorger. In allen Bundesländern hat die Zahl der unterversorgten Gemeinen zugenommen.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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