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Aktuelle Story

23.01.2004

Im Netz des Verbrechens
Schaumweinsteuer wird abgeschafft.

Mit der Steuerreform der Bundesregierung wird auch die ungeliebte Schaumweinsteuer in Österreich fallen. Bis dato nahm der Finanzminister von jeder 0,75-l-Sektflasche ein Schluckerl im Wert von 1,08 E (oder 1,44 E/l), was den Preis der heimischen Schaumweine verteuert und Frizzante und Prosecco einen Boom beschert hat. Dr. Bruno Mayer, Geschäftsführer des Verbandes der Sektindustrie: „Man hat gesehen, dass durch den hohen bürokratischen Aufwand und das Handling dieser Steuer die Suppe teurer geworden ist als das Fleisch.“

Dem Staatssäckel hat die Steuer pro Jahr rund 20 Mio. E beschert.
Mit dem Ausruf „Sekt für alle!“ begrüßt etwa Schlumberger den Fall der Schaumweinsteuer. „Selbstverständlich werden wir den daraus resultierenden Preisvorteil zum Zeitpunkt des Wegfalls unseren Konsumenten weitergeben“ so Gerhard Lacher, Vorstandsvorsitzender von Schlumberger.
Und Dr. Ernst Polsterer-Kattus erwartet den Steuerwegfall mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Letzteres deshalb, weil „das Preisniveau der deutschen wahrscheinlich dann auch auf den österreichischen Markt durchschlägt“; lachend, weil er deutliche Absatzsteigerungen nach dem Wegfall erwartet.
NÖM AG. Obwohl am Parmalat-Skandal völlig unbeteiligt, kommt die NÖM nicht mehr aus den Schlagzeilen. Die 25-Prozent-Beteiligung der Italiener an der niederösterreichischen Molkerei erweist sich nun als gefährlicher Boomerang.

Erwin Hameseder, Chef der NÖM-Mehrheitsaktionärin Raiffeisen Holding Niederösterreich-Wien, bekräftigte bereits mehrfach die Absicht des Aktienrückkaufs im Fall einer Insolvenz von Parmalat. Im Gegensatz zu früheren Aussagen, wonach für Hameseder kein Zeitdruck bestand, dürfte mittlerweile aber sehr wohl die Uhr ticken. Weil seit Wochen die NÖM in einem Atemzug mit den Parmalat-Kalamitäten genannt wird, entsteht der niederösterreichischen Molkerei ein gehöriger Imageschaden.
Aktienrückkauf immer wahrscheinlicher
Im Juli 2002 hatte Raiffeisen den Verkauf der Sperrminorität (25 Prozent und eine Aktie) am niederösterreichischen Molkereikonzern NÖM AG für kolportierte 30 Millionen Euro an die italienische Parmalat besiegelt. Im Vertrag waren gegenseitige Vorkaufs- und Aufgriffsrechte festgelegt worden. Den Italienern war damals sogar die Option auf die Mehrheit eingeräumt worden. Jetzt geht es darum, dass Raiffeisen im Fall eines Zusammenbruchs des italienischen NÖM-Minderheitsaktionärs diese Sperrminorität zurück kauft. Und damit beginnt wohl die 2002 nach jahrelangen Verhandlungen beendete Partnersuche bei der NÖM von vorn.
Wie es mit dem 25-prozentigen Anteil Parmalats an NÖM weitergeht, soll sich bis Ende März entscheiden. „Bis dahin wird das Zukunftskonzept von Sanierer Enrico Bondi feststehen und werden die nötigen Schritte eingeleitet werden“, sagte Parmalat-Manager und NÖM-Aufsichtsrat Salvatore Lucisano.
Ein anderes Problem sind die offenen Forderungen von NÖM an Parmalat für die Milchlieferungen. Kolportiert werden „ein paar hunderttausend Euro“. Wie weit hier abgeschrieben werden müsse, werde sich bei der Bilanzerstellung in den ersten Monaten 2004 ergeben
Zurück zum Start
Der Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ), Ludwig Scharinger, plädiert jetzt für einen neuen Anlauf zu der so genannten „österreichischen Milchlösung“, dem Zusammenschluss der beiden größten österreichischen Molkereien NÖM und oberösterreichischen Berglandmilch. „Bergland und NÖM sollten den Anfang machen. Wenn sich das bewährt, könnten auch andere große Molkereien dazukommen“, so der RLB OÖ-Chef. Bisher scheiterte diese Lösung immer schon im Ansatz.
Auch österreichische
Justiz ermittelt
Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „profil“ interessiert sich die Justiz in Österreich für die Vorgänge bei der Parmalat Austria GmbH. Laut „profil“ hält die Parmalat Austria GmbH nicht bloß die bisher bekannte Beteiligung von 25 Prozent am österreichischen Molkereiunternehmen NÖM AG. Die österreichische Parmalat-Tochtergesellschaft kontrolliere vielmehr ein weit verzweigtes Netzwerk nahezu 30 direkter und indirekter Beteiligungen.
Zum Beteiligungsgeflecht der Parmalat Austria GmbH zählen unter anderem Gesellschaften auf den Niederländischen Antillen, den Cayman Inseln, der Isle of Man und Malta. So hält die Österreich-Tochter etwa eine indirekte Minderheitsbeteiligung an jener Bonlat Financing Corporation mit Sitz in Georgtown, Grand Cayman, deren Bankguthaben von nahezu vier Milliarden Euro bei der Bank of America sich als Fälschung herausgestellt hat, was letztlich die Insolvenz der italienischen Parmalat-Muttergesellschaften ausgelöst hat.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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