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02.09.2004

EKZ-Flut kaum mehr zu stoppen
Einkaufszentren urteilen positiver.

In der Bundeshauptstadt Wien wird die neue Ladenöffnungs-Regelung nicht gerade als überwältigender Erfolg betrachtet. Viele Geschäfte nutzen die Möglichkeit zur Abendöffnung an zwei Wochentagen nicht. In den Einkaufszentren fällt das Urteil über die Liberalisierung allerdings großteils positiv aus.
„Sehr zufrieden“ äußerte sich etwa Ingo Hödl, der Geschäftsführer des größten Einkaufszentrums der Stadt, dem Donauzentrum. Vor allem der verlängerte Samstag werde von den Wienern „zu 100 Prozent angenommen“, freute er sich.
„Die Bilanz ist ausgezeichnet, wir haben sicher Kunden gewonnen“, freute sich auch Richard Lugner, Chef der nach ihm benannten Lugner-City in Rudolfsheim-Fünfhaus.
Im Shopping-Center-Nord (SCN) hat man die ursprüngliche Lösung, an zwei Tagen länger zu öffnen, wieder aufgegeben, als Kompromisslösung haben die Geschäfte nun am Donnerstag bis 20 Uhr offen.
Einkaufszentren wachsen in Österreich wie die Schwammerln aus dem Boden, weil die Gemeinden wirtschaftliche Vorteile lukrieren. Politische Lenkungsmaßnahmen haben versagt, der interkommunale Finanzausgleich bleibt Wunschdenken.

Trotz stagnierender Umsätze im österreichischen Einzelhandel befindet sich eine Vielzahl an Einkaufszentren-Projekten in der Realisierungsphase und bestehende Standorte werden immer größer. Die 100 größten EKZ erreichen bereits eine Gesamtverkaufsfläche von mehr als 1,5 Millionen Quadtratmeter, was einer Steigerung von 5,2 Prozent gegenüber 2002 entspricht. Und das, obwohl der Abdeckungsgrad von EKZ-Verkaufsflächen pro Einwohner bereits weit über dem EU-Durchschnitt liegt.

Viele neue EKZ-Projekte
SC Seiersberg (56.000 m2), Interspar St. Pölten (Renovierung, 12.000 m2), Rathaus Galerien Innsbruck (7.700 m2), Karo EKZ Bischofshofen (7.000 m2), Sandleitengasse Wien (6.900 m2), City Center Wieselburg (5.800 m2) sind nur einige der Neueröffnungen des laufenden Jahres.
Die Folge ist ein Kaufkraftabfluss aus innerstädtischen Einkaufsstraßen bzw. aus Gemeinden ohne EKZ. Mittlerweile ist die EKZ-Dichte aber schon so hoch, dass es bereits zu einem Verdrängungswettbewerb zwischen den EKZ kommt. Die Betreiber (der mit Abstand bedeutendste EKZ-Betreiber in Österreich ist Interspar mit 21 Standorten) suchen ihr Heil in immer größeren Flächen und einer verbesserten Infrastruktur (Branchenmix, Erreichbarkeit, Parkplätze).

Künstliche Erlebniswelt
Skeptiker sehen schon ein Inferno am Horizont aufziehen: Während Einkaufsstraßen und Ortskerne veröden, würde sich das gesellschaftliche Leben immer mehr in künstliche Megacities verlagern. Ein gutes Beispiel sei etwa die niederösterreichische Stadt Mödling: Trotz Umbau und Attraktivierung der Fußgängerzone sagen sich dort bald nach Büroschluss die Füchse gute Nacht, während ein paar Kilometer weiter in der Shopping City Süd die Parkplätze auch nachts gut gefüllt sind. Denn hier ist alles vorhanden, was die EKZ der Zukunft zu bieten haben werden: neben den Einkaufsmöglichkeiten, alles rund ums Auto (tanken, Wäsche etc.), Verpflegung (Restaurants, Bars) und Unterhaltung (Kino, Discothek).
Wie konnte es dazu überhaupt kommen? „Der Nationalrat hat im Jahr 2000 eine Novelle zur GVO beschlossen“, erklärt der Experte für Rechts- und Gewerbepolitik in der Wirtschaftskammer Österreich, Dr. Roman Seeliger, seines Zeichens Stv. Geschäftsführer der Bundessparte Handel. „Die Beurteilungsmaßstäbe für die Genehmigung von Einkaufszentren liegen seither im Kompetenzbereich der Landeshauptleute.“ Nur: die Landeshauptleute haben bis dato keinerlei Verordnungen erlassen, die den Wildwuchs der EKZ stoppen könnten.

Auswege aus der Misere
Im Prinzip würde das Raumordnungsgesetz (in jedem Bundesland anders geregelt), ausreichen, um die Ansiedlung von EKZ zu regeln. „Das Problem liegt darin“, so Seeliger, „dass die Raumordnung Gemeindesache ist. Jede Gemeinde, die ein EKZ bekommen kann, ist sich hier selbst am nächsten. Die Vorteile durch Steuereinnahmen wiegen mehr als die Einsprüche der Nachbargemeinden.“ Konflikate sind damit vorprogrammiert.
Auch DI Wolfgang Richter, Geschäftsführer von RegioPlan Consulting, stößt ins gleiche Horn: „EKZ-Projekte werden nicht auf sachlicher Ebene nach Bedarf getroffen, sondern auf politischer Ebene.“

Ein Ausweg bestünde nach Meinung Seeligers und Richters in der Einführung eines interkommunalen Finanzausgleichs: Die steuerlichen Mehreinnahmen, die bei Gemeinden mit EKZ anfallen (im wesentlichen durch die Kommunalsteuer) müssten dann abgeschöpft und mit anderen Gemeinden geteilt werden. „Aus diesem Topf könnten dann auch Maßnahmen zur Erhaltung der Nahversorgung finanziert werden“, regt Seeliger an. Und Richter gibt zu bedenken: „Die Diskussion über den interkommunalen Finanzausgleich wäre beispielsweise eine lohnende Aufgabe für den Verfassungskonvent.“

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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