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Amazon kauft US-Lebensmittelhändler Whole Foods Market

19.06.2017

Der Onlinehändler steigt jetzt in großem Stil in den Handel mit frischen Lebensmitteln ein. Durch den Kauf der US-Biokette Whole Foods Market könnte Amazon zur großen Konkurrenz für traditionelle Handelskonzerne werden. 

Die auf Bio-Lebensmittel spezialisierte Whole Food Markets setzte nach eigenen Angaben 2016 rund 15,7 Milliarden Dollar um. Derzeit betreibt sie über 460 Geschäfte mit rund 87.000 Mitarbeitern, vorwiegend in den USA, aber auch in Kanada und Großbritannien. Die bevorstehende Übernahme durch Amazon könnte den US-Lebensmittelmarkt daher gehörig erschüttern. Ein endgültiger Abschluss des Deals wird jedoch erst in der zweiten Jahreshälfte erwartet. Nach dem Kauf sollen die eigene Läden und die Marke erhalten bleiben. Auch der Chef der Kette, John Mackey, bleibt Whole Foods Market erhalten. Amazon bietet in der 13,7 Milliarden US-Dollar schwere Transaktion 42 Dollar pro Aktie des Lebensmittelhändlers.

Schockwelle an der Börse

Die Ankündigung führte zu einem Ausverkauf von Aktien traditioneller Handelskonzerne in den USA. Der Absturz von Aktien der US-Handelsriesen konnte aber nicht verhindert werden: Wal-Mart-Aktien gaben etwa um sechs Prozent nach. Auswirkungen der Neuigkeit waren sogar in Europa zu spüren – Frankreichs Einzelhandel Unternehmen Carrefour verlor an der Pariser Börse 2,5 Prozent, Anteilsscheine des deutschen Handelsriesen Metro gaben um 1,6 Prozent nach.

Online-Handel in Deutschland und Österreich

Nach Experten hat der Online-Handel mit frischen Lebensmitteln, der derzeit noch in Kinderschuhen steckt, in allen Ländern ein großes Wachstumspotential. Dem Handelsverband HDE zufolge ist der Online-Anteil am Handel mit Lebensmitteln und Delikatessen in der Bundesrepublik derzeit noch gering. Er lag 2016 bei 0,8 Prozent. Branchenkenner gehen aber von einem raschen Wachstum aus. Der Online-Umsatz mit Lebensmitteln in Deutschland könnte nach Prognosen des Marktforschers GfK von 1,1 Milliarden Euro im Jahr 2014 auf jährlich mehr als sieben Milliarden Euro im Jahr 2025 wachsen.

In Österreich gab es eine Steigerung um etwa ein Viertel. So konnte die Rewe-Tochter Billa eine Steigerung von 160 Prozent verzeichnen. Auch in Deutschland liegt der Konzern mit erwirtschafteten 100 Millionen Euro vorn.

Amazon-Lieferdienst weitet in Deutschland aus

Amazon ist längst auch in Europa auf dem Lebensmittelmarkt aktiv. Seit Anfang Mai bietet der US-Riese, in einem Modellversuch, frische Lebensmittel in Deutschland an. Der Lieferdienst wurde nun auf ganz Berlin und Potsdam ausgeweitet. Auch die Produktpalette von Amazon-Fresh wurde auf insgesamt 100.000 Produkte aufgestockt. Für Amazon-Prime-Kunden kostet der Lieferdienst 9,99 Euro im Monat, bei einem Mindestbestellwert von jeweils 40 Euro gibt es beliebig viele Gratis-Lieferungen. (apa/af)

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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