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Auf die Plätze, fertig, Adeg

15.10.2009

Neustart. Alle Auflagen der EU sind erfüllt. Nun will die Rewe International AG mit 494 Adeg-Märkten beweisen, auch im Bereich des selbstständigen Einzelhandels erfolgreich sein zu können. Herbert Hubmann, Mitglied des Aufsichtsrates der Adeg AG und stellvertretender Vorstandsobmann der Adeg Genossenschaft (die 25% Anteil an der Adeg AG hält), geht mit gutem Beispiel voran. Sein Adeg-Markt im steirischen Zeltweg ist der erste, der nach einem völlig neuen Konzept ausgerichtet wird. Nach drei Wochen Umbauzeit wird dieser Standort am 22. Oktober 2009 neueröffnet.

Mag. Werner Wutscher, Vorstand der Rewe International AG, und die Adeg-Vorstände Dr. Andreas Poschner und Dr. Andreas Bachleitner (v. l.) zeigen, wie die Adeg-Märkte in Zukunft aussehen sollen.

Auf 420m2 Verkaufsfläche präsentiert sich Adeg Hubmann als Nahversorger, der nicht nur mit State-of-the-Art-Technik, sondern auch als Kommunikationszentrum punkten will. Module wie ein Marktplatz, Feinkost- und Backwarenbereich mit angeschlossenen Sitzgelegenheiten oder Kassenzone in Verbindung mit einem Info-Center sollen die Richtung vorgeben, in die sich der selbstständige Lebensmitteleinzelhandel weiterentwickeln soll. Bei Adeg Hubmann war für den Um- und Ausbau (+50m2) und die neue Ladeneinrichtung ein Investitionsaufwand von 500.000 Euro notwendig. "Es gibt dafür die üblichen Förderungen der Adeg", sagte der Adeg-Kaufmann im Gespräch mit der Handelszeitung, wollte aber keine detaillierten Zahlen nennen.

Für einen Adeg-Markt mit einer durchschnittlichen Verkaufsfläche von 300m2 liege der Investitionsaufwand für die Ausrichtung nach dem neuen Konzept bei etwa 300.000 Euro, verlautete bei der Adeg-Messe in Salzburg-Bergheim, wo das neue Konzept präsentiert wurde.

Wer anschafft muss auch zahlen

Der nächste Adeg-Markt, der nach dem neuen Konzept gestaltet werden soll, ist jener von Gerhard Holub in Laxenburg/NÖ. Im Geschäft des Obmanns der niederösterreichischen Lebensmittelkaufleute ist ein Totalumbau geplant. Das werde sich mit einem Investitionsaufwand von mindestens 650.000 Euro zu Buche schlagen, berichtet Holub der Handelszeitung. Die Neueröffnung soll im Dezember 2009, noch vor dem Weihnachtsgeschäft, erfolgen. Bis jetzt sei noch nicht geklärt, wie die Kostenaufteilung aussehen wird. Holub: "Die Rewe will das so, also müssen sie auch Geld in die Hand nehmen. Was ich mir leisten kann, werde ich dazu beitragen."

Bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Adeg-Messe präsentierte die Rewe International AG, vertreten durch Vorstand Mag. Werner Wutscher, zusammen mit den Adeg-Vorständen Dr. Andreas Poschner und Dr. Andreas Bachleitner sowie mit Adeg-AG-Aufsichtsratsmitglied Herbert Hubmann, dem Obmann der Adeg Genossenschaft, Mag. Anton Kovsca, und Adeg-Kaufleuten den Status quo im Integrationsprozess der Adeg AG bei der Rewe International AG. In den vergangenen 15 Monaten war die Rewe in erster Linie mit der Erfüllung der von der Europäischen Kommission im Juni 2008 definierten Auflagen beschäftigt. Insgesamt wurden in den betroffenen 28 politischen Bezirken 21 Adeg eigene Regiebetriebe abgegeben (darunter drei Magnet-Märkte), eine Filiale wurde geschlossen.

71 Adeg-Kaufleute wechselten zu anderen Handelsorganisationen, neun Adeg-Kaufleute haben ihren Betrieb geschlossen. Die Abgabe Rewe eigener Filialen wird als "Kronjuwelenregelung" bezeichnet: 15 Billa-Filialen und ein Penny-Standort wurden an Mitbewerber abgegeben.

Gleichzeitig mit der Auflagenerfüllung gingen alle Adeg-Regiebetriebe an Mitbewerber, wurden bei Billa oder Penny integriert oder branchenfremd abgegeben. Fünf Magnet-Märkte wurden zu Merkur-Standorten, zwei zu Billa. Damit ist die Adeg AG als Teil der Rewe International AG eine Großhandelsorganisation mit ausschließlich selbstständigen Kaufleuten. Aktuell gibt es 421 Kaufleute mit 494 Adeg-Märkten.

160 Mio. Euro Umsatz abgegeben

In Summe hat die Rewe International AG im Zuge der Auflagenerfüllung 160 Millionen Euro Umsatz abgegeben, davon entfielen 130 Mio. Euro auf die Adeg, der Rest auf Rewe. Nutznießer waren vorwiegend die Großhändler der Nah&Frisch-Gruppe, die 56 Adeg-Standorte übernahmen. Weiters griffen die Tiroler MPreis (20 Märkte) und Spar Österreich (vier) zu.

Zur Erinnerung: Adeg wies im Vorjahr einen Brutto-Umsatz von 983 Mio. Euro aus und hat laut Nielsen im österreichischen Lebensmittelhandel aktuell einen Umsatzmarktanteil von 4,5 Prozent. Die Rewe International AG ist im Vorjahr in Österreich mit den Handelsketten Billa, Merkur, Penny, Bipa und Adeg (ab 1. Juli 2008 aliquot in die Bilanz konsolidiert) um 14,3 Prozent auf einen Umsatz von 6,38 Mrd. Euro gewachsen und konnte den Marktanteil (ohne Adeg) von 30 auf 30,3 Prozent ausbauen.

Integration schreitet voran

Die Integration wird nun mit Nachdruck vorangetrieben, insbesondere bei Einkauf und Logistik. Bereits sehr gute Erfahrungen haben die Adeg-Kaufleute nach eigenen Angaben mit den Rewe-Eigenmarken Ja!Natürlich, Clever oder Quality First gemacht. Derzeit hat der Eigenmarkenbereich bei Adeg einen Umsatzanteil von 15 Prozent und soll kontinuierlich ausgebaut werden. Einen hohen Stellenwert bei der Sortimentsgestaltung habe auch der starke Bezug zur jeweiligen Region.

Hinsichtlich Logistik wird es Optimierungen bei den Lägern geben, um Doppelgleisigkeiten auszuschließen und Synergieeffekte zu nutzen. Mag. Werner Wutscher, Vorstand der Rewe International AG, ist "froh, den ersten Schritt der Integration hinter uns" gebracht zu haben. Ziel sei es, das Warenwirtschaftssystem komplett umzustellen und die Belieferung von Adeg in Hinkunft genauso zu bewerkstelligen, wie bei den Filialbetrieben. Für Adeg-Kaufleute gebe es keine Umsatzvorgaben, "wir gehen das von der qualitativen Seite an". Mag. Anton Kovsca, Obmann der Adeg Genossenschaft, ergänzt: "Die Förderung der Adeg-Kaufleute ist im Genossenschaftsvertrag verankert und wird individuell ausgehandelt."

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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