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Billa Topnews

17.09.2004

GBV Veit Schalle / Ansprache an die Führungskräfte am 14. September 04

Sehr geehrtes Führungsteam!

"Billa heute - das Beste für mich." Diesen Werbeslogan kennen besonders unsere Billa Kunden gut. Er könnte aber auch ein Slogan für die gesamte Rewe Austria sein, denn dieser Satz fasst das Selbstverständnis unseres Unternehmens zusammen. So sehen wir uns: Jeder soll sagen können: "Rewe heute - das Beste für mich!"

Unsere Kunden genauso, wie unsere Mitarbeiter und unsere Lieferanten.

Dass wir in der letzten Zeit mit massiven Vorwürfen konfrontiert sind, die diesem Credo widersprechen, können und wollen wir nicht so stehen lassen.

Gerade in turbulenten Zeiten ist es notwendig, offene und klare Worte zu Themen, die im Raum stehen bzw. durch Medienberichte aufgebracht wurden, zu finden.

Rewe Austria ist seit vielen Jahren ein sehr erfolgreiches Unternehmen. Das verdanken wir unter anderem unserer konsequenten Unternehmenspolitik mit festen Grundsätzen und klaren Richtlinien.

Lassen Sie es mich einmal ganz klar aussprechen:

Die Gebote der Fairness, Korrektheit und Legalität sind Grundfesten des Konzerns. Dazu gibt es keine Ausnahmen!

Daher wird es in Bezug auf die Vorwürfe - wir sind mit unseren Mitarbeitern unkorrekt und unfair umgegangen - lückenlose Aufklärung geben.

Eines ist uns besonders wichtig: Durch Medienberichte steht der Vorwurf im Raum, dass es zu systematischen oder gar von der Geschäftsführung angeordneten Verletzungen des Arbeitsrechtes kam. Das können wir in jedem Fall dezidiert ausschließen.

Sogenannte schwarze Kassen und unkorrekte Überstundenabrechnungen widersprechen unseren Konzernrichtlinien und sind definitiv verboten!

Ich bedauere die Vorkommnisse, sie schaden dem Bild des Unternehmens in der Öffentlichkeit und sie verunsichern die Mitarbeiter. Nicht nur die Betroffenen, sondern auch deren Kollegen und sogar diejenigen, die sich bei uns bewerben wollen.

Lassen Sie mich nochmals klarstellen: Unkorrektes Handeln widerspricht unseren Unternehmensgrundsätzen!

Unsere Grundsätze sind auf eine langfristige Zukunft eines gesunden und erfolgreichen Konzerns ausgerichtet.

Wie Sie in den letzten Wochen beobachten konnten, kann kurzfristiges, so genanntes "Gewinne machen" am Rande der Legalität viel Schaden anrichten.

Wir werden jeden einzelnen an uns herangetragenen Fall beleuchten, aufklären und hinterfragen, wie es zu solchen Handlungsweisen kommen konnte.

Sie - die Führungsmannschaft der Rewe Austria - genießt grundsätzlich mein Vertrauen. Ich weiß, dass unser Unternehmenserfolg maßgeblich von Ihnen mitgetragen wird.

Derzeit stehen wir vor der Situation, dass wir genau prüfen müssen, ob manche dieses Vertrauen zu Unrecht genießen.

Es ist im Interesse unseres guten Rufes, hier gründlich vorzugehen und ich kann Ihnen versprechen, dass ich reinen Tisch machen werde! Für das Unternehmen, aber auch für Sie persönlich!

Es soll kein Zweifel an denen haften bleiben, die sich als gute Führungskräfte erwiesen haben und korrekt und umsichtig arbeiten.

Aber eines ist auch sicher: Die Einrichtung der Arbeitsgruppe zur Aufklärung wird uns allen Erkenntnisse bringen. Das ist kein Rachefeldzug, wir wollen vielmehr die Basis schaffen, Kurskorrekturen vornehmen zu können, die solche Vorkommnisse in Zukunft vermeiden.

Rewe Austria fühlt sich den Kunden verpflichtet. Was der Kunde wünscht, zählt. Und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Filialen sind unser wichtigstes Sprachrohr gegenüber unseren Kunden. Wenn sie zufrieden sind, bedeutet das auch zufriedene Kunden.

Bitte bedenken Sie Ihre Verantwortung gegenüber Ihren Mitarbeitern auch unter diesem Gesichtpunkt.

Und bedenken Sie weiters, dass unsere Mitarbeiter auch unsere glaubwürdigsten Botschafter nach außen sind.

Wir beschäftigen derzeit 48.000 Mitarbeiter. Sie sprechen mit Kunden, Partnern, ihren Freunden und Verwandten.

Wir sind nicht interessiert an Maulkorb-Erlässen oder Redeverboten!

Wir wollen, dass unsere Angestellten ihrer Umwelt sagen können, dass sie gerne und mit Überzeugung für Rewe Austria arbeiten.

Rewe Austria steht für permanente Weiterbildung, Motivation und gute Chancen zum Aufstieg. Denn wir sehen die Mitarbeiter unseres Unternehmens als einen unserer wichtigsten Eckpfeiler und zeigen unsere Wertschätzung durch die Sicherung fairer und motivierender Arbeitsbedingungen.

Die Vorwürfe der letzten Wochen haben dieses Vertrauen in Rewe Austria als Arbeitsgeber erschüttert.

Ich bin bestrebt, das Vertrauen in alle Betriebe von Rewe Austria wieder zu gewinnen und zu bestärken. Und dabei zähle ich auf Ihre Unterstützung!

Was werden wir also dafür tun?

Die wichtigste Maßnahme zur lückenlosen Aufklärung aller Vorwürfe ist die Einrichtung einer Arbeitsgruppe - der Task Force Arbeitsrecht - die bereits seit Beginn der letzten Woche arbeitet.

Die Aufgaben der "Task Force Arbeitsrecht" umfassen:
· die lückenlose Aufklärung der erhobenen Vorwürfe,
· die Einrichtung einer Ombudsstelle in Kooperation mit dem Konzernbetriebsrat der Rewe Austria, um MitarbeiterInnen zu ermuntern, Problemfälle aufzuzeigen sowie
· die Zusammenarbeit mit Institutionen, die sich mit der Thematik Arbeitsrecht im Handel auseinandersetzen.

Es gab bereits sehr positive Gespräche mit der Arbeiterkammer, der Wirtschaftskammer und der Gewerkschaft. Diese Gespräche mit Interessensvertretungen werden wir in den nächsten Tagen und Wochen noch intensivieren.

Sie haben es sicherlich schon gehört oder gelesen: Die Ombudsstelle beim Betriebsrat ist ab sofort telefonisch für unsere Mitarbeiter erreichbar. Der Betriebsrat garantiert volle Anonymität und wird sich möglichst rasch um alle Anfragen kümmern. Ziel ist es auch, Ursachen für etwaige Missstände zu klären.

Zwei Punkte sind mir in diesem Zusammenhang wichtig:

Erstens möchte ich, dass jeder der hier Anwesenden heute mit dem Wissen hinausgeht, dass es dem Vorstand, dem Management und mir ganz persönlich ein Anliegen ist, dass für volle Aufklärung und Transparenz gesorgt wird!

Und zweitens wird Rewe Austria das volle Vertrauen als fairer und guter Arbeitsgeber wiedererlangen und bestätigen.

Für beides werde ich mich mit meinem vollen persönlichen Engagement einsetzen.

Und Sie können aktiv dazu beitragen, mit uns gemeinsam durch diese angespannte Zeit zu gehen. Wie?

Indem Sie die Arbeit unserer "Task Force Arbeitsrecht" unterstützen und nach außen die Zuversicht und das Vertrauen in unser Unternehmen zeigen, das Sie in Ihrer Karriere bisher begleitet hat.

Ich möchte auf noch einen Punkt eingehen, über den es in letzter Zeit immer wieder in den Medien Berichterstattung gab: Den Vorwurf, mit unseren Lieferanten nicht fair umzugehen.

Der Kunde ist bei uns König. Wir verstehen das als echten Auftrag!

Der Kunde findet bei uns Service und die besten Angebote am Markt, wie das unserer Stellung als Marktführer entspricht.

In unseren Augen hat jeder Kunde das Recht, leistbare Qualität zu erwerben. Diesen Auftrag geben wir auch an unsere Lieferanten weiter.

Unsere Einkäufer sind als harte Verhandler im Dienste unserer Konsumenten bekannt. Das ist gut so.

Wir wollen schließlich unseren Konsumenten die absolut besten Preise bieten, wie sie sich das von der Nummer 1 am Markt auch erwarten können.

Aber Fairness ist oberstes Gebot in der Verhandlungsführung! Es ist unsere Unternehmenskultur, dass die Gespräche mit den Lieferanten auf sachlicher Ebene geführt werden, es wird hart verhandelt, ohne aber dabei die Sprachkultur zu verlieren.

Und am Ende jeder Verhandlung steht ein Vertrag - ein Übereinkommen zwischen Rewe Austria und dem jeweiligen Lieferanten. Das heißt: Beide Parteien willigen in die ausgemachten Konditionen ein.

In den Medien und - von Mitbewerbern lanciert - werden uns sogenannte "Knebelverträge" vorgeworfen. Die gibt es bei uns nicht. Es stimmt, dass es Übereinkommen mit manchen Lieferanten gibt, die nur an uns liefern.

Ein in diesem Zusammenhang gerne von mir zitiertes Beispiel ist die Pinzgauer Molkerei. Mit diesem Betrieb haben wir für die Marke "JA! Natürlich!" einen langfristigen Vertrag, der mit einer Abnahmegarantie für die gesamte Produktion einhergeht.

Diese Abnahmegarantie gibt diesem Lieferanten die nötige Sicherheit - um zu investieren und zu expandieren.

Deshalb ist dieser Vertrag auch auf ausdrücklichen Wunsch der Pinzgauer Molkerei erfolgt. Nicht zuletzt war es den Banken gegenüber vorteilhaft, die gesamte Produktionsmenge garantiert zu verkaufen um die erforderlichen Geldmittel überhaupt zu bekommen.

Das ist kein "Knebelvertrag", das ist eine Vereinbarung zum beiderseitigen Vorteil!

Ich weiß, dass es auch unter Ihnen Verunsicherung und offene Fragen gibt: Sie werden von Ihren Kunden, Ihren Kollegen, von Ihren Familien und Freunden angesprochen. Ich kann Ihnen versichern, es kehrt wieder Normalität ein und Ihr Vertrauen in uns als Ihren Arbeitgeber wird wieder unerschüttert sein.

Daher meine Bitte an Sie alle: Unterstützen Sie unsere Einsatzgruppe und leisten Sie weiterhin die gute Arbeit, die uns auch in Zukunft gemeinsam zum Erfolg führen wird!

Danke.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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