Direkt zum Inhalt

Bio-Handel zwischen Massenverbreitung und Qualitätsbedenken

05.09.2007

Der Aufruhr um das Engagement der mächtigen Schwarz-Gruppe mit ihrem Discounter Lidl bei der Bio-Supermarktkette Basic macht das Dilemma der Bio-Branche deutlich: Nachdem sie lange ein Nischen-Dasein fristete, lässt die stark anziehende Nachfrage jetzt auch große Konzerne auf den Öko-Zug aufspringen, die gemerkt haben, dass sich mit dem gestiegenen Bewusstsein der Verbraucher für gesunde Ernährung Geld verdienen lässt.

Die stark mittelständisch geprägte Bio-Branche muss da aufpassen, dass sie nicht unter die Räder kommt und zugleich mit der Marktentwicklung weiter Schritt halten kann.

Schon seit Wochen sorgt der Einstieg der Schwarz-Gruppe bei Basic für heftige Diskussionen in der Branche. Zuerst kam der Ausstieg von Gründern des Unternehmens, dann zeigten mehrere Lieferanten Basic die rote Karte. Aber auch bei den Kunden löste der Griff der Schwarz-Gruppe nach Basic heftige Reaktionen aus. "Die Ängste, die damit verbunden sind, sind vielfältig", sagt eine Sprecherin der Biomarkt-Kette. Die Bedenken gegen reichten von Qualitätseinbußen bei den Produkten bis hin zu Sorgen um die Arbeitsbedingungen. Lidl selbst äußert sich zu der Diskussion nicht.

Dass sich Basic mit dem Verkaufsstopp für weitere Aktien an die Schwarz-Gruppe nun diesem Druck beugt, will das Unternehmen zwar nicht offiziell bestätigen, doch hatte schon Vorstandschef Josef Spanrunft kürzlich in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" deutlich gemacht, dass man auf das Ausmaß des Konflikts nicht gefasst gewesen sei. "Wir sind momentan der Prügelknabe der Bio-Branche", sagte er der Zeitung erst am vergangenen Wochenende. Es laufe eine "unschöne Diskussion darüber, was gutes und was schlechtes Geld ist". Um expandieren zu können, brauche die Branche finanzstarke Partner.

Diese Einschätzung teilt auch der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. "Die Branche braucht Kapital, wenn sie wachsen will", sagt der Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Felix Prinz zu Löwenstein. Es müsse allerdings unterschieden werden, zwischen sinnvollen und weniger sinnvollen Engagements von Geldgebern. Er geht davon aus, dass sich Unternehmen wie die Schwarz-Gruppe mit ihrem Einstieg vor allem Know-how einkaufen und Handelsbeziehungen im Bio-Sektor eröffnen wollen. Deshalb tue die Bio-Branche gut daran, Vorsicht walten zu lassen. "Wenn jemand wie Lidl in den Markt reinkommt, sagen alle: Hier ist Gefahr im Verzug." Neben den Händlern selbst fürchteten auch die Erzeuger die Discounter, die mit ihrer Marktmacht die Preise unter Druck brächten.

Allerdings hatte Basic vom Anbau-Verband Bioland Rückendeckung bekommen. "Basic hat es verdient, dass man das Ganze genau beobachtet, ich spreche mich gegen eine Vorverurteilung aus", sagt Bioland-Vorstandschef Thomas Dosch. Einen Boykott-Aufruf der Organisation Attac hatte Dosch deshalb schon vor einigen Wochen zurückgewiesen und in einem Interview erklärt: "Wenn sich am Konzept von Basic nichts ändert, gibt es für einen Lieferstopp keinen Grund." Da der Markt für Bio-Lebensmittel boome, wäre es naiv zu glauben, man könne branchenfremdes Geld fernhalten, vielmehr stünden die Investoren bereits auf der Matte, gibt Dosch zu bedenken.

Der Streit kommt zu einer Zeit, in der sich die Nachfrage nach Bio-Produkten kaum noch befriedigen lässt. Bei einer Pressekonferenz sprach Löwenstein am Dienstag in Berlin von einer "Knappheit auf dem Markt", der im vergangenen Jahr in Deutschland ein Umsatzvolumen von rund 4,6 Mrd. Euro erreicht habe. Und es gebe Anzeichen dafür, dass das Wachstum weiter anhalten werde. Deshalb sei es wichtig, dass die Politik die Voraussetzungen für mehr ökologischen Landbau schaffe. "Wir müssen alle Register ziehen", sagt Löwenstein.

Die 1998 gestartet Basic AG ist in Deutschland mit 23 Märkten vertreten, in Österreich sind mittelfristig 10 bis 15 Filialen geplant.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
Werbung

Weiterführende Themen

Handel
12.11.2018

Nach dem Erfolg im letzten Jahr belegt Lidl Österreich auch heuer sowohl in der Kategorie „Diskonter“ als auch im Gesamtranking den ersten Platz und ist damit erneut Österreichs „Händler des ...

Madlberger
31.10.2018

Globalisierung, Digitalisierung und das vertikale Gerangel um einen höheren Wertschöpfungsanteil: All diese Faktoren führen in letzter Zeit in Europa zu einem Klimawandel in der Beziehung zwischen ...

Madlberger
09.10.2018

Weil immer mehr Markenartikel-Multis über die drei deutschsprachigen Länder Deutschland, Österreich und Schweiz eine gemeinsame Marketing- und Verkaufsorganisation stülpen, sehen sich heimische ...

Beim ersten Stakeholder Dialog suchte Lidl Österreich gemeinsam mit den Teilnehmern nach neuen Wegen und Möglichkeiten, ein noch nachhaltigeres Sortiment der Zukunft zu entwickeln.
Handel
08.10.2018

Über 40 Teilnehmer aus verschiedenen Bereichen sind der Einladung zum ersten Stakeholder Dialog von Lidl Österreich am 27. September gefolgt. Themenschwerpunkte waren die Zukunft des Essens und ...

Birgit Fritz (39) wird Leiterin des Refreshment-Bereichs bei Unilever Austria
Karriere
05.09.2018

Birgit Fritz übernimmt bei Unilever Austria den Bereich Refreshment von Gunnar Widhalm der seinerseits neuer strategischer Leiter für den Bereich Foods wird.

Werbung