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Anlässlich des Weltmilchtags am 1. Juni 2015 macht die AMA auf den Stellenwert der Milch Aufmerksam (v. l. n. r.): Helmut Petschar (VÖM-Präsident), Bundesminister Andrä Rupprechter und Michael Blass (AMA)

Bio-Milchprodukte hoch im Kurs

27.05.2015

In Österreich liegt der Bioanteil bei Milch überdurchschnittlich hoch. Das ist auch für die Milchwirtschaft gut, denn nach dem Wegfall der Milchquote sinken die Preise für die konventionelle Milch – in Österreich aber moderater als in Deutschland.

Das Ende der Milchquote hat den Markt schon in Bewegung gebracht. Daran wird auch der Weltmilchtag am 1. Juni - den die Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), Agrarmarkt Austria Marketing (AMA) und Landwirtschaftsministerium zum Anlass für eine gemeinsame Pressekonferenz nahmen - wenig ändern. Die Preise für die konventionelle Milch sind bereits gefallen – in Österreich aber nicht so stark wie in Deutschland. So liegt der derzeitige Preis pro Kilo in Österreich bei rund 35 Cent und damit in der Nähe des Niveaus von 2010. Das ist im Vergleich mit 2014, wo der Preis zum ersten Mal nach dem EU-Beitritt Österreichs etwas über 44 Cent (44,19 Cent) lag, ein großer Unterschied. Doch die Preise sanken bereits im ersten Quartal dieses Jahres auf 39,16 Cent. Auf die Preisreduktion nach dem Milchquotenende haben die heimischen Milchbauern aber sofort reagiert: Sie lieferten um drei bis vier Prozent weniger Milch.

Biozuschlag für Bauern steigt
Dennoch rechnet Helmut Petschar, VÖM-Präsident und Chef der Kärntnermilch, mit einer ansteigenden Anlieferungsmenge von etwa zehn Prozent. Wobei man in Europa insgesamt von einem Anstieg von 20 Prozent ausgeht. Kurzfristig würden die Märkte damit zwar unter Druck kommen, langfristig geht Petschar aber von einer Stabilisierung aus, auch beim Preis. Der Vorteil Österreichs sei die hohe Qualität der Milch. Immerhin verfügt Österreich mit einem Anteil von rund 20 Prozent über den in Europa, aber auch weltweit, höchsten Anteil an Biolandwirten. Daher entfallen hierzulande rund 15 Prozent der gesamten Milchmenge auf Bio-Milch, während europaweit Bio-Milch knapp ist. Das führt zwar dazu, dass Bio-Milch-Erzeuger vor allem in Salzburg und Oberösterreich offen für Lieferungen nach Bayern sind. Die Abwanderung ließe sich aber durch einen fairen Auszahlungspreis stoppen, sagt Petschar. Dass der Biozuschlag nach oben geht, während der Preis für konventionelle Milch sinkt, sei für ihn „ein deutliches Signal an die Biomilchbauern“.

Weitere Qualitätsoffensive geplant
Qualität wird somit auch in Zukunft immer wichtiger werden. „Die österreichische Milchwirtschaft punktet mit Qualität, sowohl im Inland als auch im Export. Nach dem Auslaufen der Milchquote wird die Konzentration auf die Qualität wichtiger denn je“, betont Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter. Deshalb wird es mit dem im März gestarteten Strategieprozess „Perspektiven Milchwirtschaft“ eine Investitions- und Qualitätsoffensive geben. Bis 2020 werden daher knapp 300 Mio. Euro für die Modernisierung der Milchbetriebe und rund 130 Mio. Euro für Qualitätsprogramme zur Verfügung stehen. Starkes Augenmerk wird auch weiter auf den Export gelegt werden. Im vergangenen Jahr machte der Export bereits 48,7 Prozent der Erlöse aus. In den beiden wichtigsten Exportmärkten Deutschland und Italien läuft es derzeit unterschiedlich gut. In Deutschland hat man 2014 um 7 Prozent zugelegt, Italien ist hingegen derzeit ein extrem schwieriger Markt. Für die Zukunft liegt der Fokus auf weiter entfernten Märkten – beispielswiese dem dynamischen Markt in China und dem strategischen Zukunftsmarkt in den USA.

Schulterschluss mit dem Handel wichtig
Österreichs Qualität ist da ein Wettbewerbsvorteil, verursacht aber auch infolge struktureller Nachteile (klein- und mittelstrukturierte Landwirtschaft, Produktion in Berggebieten) höhere Kosten. „Wichtig ist, dass es dafür eine entsprechende Abgeltung gibt, denn ansonsten ist diese Qualitätsstrategie auf Dauer nicht möglich“, warnt Petschar. Er appelliert daher an den Lebensmittelhandel und die Konsumenten, in ihrem Einkaufsverhalten die Qualitätsstrategie der heimischen Milchwirtschaft zu unterstützen. „Wir brauchen den Handel – die Wertschätzung soll sich aber auch in der Preisgestaltung widerspiegeln. Wir haben daher kein Verständnis für Begehren seitens des Handels, auch den Bio-Milch-Preis zu senken“, betont Petschar. Die Handelszeitung fragte deshalb bei den größten Lebensmittelketten des Landes nach. Rewe betonte, keinerlei Preissenkung im Bio-Milch-Bereich im Sinne zu haben, da die Bio-Milch, obwohl teurer, sehr gefragt ist.

Käse gefragt, aber geringer Bio-Anteil
Im Vergleich zu anderen Ländern ist der Bioanteil bei Milchprodukten im österreichischen Lebensmittelhandel überdurchschnittlich hoch. Bei der Frischmilch liegt der Bio-Anteil laut AMA mengenmäßig derzeit bei 19,7 Prozent, wertmäßig sogar bei 21,2 Prozent. Das bedeutet, dass fast jedes fünfte Packerl Frischmilch aus einer biologischen Landwirtschaft stammt. Annähernd hoch ist der Bio-Anteil auch bei Naturjoghurt: 2014 lag der mengenmäßige Anteil bei 19,5 Prozent, derzeit beläuft er sich auf 17,1 Prozent – dafür ist der wertmäßige Anteil von 18,5 Prozent (2014) auf derzeit 18,9 Prozent gestiegen. Nachholbedarf gibt es noch beim Käse. 39 Euro gibt laut RollAMA ein Haushalt pro Monat für Milch und Milchprodukte aus. Und obwohl der Löwenanteil davon (15 Euro) auf Käse entfällt, liegt der Bio-Käse-Anteil derzeit nur bei 5,6 Prozent.
Alice Rienesl

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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