Direkt zum Inhalt
Neue Food-Trends und die fortschreitende Digitalisierung führen zu zahlreichen Innovationen im Lebensmitteleinzelhandel

Blick über den Gartenzaun: Die neuesten Retail & Food-Trends

05.02.2019

Die Trend Scouts des Marktforschungsinstituts Mintel berichten topaktuell von den Hotspots des globalen Supermarktgeschäfts. Die Handelszeitung hat für Sie die interessantes Retail & Food-News  der vergangenen Wochen herausgepickt.

von Hanspeter Madlberger

Fairtrade Kampagne in Belgien

Wie lang arbeitest du  für 67 Cents? Dieser Slogan der aktuellen Print-Kampagne von Fairtrade Belgien macht auf die miserablen Arbeitsbedingungen beim Kakaoanbau in Westafrika aufmerksam. 67 Cent ist  der Tageslohn eines Plantagen-Arbeiters. Videos zeigen, in welch kurzer Zeit Beschäftigte in den Entwicklungsländern 67 Cent verdienen. Ein Bankbeamter braucht seinen Schalter nur für einige Sekunden zu öffnen, ein Friseur schnipselt nur ein kleines Büschel Haare vom Haupt seines Kunden. Eine Mintel-Untersuchung hat ergeben, dass in Großbritannien mehr als die Hälfte der Erwachsenen sich bereit erklärten, für Schokolade mehr zu bezahlen, damit die Kakaobauern für die Früchte ihrer Arbeit ein faires Entgelt bekommen.

Marks & Spencer: Checkout-freie Bezahl-App

Mobile Pay Go, so nennt sich die Bezahl-App, mit der Kunden des britischen Filialisten Marks & Spencer kleine Einkäufe bequem bezahlen können. Ausgestattet mit einem Smartphone können Kunden derzeit in sechs Londoner Filialen von Marks & Spencer Einkäufe bis zu einem Betrag von 30 Pfund innerhalb von 40 Sekunden bezahlen, ohne sich beim Checkout anzustellen. Die Bezahlung erfolgt automatisch, entweder über die App namens Apple Pay oder über die M&S-Kundenkarte. Im Laufe dieses Jahres soll  der landesweite Rollout des neuen Bezahlsystems erfolgen.

Im Zuge der Digitalisierung bietet der Einzelhandel seinen Konsumenten mittlerweile eine Reihe von Alternativen zur herkömmlichen Bezahlung des Einkaufs am Checkout. Neben den Self Checkouts, den oben beschriebenen Apps, dem automatischen Screening von Kundenkarten kommen künftig auch Voice Recognition und Facial Recognition als Mittel der Kundenidentifikation und der damit verbundenen automatischen, bargeldlosen Bezahlung zum Einsatz.

Wal-Mart & Co: Der Herkunft von Grünzeug auf der Spur     

Wal-Mart, Carrefour, die Hema Fresh Supermarktkette in Schanghai, die US- Fastfood-Kette Sweet Green: Sie alle haben Projekte auf Schiene gebracht, die ihren Kunden die Herkunft frischer Lebensmittel wie Obst und Gemüse  mittels der Blockchain-Technologie nachweisen und den Verlauf ihrer Logistik dokumentieren. Eine Qualitäts-Daten-Blockchain begleitete den Warenfluss vom Feld bis ins Supermarktregal. Wenn es zu Beanstandungen eines Produktes durch die Lebensmittelkontrolle kommt, erlaubt die Blockchain die Rückverfolgung der betreffenden Charge zum Produzenten und den schnellen Rückruf dieser Charge. Systeme der verknüpften Herkunfts- und Qualitätssicherung, wie sie bei Fleisch (in der  EU) und bei Meeresfisch (global) schon sehr weit gediehen sind, greifen jetzt verstärkt auf  das Grüne Sortiment über. Shopper können sich in diesen Kontrollprozess einklinken, indem sie mittels einer App die „Reisedaten“ des Broccoli oder des Apfels  „from field to shelf“  auf das Display ihres Smart Phones herunterladen. Der Nutzen für den Händler: Erhöhte Transparenz steigert das Konsumentenvertrauen und stärkt solcherart die Shopper-Loyalität. Dabei geht es nicht nur um Gesundheits- sondern in verstärktem Maße auch um die zahlreichen Nachhaltigkeitsaspekte. Das hat die aktuelle Diskussion über Avocados aus Mexiko gezeigt. Ein Drittel der Weltproduktion stammt aus diesem Land, das laut Berichten von NGOs mit der Errichtung von riesigen Plantagen Umweltzustörung in großem Ausmaß betreibt.  

Fastfood-Ketten beflügeln Vegan-Trend im Supermarkt

Kabarettisten können sich darauf verlassen, dass sie tosenden Applaus ernten, wenn sie McDonalds & Co als die Anstifter von Fettleibigkeit bei Kids anprangern. Sie sollten sich neue Gags einfallen lassen. Denn wie Trish Caddy, britische Foodservice-Analystin jüngst aufzeigte, sind es gerade die Fastfood-Ketten, die den Vegan-Esstrend auf der Insel beflügeln und damit den Konsumwünschen der Millenials voll Rechnung tragen. Genauer betrachtet, sind es zwei Ess-Trends, die bei der Jugend ankommen. Zum einen outen sich die Millennials zunehmend als Flexitarier (mehr und  häufiger Gemüse, seltener und weniger Fleisch essen), zum anderen sind sie bekennende Foodies. Dieser Verbrauchertyp zeichnet sich dadurch aus, dass er sein kulinarisches Wissen ständig erweitert und mit neuen Praktiken der Essenszubereitung experimentiert. Mittlerweile haben die meisten großen Pizza-Ketten vegane Pizzen im Angebot, fleischlose „Beyond Burger“ boomen, wobei raffiniert ausgewählte vegetarische Zutaten den typischen Fleischgeschmack und die typischen Fleischfarben imitieren. So präsentiert sich die Jackfruit mit ihrem fleischlichen Look als perfekte Alternative zum Barbecue-Pulled Pork.

 Britische Supermarktketten haben diesen Kulinarik-Vegan-Trend begeistert aufgegriffen. So  präsentiert Tesco neuerdings eine „Wicked Kitchen Range“ an Fertiggerichten. Zuletzt sprang Marks & Spencer mit der Eigenmarke „Plant Kitchen“ auf den Trend auf. Karfiol-Popkorn ist nur ein Beispiel für kreatives Vegan Food Design.

One-Minute Clinic in China

Ping An Good Doctor  ist die erste „unbemannte“ ärztliche Klinik der Welt und zugleich eine Ambulanz mit minimaler Wartezeit. Patienten suchen über ein öffentlich zugängliches Cloud Computer-System die  „Ordination“ eines virtuellen  Hausarztes auf, geben ihre Gesundheits-Beschwerden zu Protokoll, erhalten eine vorläufige Diagnose und können sich vom Verkaufsautomaten dieser „One Minute“-Klinik die zur Behandlung vorgeschlagenen Medikamente kaufen. Sollten diese im Automaten nicht vorrätig sein, druckt die Vending Machine das verschriebene Rezept für den Einkauf in der nächstgelegenen Apotheke aus. Wie ein Mintel-Report über die aktuelle Gesundheits- und Wellness-Situation in China ergab,  nehmen drei von zehn Chinesen den Rat des „Online-Doktors“ bereits in Anspruch.

Autor/in:
Dkfm. Dr. Hanspeter Madlberger

Hanspeter Madlberger war unter anderem bei Henkel Austria und der Handelskette A&O beschäftigt, arbeitete 17 Jahre als Redakteur bei der Fachzeitschrift Regal, war 21 Jahre Herausgeber der Handelszeitschrift Key Account und ist seit Herbst 2014 als freier Wirtschaftsjournalist tätig.

Werbung

Weiterführende Themen

Bauern gegen Lebensmittelhandel - das ist Brutalität ...
Madlberger
03.04.2019

Fairness-Pakt  hin oder her, in Sachen Glyphosat prallen die Meinungen von Bauernvertretern und Lebensmittelhändlern hart aufeinander.  Besonders gegensätzliche Standpunkte vertreten im aktuellen ...

Am Konjunkturhimmel ziehen Wolken auf, nach einer Zeit des Wachstums stehen die Zeichen auf Stagnation.
Thema
19.03.2019

Der Blick über den eigenen Gartenzaun lohnt sich, gerade in Zeiten stagnierender Verbrauchernachfrage. Der seit wenigen Tagen vorliegende Nielsen Growth Reporter  über das Umsatzjahr 2018 in ...

Handel
08.03.2019

Die diesjährige Rosen Challenge kommt besonders den Blumenfarmen in Tansania sowie Kenia zugute und zielt darauf ab, die die Arbeits- und Lebensbedingungen der Produzenten vor Ort nachhaltig zu ...

Madlberger
05.03.2019

Wie kann sich Österreichs Konsumgüter-Groß- und Einzelhandel im Verdrängungswettbewerb mit Digitalmonster Amazon und einer Armada global agierender Onlinehändler behaupten?  Durch den Aufbau eines ...

Madlberger
19.02.2019

Das Frühjahr naht und mit ihm der Start in die neue Getränkesaison. Bier- und AF-Branche tüfteln an  Innovationen, die nicht nur den Geschmacksnerv der kulinarischen Feinspitze, sondern auch den ...

Werbung