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BSE Tagebuch April 2001

17.07.2002

2.4.2001
Der Kurier hat sich in der Sonntags-Ausgabe damit auseinandergesetzt, „warum der Mensch Fleisch so liebt“. Aus der Reportage lässt sich eine Reihe lehrreicher Botschaften entnehmen, insbesondere, was das Ernährungsverhalten unserer Vorfahren betrifft. „An den Fleischverzehr war in grauer Vorzeit stets auch ein inniger Wunsch geknüpft: Dass die Eigenschaften besonders mutiger und starker Tiere auf den Menschen übergehen.“ Oder: „Der Steinzeitmensch hat relativ viel Fleisch gegessen, allerdings nahm er wenig Fett zu sich, weil auch die Wildtiere mager waren“. Und: „In Chikago kam das Fließband erstmals zum Einsatz. Nicht für Autos, sondern zum Schlachten von Schweinen: Ein Tier nach dem anderen wurde per Fließband zu einer Falltür und in den Tod befördert.“
Garniert ist der Bericht auch mit einer geschichtlichen Konsumstatistik: Im Jahr 1810 lag der Fleischkonsum in den meisten Regionen Mitteleuropas weit unter 20 Kilo, 1900 betrug er 31 Kilo pro Kopf und 1975 waren es in Europa durchschnittlich 64 Kilo. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Österreich liegt bei 66 Kilo im Jahr.

Die Werbeschaltungen in der Sonntags-Krone sollten dazu beitragen, dass dieser Wert möglichst nicht allzu sehr einbricht. Wenngleich gerade an diesem Wochenende Fleisch keine herausragende Rolle auf den Preisaktionsseiten der Handelsorganisationen spielte. Dafür waren sie in der Farbbeilage von Österreichs größter Zeitung in beachtlicher Dichte vertreten. Spar und Interspar auf je einer Seite, der BML-Konzern mit Billa, Merkur, Mondo und Bipa, auch Hofer informiert und Lidl hat sich im Hauptblatt mit einen SW-Inserat präsentiert.

Eine besondere Erwähnung ist dieser Tage Mondo wert. Der Diskonter aus dem Hause BML hat sich nämlich einen neuen Werbeauftritt verpasst. Im Mittelpunkt stehen nicht nur die billigen Produkte, sondern auch ein dickes fettes Rufzeichen. Um dieses sind nicht nur in der Printschaltung die Angebotsartikel – übrigens in einer ansprechend großzügigen grafischen Umsetzung – gruppiert, für den Hörfunk-Spot hat man sich auch bemüht, das Rufzeichen akustisch darzustellen. Das geschieht derart, dass ein Chor von Menschen zwischen den Angeboten laut „Rufzeichen“ ausruft. Es klingt, als würden mehrere Leute gleichzeitig niesen und „zum Wohl“ sagen. Nachdem sich das im HF-Spot einige Male wiederholt, beginnt man als Zuhörer zunehmend mitzuleiden. Gott sei Dank ist der Spot aus, bevor man sich einen unheilbaren Niesreiz aus dem Radio geholt hat.

Nach dem Werbebotschaften beurteilt scheint der Diskonter Mondo übrigens in keinerlei Konkurrenz mit dem Diskonter Lidl zu stehen. Letzter befindet sich dieser Tage im Computerfieber. Die ganze Werbeseite in der Sonntags-Krone ist gefüllt mit Computer-Hardware. Ein PC, zwei Bildschirme, ein Notebook und ein Drucker – alle zusammen übrigens zur Einkaufssumme von 63.960 Schilling.

3.4.2001
Mit einer kräftigen Prise Ironie findet die „Super Seuche“ in einer Kolumne des dieswöchigen Profil statt. Zitat: „Immer diese traurigen Nachrichten aus der Landwirtschaft. Ganz depressiv könnte man werden. Früher mal war dauernd von glücklichen Kühen und ihren treusorgenden Bauern die Rede. Mittlerweile wirkt selbst die Milka-Kuh, als käme sie nicht mehr durch den TÜV“. Hinaus will der Autor dieser Zeilen auf die positiven Begleiterscheinungen der Maul- und Klauenseuche. Etwa insofern, als das Überschreiten von Seuchenteppichen einen rechten Event-Charakter hätte. „Selbst Neckermann-Pauschalereisende dürfen sich dabei fühlen wie Amazonasforscher.“ Und niemand erinnere sich mehr an BSE. An der Stelle könnte man anknüpfen: ... und an die Gentechnik-Diskussion.
Letzteres stimmt aber nicht, denn in der Sonntags-Krone wurde diese Problematik ganz prominent in Form des feiertäglichen ganzseitigen Cartoons abgehandelt. Auf diesem war eine Familie am Mittagstisch zu sehen, wobei jedes einzelne Familienmitglied genetisch vom Lotto-Maskottchen herzustammen schien, gekleidet allesamt in dichten, silbernen Weltraumanzügen und versammelt vor einer mächtigen, geradezu tonnenschweren Tomate, auf deren Verzehr man sich gerade einstellte.
Der Horror lebt also noch; übrigens nicht nur in der Fiktion. Die nächste Nahrungsmittelkrise scheint nämlich gerade in Italien ihren Ausgang zu nehmen. Dort grassiert seit kurzem die Geflügelpest. Die Konsequenzen daraus kennt man zur Genüge von der MKS. Die Lebensmittelindustrie befürchtet, dass die Seuche durch Einfuhren auf Österreich übergreift. Die österreichischen Geflügelschlachtbetriebe haben jeglichen Warenaustausch mit Italien eingestellt. Sie lehnen es ab, im Auftrag inländischer Vertriebsfirmen italienische Handelsware gemeinsam mit heimischem Geflügelfleisch zu transportieren und an den Handel auszuliefern. etc.

6.4.2001
Das Wochenende steht vor der Tür, damit das dazugehörige Flugblattgestöber und so auch die übliche (Fleisch)-Preisparade.
Magnet: Karreerose im Ganzen, ohne Knochen, Großpackung per kg 89,90
Frisches Lammvorderes gemischt per kg 59,90 S.
Huber´s Landhendl per kg 34,90 S.
Spar: Österreichisches Schweinskarree oder Schopfbraten ausgelöst ohne Bein per kg 99 S.
Österreichische Schnitzel vom 1A-Jungstier per kg 99 S.

Billa: Karree-Schopfbraten im Ganzen (mit Knochen) per kg 69,90 S.
Schweinsschulter ohne Knochen ca 1,5 kg per kg 59,90 S.
Frisches Henderl per kg 34,90 S.

Als frisch geschnittene Aktionswurst der Woche bietet Magnet die Wiesbauer Kalbspariser für 9,90 per 10dkg. Zum gleichen Tiefpreis geht der Schnittkäse Bergbaron über die Theke, eine Aktion, die auch Billa auslobt. Hofer profiliert sich weiterhin auf anderen Spielwiesen. Die Preisbotschaften in Sachen Lebensmittel thematisieren diesmal Tiefkühlfisch. Hochinteressant sind die zwei Aktionsweine: Il Bastione Barolo DOCG, Jahrgang 1997 für 159,90 und Brunello di Montalcino DOCG, Jahrgang 1996 für 198,90.
Das Wochenende steht zudem am Endpunkt eines regelrechten Countdowns in Sachen MKS. Zu Wochenbeginn hat ein Experte im "profil" verkündet, ja fast seine Kompetenz darauf verwettet, dass der Osterreiseverkehr MKS nach Österreich einschleppen werde. Am Mittwoch hat die Krone ähnlich überzeugt die düstere Prognose abgegeben, weil in Deutschland zwei MKS-Verdachtsfälle aufgetreten sind. Die Wettchancen für den MKS-Import hätten zwei Tage später allerdings schlechter ausgesehen. Die Verdachtsfälle - auf die hin übrigens 100 Ferkel eine Stalls in Münsterland notgeschlachtet wurden - haben sich nämlich nicht bestätigt.

10.4.2001
In Ö 3 präsentiert man seit einiger Zeit ein ausgesprochen interessantes Programm-Element: Es geht um den Ö3-Mikro-Mann. Dieser geht nach folgendem Muster vor. Mit dem Ö3-Mikro ausgerüstet befragt er auf der Straße Passanten nach eigentlich selbstverständlichen Dingen: Beispiel: Auf welchen Wochentag fällt der Palmsonntag? Die richtige Antwort lautet – no na! – Sonntag. Tatsächlich aber findet der Mikromann genügend Leute, die etwas ganz anderes darauf sagen. Etwa: „Montag“. „Sind Sie ganz sicher?“ „Ja.“ Oder: „Keine Ahnung, ich kenne mich nicht aus bei kirchlichen Feiertagen“.
Diese wunderlichen Antworten erzählen eine ganze Menge: über den geistigen Zustand der Befragten, vor allem aber auch über das elektronische Medium an sich. Denn – um es einmal überspitzt zu formulieren – als Durchschnittsbürger neigt man durchaus dazu, im Angesicht eines Staatsfunkmikros binnen Sekunden zu verblöden und – im schlimmsten Fall – nicht mehr zu wissen, das Sonntag eben Sonntag ist.

Der zweite interessante Aspekt ist die Manipulation. Wenn der Mikromann als Ergebnis seiner Befragung zehn Verblödungsakte von Durchschnittsbürgern einspielt, dann hat er hundert Mal die richtige Antwort „Sonntag“ weggelassen. Vielleicht hat sogar so mancher gesagt, „Sonntag, was den sonst?!“ oder „Sonntag, wollen Sie mich vera...?“ Diese richtige Antwort ist freilich nicht berichtenswert, eben weil sie richtig ist und so keine Pointe ergibt.

So bleibt für den Zuhörer als Resultat des kleinen Radio-Hörakts, dass man es nicht zu fassen vermag, von welchem Volk von geistig Minderbemittelten man umgeben ist. Nie hingegen käme man bei einem scheinbar so harmlosen Spielchen auf die Idee, dass man hier grob manipuliert wurde vor dem Hintergrund eines regelrechten Vexierspiels von Schein und Sein.
Daran sollte man bisweilen denken beim Umgang mit Medien.

11.4.2001
Turbulenzen rund um das von MKS, BSE, etc. befallene liebe Rind-, Schweine- und Schafvieh ist man mittlerweile gewohnt. Diese Woche schlagen die Wogen aber wieder einmal besonders hoch. Da haben sich die EU-Landwirtschaftsminister im schwedischen Östersund getroffen, um festzustellen, dass der EU-Budgettopf für MKS nach 2,34 Mrd. für die Seuchenbekämpfung ausgegebenen Schillingen praktisch leer ist.
Die aktuellen MKS-Berichte aus den einzelnen Staaten sind unterschiedlich. Holland und Deutschland vermeldeten zu Wochenbeginn neue Verdachtsfälle. Dafür verkündet Großbritanniens Premier Tony Blair einen ganz deutlichen Rückgang der MKS-Erkrankungen. Auf der britischen Insel waren es zuletzt freilich rund 40 Meldungen täglich gewesen – von rund 1100 betroffenen Bauernhöfen, wo insgesamt schon mehr als eine Millionen Tiere notgeschlachtet wurde.

Nach wie vor diskutieren die Landwirtschaftsminister vor allem darüber, ob das geltende EU-Verbot für MKS-Impfungen aufgehoben werden soll. Das Problem, das sich mit der Impfung auftut: Mit der Impfung werden die Tiere ebenso zu Virenträgern wie erkrankte Tiere und sind damit ebenso unverkäuflich.

Von einer ganz anderen Impfung berichtet die Krone. Am andern Ende der Welt, in Australien, beschäftigen sich Wissenschaftler schon einige Zeit mit dem Rindvieh als unerwünschten Produzenten des Treibhausgases Methan. 280 Liter davon, so die Messungen, rülpst jedes Rind täglich in die Atmosphäre. Die Wissenschaftler haben nunmehr einen Impfstoff entwickelt, der die Organismen im Magentrakt der Wiederkäuer verändert und so den Methanausstoß der Rinder reduziert.

17.4.2001
Das Osterwochenende ist vorüber, die Kassandra-Rufe diverser Wissenschaftler haben sich nicht bewahrheitet. Noch ist die MKS nicht nach Österreich übergeschwappt. Die Gefahr ist freilich längst nicht vorbei. In Deutschland sind gestern wieder neue Verdachtsfälle aufgetreten, wobei sich im Nachbarland bisher ja noch kein einziger davon bewahrheitet hat. Trotzdem (oder gerade deswegen) wird in Deutschland am heftigsten über die Zulassung der MKS-Impfung diskutiert. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen hat einen entsprechenden Vorstoß unternommen, um so einer Übertragung von MKS aus Holland vorzubeugen. Der Schaden durch die Impfung in bestimmten Regionen ist jedenfalls geringer als der, den die MKS verursachen würde, lautet die prinzipielle Argumentation, an der wohl was dran ist.

Ein Unternehmen hat die anhaltenden negativen Schlagzeilen in Sachen Fleisch übrigens erstaunlich unbeschadet überstanden: der Fast-Food-Anbieter McDonald´s. BSE hätte den Hamburger-Spezialisten ja eigentlich am wirtschaftlichen Nerv treffen müssen. Geschickt hat Mc Donald´s jedoch an diesem Effekt vorbeigesteuert. Die wöchentlichen Aktionen waren über lange Zeit praktisch frei von Rindfleisch. Fisch, Huhn und Schwein wurden zu den beworbenen Fleischsorten. Und der „neue Werbechef von Mc Donald´s“, Stefan Raab, präsentierte in der Vorwoche den Big Extra unter dem Titel Beef & Bacon, also – rein sprachlich betrachtet – nach wie vor ohne Rind.

Schlagzeilen schreiben zu Ostern naturgemäß eher die Eier. Die Tierschutzvereinigung „Vier Pfoten“ hat am Gründonnerstag davor gewarnt, dass auf diversen Märkten Eier aus Legebatterien als Eier aus dem Freilaufgehege verkauft wurden, ein Betrug, den man schon aus der Vergangenheit kennt. Im Trubel der alltäglichen Skandalmeldungen aus dem Nahrungsmittelbereich scheinen solche Informationen allerdings niemanden mehr von seinem Sessel zu reisen.

18.4.2001
Branchenspezifisches Schmökern in der Kronen Zeitung. Was hat Österreichs großes Kleinformat-Boulevard heute in Sachen Lebensmittel zu bieten?

Seite 2: Billa wirbt für Urquelle Mineralwasser. Ab sechs Flaschen beträgt der Flaschenpreis 2,90 S.

Seite 4: Der „Bierkrieg“ um die Brau AG-Anteile schreibt die Schlagzeile. Die sogenannte „Marsoner-Gruppe“ wurde um kolportierte 200 bis 250 Mio. S von den Linzer Eigentümerfamilien ausgekauft.

Seite 6: Bericht über ein von einer Italienerin umgetauschtes Osterei, in dem der Geliebte leider den Diamant-Verlobungsring versteckt hatte.

Seite 13: Koch total verzweifelt: Einbrecher löschten seine 40.000 Rezepte! Die Täter wurde laut Bericht verhaftet, der Koch kocht derzeit ohne niedergeschriebene Rezepte.

Seite 23: Lidl bewirbt seine Wochenaktionen. Neben Sat-Anlage oder Kettensäge werden diesmal auch Lebensmittel – Schwerpunkt Speiseeis – angepriesen.

Letzte Seite: Merkur bewirbt die Dosen-Palette Schwechater Bier um 117,60 S, das macht 4.90 S pro Dose.
Ein Muster von einer Zeitung! Schnell, unterhaltsam, informativ.

20.4.2001
Ob es nun MKS, BSE oder andere Lebensmittelkatastrofen sind, vielleicht ist es auch auf Temelin und die deutsch-französischen Atommülltransporte zurückzuführen: das Marketing des österreichischen Lebensmittelhandel ist auf breiter Front von Endzeitstimmung geprägt. Wie anders ließe sich sonst der allgegenwärtige Aufruf zur Bevorratung erklären, der die Werbekampagnen der diversen Handelsorganisationen durchzieht?
Bei Interspar lässt sich der Katastrofenschutzbunker unter der Devise „ 3+3 gratis“ mit folgenden Produkten aufrüsten (in Klammer jeweils der Einzelpreis, der sich durch den Bevorratungskauf ergibt): Monte (2,45 S), Sonnleiten Grüner Veltliner 0,75l-Flasche (9,95 S), Sun & Fun 1l-Packung (3,95 S) und Römerquelle 1l-Pet (2,80 S). Der 16 Seite Preiskatalog, der an die Haushalte versendet wurde präsentiert zudem noch Bauernland Pommes Frites in einer Variante „2+2 gratis“ und noch eine Reihe weiterer Produkte wie Felix Ketchup, Iglo Pizza, Woerle Tilsiter etc. unter der Devise „2+1 gratis“.
„2+1 = günstiger“ meint man auch bei Zielpunkt. Ganze 18 Artikel locken mit diesem Mengenrabatt, wobei das Bunkerregal im Keller hier auch mit Quanto Weichspüler (17,93), Pril Handgeschirrspülmittel (17,93) oder Julia Katzenfutter 1kg (13,27) bestückt werden kann. Vöslauer Mineralwasser kommt mit einem Literpreis von 3,33 S nur bedingt an die Bevorratungsaktion von Römerquelle bei Interspar heran.

Billa lobt sich selbst als Nummer1 bei Bestpreisen aus und fährt die Endzeit-Modelle „Multi-Pack“, „Kombi-Aktion“ und „Nimm 3 – zahl 2“. Dazu gibt es noch diverse andere Bestseller der Kategorie „Tiefstpreishammer“ wie z.B. 1 Kiste Gösser für 166 S oder den Sechser-Träger Urquelle Mineral zu einem Literpreis, der selbst die Römerquelle-Aktion teuer erscheinen lässt, nämlich für 1,93 S.

P.S.: ein interessanter Preisvergleich eröffnet sich übrigens bei zwei Sonderangeboten von Interspar und Hofer. Beide führen Gartenpavillons im Programm, die sich nach Beschreibung und insbesondere nach der Abbildung nur in einem voneinander unterscheiden – im Preis: Hofer will dafür 1.498 S, Interspar hingegen nur 1.199 S. So schaut´s aus!

30.4.2001
Gott sei Dank! Vergangene Woche ist es wieder aufwärts gegangen. Seit langem fand sich das Thema BSE wieder einmal in den Zeitungen. Derselbe Wissenschaftler, der noch vor ein paar Wochen von hunderten Millionen Toten (Menschen, nicht Rindern!) gesprochen hatte, meinte im Interview, der Höhepunkt von BSE sei nunmehr überschritten.

Dasselbe gilt bekanntlich auch für MKS, vor allem in Großbritannien, wo die Seuche ja am verheerendsten getobt hat. Die Begriffe Rinderwahn und Maul- und Klauenseuche haben durch die mit ihnen verknüpften Krisen eine geradezu allgegenwärtige Prominenz gewonnen, insbesondere der Rinderwahn ist zu einem geflügelten Wort geworden. "Bist du denn vom Rinderwahn befallen?" fragt so mancher, um seiner Entrüstung über geistige Tiefstände seiner Mitmenschen zum Ausdruck zu bringen. Womit wir bei der zweiten Staffel von Taxi Orange (für Insider: TXO2) angelangt wären.

Ich spreche hier nicht vom allgemeinen Niveau, das dieser Form von Reality-TV zugrunde liegt, nicht davon, ob hier Volksverblödung betrieben oder nur eine neue Kommunikationskultur entwickelt wird. Vielmehr geht es um einen ganz bestimmten Insassen des TXO-Wohnsitzes Kutscherhof, der aufgrund seinen Aussehens und seiner Ausdrucksweise die eine oder andere Assoziation zu einem gewissen Andi Goldberger aufkommen lässt: Es geht um einen gewissen Didi. Er hat das Format, dem Begriff Rinderwahn ganz konsequent Rechnung zu tragen, und das trotz der unübersehbaren Bauernschläue, mit der er an sein Ziel, sich zum Taxler der Nation durchzusetzen, herangeht. Didi ist nämlich der Spar-Meister in der orangefarbenen Jungunternehmerrunde. Didi weiß, wo man seinen Orangen-Saft kauft, sein Müsli und sein Waschpulver, wenn es darum geht, auf den Groschen zu achten: beim Hofer. Didi weiß allerdings offenbar nicht, was der TXO-Betrachter am Ende jedes Berichts aus dem Kutscherhof zu sehen bekommt: eine lange, eine sehr lange Liste von Markenartiklern, vorwiegend aus der Welt der Lebensmittel, die ein Schweinegeld dafür bezahlen, dass sie während und nach der Sendezeit als Sponsoren von TXO identifiziert werden. Nicht auf dieser Liste befindet sich hingegen Hofer - weil der Diskonter nämlich ganz und gar selten ein Sponsorship für so eine Sendung übernehmen würde (was man den Managern vielleicht gar nicht ankreiden sollte); und weil er all die schönen Lebensmittelmarken, die für ihre Präsenz in TXO bezahlen gar nicht in seinen Regalen führt.

Ich denke, der eine oder andere Marketingmanager der Markenartikelwirtschaft - vielmehr viellicht noch der kommerziell zuständige ORF-Manager - wird am vergangenen Wochenende mitgefiebert haben, als die beliebteste Taxlerin der ersten Woche eben diesen Didi aus dem Haus und damit aus der Sendung werfen wollte. Allerdings war´s ihr verboten, weil der gute Didi von den TXO-Zusehern gewissermaßen tabuisiert war.

Wahrscheinlich weil er so sparsam ist. Da sieht man wieder einmal, welchen gesellschaftlichen Einfluss Diskonter heutzutage haben. Markenartikler und ORF müssen also noch weiterleiden. Freilich sind sie da nicht die einzigen.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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