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Buchtipp: Die Gesellschaft der Singularitäten

26.03.2018

Essen als Ausdruck von Lebenskultur wird in diesem Werk knapp, aber anschaulich beschrieben. Das Buch des deutschen Soziologen beruht auf der Hypothese von der postindustriellen Ökonomie der Singularitäten. Das Zeitalter der Massenproduktion und des Massenkonsums wird, nicht zuletzt unter dem Einfluss der Digitalisierung, abgelöst durch das Streben nach dem Besonderen, den Singularitäten. Man findet diese Entwicklung in der Berufswelt (Stichwort: Flexible Spezialisierung), in den Lebensstilen, in der  Politik.

Im Essen, im Wohnen, im Reisen manifestiert sich ein singularistischer Lifestyle auf besonders typische Weise. Hauptträger dieser Lebenseinstellung ist eine neue, gebildete und kaufkräftige, überwiegend urbane Mittelklasse. Sie definiert sich und ihr Leben über  besonderes Essen, besonderes Wohnen, besondere Reisen. Und legt Wert auf besonderen Nachwuchs, der eine besondere Schule besuchen. 

Chakteristika einer singulären Esskultur sind nach Reckwitz:

o Die globale Verbreitung sowohl globaler als auch regionaler  Esskulturen. Die Globalisierung  bewirkt  eine Heterogenisierung des Essens, sie führt gleichzeitig dazu, dass  die lokalen und regionalen Küchen in ihrer Einzigartigkeit erlebbar werden.

o Zweitens „erfolgt die Singularisierung des Essens über den ausgeprägten Experimentalismus der spätmodernen Küche. Ob in den Restaurants, den Kochbüchern und Kochsendungen oder am heimischen Herd: Das Kochen wird zu einer kreativen Praxis, die ganz auf Neues und Überraschendes setzt“.

o Drittens erleben wir die  Ethisierung des  Kulinarischen. „Es kristallisieren sich ethisch orientierte Ernährungsstile wie Vegetarismus und Veganismus heraus“.

o Viertens wird auch den Praktiken des Essens und Kochens ein ästhetisch-ethischer Wert zugeschrieben. Mit Freunden ins Restaurant essen zu gehen, ist in der urbanen Mittelklasse  en vogue, aber auch das Bekochen Gleichgesinnter in den eigenen vier Wänden. Die Architektur hat darauf reagiert. Seit den 1990er Jahren beherrscht die offene Küche den Wohnraum.“ Im Kochen“ schreibt Reckwitz, „kann sich das ansonsten verkopfte, spätmoderne (Akademiker-) Subjekt als handwerklich tätiges, kreatives Subjekt erfahren, das sorgfältig und kenntnisreich mit Gegenständen natürlichen Ursprungs ganz direkt umgeht.“

Die Gesellschaft der Singularitäten

Autor: Andreas Reckwitz​

Verlag: Suhrkamp Verlag

ISBN: 978-3-518-58706-5 ​

Seiten: 480

Preis: € 28,00 

Autor/in:
Dkfm. Dr. Hanspeter Madlberger
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