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Convenience liegt stark im Trend

05.09.2005

Tankstellenshops. Im Rahmen des Lebensmittelkongresses wird RegioPlan Geschäftsführer DI Wolfgang Richter über wesentliche Herausforderungen für das Tankstellenmanagement, Konsumtrends und die Rolle des Handels referieren.

RegioPlan Consulting ist seit 1984 mit mehr als 20 Mitarbeitern als unabhängiges Institut in der Standort- und Regionalplanung, der Handelsberatung und Marktforschung tätig. Kernbereich des Unternehmens sind Standort- und Marktuntersuchungen, vor allem im Handel, seine Kunden sind im Wesentlichen Filialisten, wobei man bereits Untersuchungen, in erster Linie Standortanalysen, für weit mehr als 80% aller österreichischen Filialisten im Handel durchgeführt hat. Diese Analysen sind Basis für Standortentscheidungen, also einerseits für Neueröffnungen, aber auch Erweiterungen, Schließungen und Verlegungen. RegioPlan ist in den letzten Jahren immer stärker in den osteuropäischen Ländern aktiv geworden; Hauptkunden sind auch dort einerseits Handels-, aber auch finanzierende Unternehmen wie Banken oder Leasingfirmen, die für ihre Projekte Standortbewertungen benötigen. Für Aktivitäten in den neuen EU-Ländern verfügt man über „native speaker“, die aufgrund ihrer Kenntnisse der jeweiligen Landessprache verlässliche Informationen generieren.
LK-Handelszeitung: Ihr Thema sind Convenience-Trends und die sich daraus für das Tankstellenmanagement ergebenden Herausforderungen.

Resultierend aus den größeren Reichweiten der Fahrzeuge und der daraus folgenden Netzbereinigung durch die Mineralölgesellschaften ergibt sich: weniger Tankstellen werden zu größeren wirtschaftlichen und logistischen Einheiten, und sie befinden sich an besseren Standorten mit höherer Verkehrsfrequenz. Demzufolge haben sich auch die Shops in den letzten 6 bis 8 Jahren ganz wesentlich verändert. Früher gab es in den Shops ja nur Autozubehör und -pflegemittel, Scheibenwischerblätter, Frostschutzmittel oder Motoröl. Später sind die Betreiber zu der Erkenntnis gelangt, dass bei jedem Halt an der Tankstelle eine zusätzliche Einkaufsmöglichkeit, etwa für Nahrungsmittel oder Getränke besteht. So nützt man die an der Tankstelle vorhandene Frequenz für Nahversorgung im Lebensmittelbereich.
Die deutlich günstigeren Öffnungszeiten, die Erweiterung des Warenangebotes oder der Verkauf von Tabakwaren haben zu Beginn vielen große Angst gemacht, und von verschiedenen Seiten wurden Klagen gegen die Tankstellenbetreiber angestrengt. Zusätzlich gab es kuriose Diskussionen bezüglich einer möglichen Kontamination von Lebensmitteln – erinnern Sie sich nur an die berüchtigte „Benzol-Semmel“. Es hat sich aber doch rasch herausgestellt, dass alle diese Befürchtungen unberechtigt waren. In der Zwischenzeit hat man gelernt, miteinander zu leben, weil sich gezeigt hat, dass Tankstellenshops nie die volle Nahversorgung übernehmen können und daher auch nicht die Versorgung kaputtmachen, sondern viel eher als Ergänzung zu betrachten sind.

Tankstellen-Shops sind zwar von den Öffnungszeiten her sehr attraktiv, nicht aber von der Preisgestaltung.
Das ist richtig, es sind ja keine Diskonter, und auch, wenn der Betreiber einer Tankstelle noch so rührig wäre – er ist kein Lebensmittelhändler. Er kann in vielen Bereichen und im Rahmen einer für ihn attraktiven Kalkulation Mitnahmeprodukte anbieten – das reicht von der Grillkohle bis zum Blumenstrauß. Alles das stellt aber keine elementare Konkurrenz für die betroffenen Branchen dar: Kein Blumenhändler wird schließen, weil es an einer Station ein paar Schnittblumen oder Blumenstöckerln gibt. Und es wird kein Lebensmittelhändler zusperren müssen, weil es an der Tankstelle gegenüber ein paar Brötchen oder Getränke gibt, die nicht mehr unter die Definition „Reiseproviant“ fallen.

Wie groß sind typische Tankstellenshops heute?
Ein durchschnittlicher Tankstellenshop ohne Gastronomie hat mit 200 bis 250 m2 seine optimale Größe erreicht. Hinzu kommt allenfalls der Platzbedarf für Imbiss- oder Kaffeeecken, die in der Regel ganz gut angenommen werden - nicht nur von Fernfahrern auf dem hochrangigen Straßennetz, sondern auch im Nahversorgungsbereich in Wohngebieten. Für alles was größer ist (also wenn ich an 300-400 m2 Verkaufsfläche denken würde) benötigt man eine andere Logistik, andere Strukturen und ein anderes Know-how, auch von Seiten der Zulieferer.

Sind die Parkplätze an den Tankstellen ein Kriterium?
Absolut. Das ist ein großes Problem, weil es zur Zeit noch sehr viele Tankstellen gibt, wo der Kunde nach dem Tankvorgang das Auto bei der Zapfsäule stehen lassen muss, dann in den Shop geht und sich latent im Stress befindet, weil er ja die Zapfsäule blockiert. Es ist zu erwarten – und dafür gibt es in der Zwischenzeit viele Beispiele – dass der Kunde nach dem Tankvorgang lieber zu einem eigenen kleinen Parkplatz fährt und erst dann einkauft. Trotzdem wird der Einkauf an einem Tankstellenshop aus der Sicht des Kunden immer ein sehr schneller Vorgang bleiben. Man nimmt einfach etwas mit, macht aber in einem Tankstellenshop keinen Einkaufsbummel.
Welche Konzepte entwickeln Ihre Kunden, die großen Mineralölfirmen, und welche Pläne verfolgen sie hinsichtlich der Weiterentwicklung ihrer Shops?
Es gibt ähnliche Konzepte aber unterschiedliche Schwerpunkte. So setzt beispielsweise Agip auf das typisch italienische Ambiente seines Imbiss-Bereiches – ein gutes und stimmiges Konzept. Alle Tankstellenbetreiber passen ihre Konzepte auf die unterschiedlichen Standort-Typen, also etwa Autobahnstationen oder Wohngebiets-Tankstellen hin an.

Convenience bedeutet Bequemlichkeit für die Kunden.
So ist es. Tankstellenbetreiber führen heute ein attraktives Warenangebot, sie führen frisches Gebäck und Obst. Und Kunden lernen, wann immer sie einen Shop besuchen, dass es dort dieses Angebot gibt. Irgendwann, wenn sie dann tatsächlich etwas brauchen, erinnern sie sich an dieses Bild – und so etabliert sich der Shop beim Konsumenten als mögliche Einkaufsdestination. Die Tankstellenshops haben allerdings noch Handlungsbedarf, den Konsumenten ihr umfassendes Angebot „Mehr als nur Ölwechsel und Frostschutz“ zu kommunizieren. Dass es sich dabei um etwas sehr Schnelles, Nahes, Unkompliziertes, Bequemes handelt. Der Betriebstypus Tankstelle als Traffic-Builder ist jedenfalls ein interessanter Bereich. Man kann immer wieder Konzepte erproben und einiges davon wird nachhaltig funktionieren. Vielen Menschen, die entsprechend ihrem Standort und aus verschiedenen Bedarfssituationen kommen, wird manches Convenience, Bequemlichkeit bieten, manches aber nicht, weil es zu kompliziert ist.
Trotzdem: der Standort Tankstelle bietet prinzipiell eine interessante Situation, um auch in Zukunft innovative Dienstleistungen, Waren- oder Gastronomieangebote zu erproben.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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