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Coverstory

19.05.2003

Interview mit Georg Pfeiffer, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Pfeiffer-Gruppe.
Am Rande des 1. Oberösterreichischen Handelskongresses am 29. April 2003 in Wels, bat die Handelszeitung Georg Pfeiffer, den Vorsitzenden der Pfeiffer-Gruppe, zum Gespräch. Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Einzelkämpfer in der Welt der Großen" , oder wie sich so genannte "Davids" gegen die "Goliaths" im Handel durchsetzen können. Die Unternehmensgruppe Pfeiffer mit Sitz in Traun ist mit eigenen Vertriebsschienen im Lebensmittelhandel (Unimarkt, Pro Kaufland) tätig und bedient Kunden in sieben Bundesländern mittels mehrer Vertriebsschienen: C&C-Märkte mit Gastronomiezustellung, Großhandel für selbständige Kaufleute (Nah & Frisch) und Tankstellenshops (Shop Top Service). Im Vorjahr erwirtschaftete die Pfeiffer-Gruppe mit 2.500 Mitarbeitern 537 Millionen Euro Umsatz.

Handelszeitung: Herr Pfeiffer, sehen Sie sich in Österreich als David oder Goliath?

Pfeiffer: Im heimischen Lebensmittelhandel erfolgreich zu sein, ist nicht abhängig von der Größe, sondern vom Leistungsangebot. Es gibt zu viele, die das Gleiche machen, ich bin nicht sicher, ob es in fünf Jahren noch alle der derzeit am Markt vertretenen Handelsorganisationen geben wird. Wir werden jedenfalls unsere dienstleistungsorientierte Strategie weiterverfolgen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein.

Handelszeitung: Sie sind im zweistufigen Handel tätig, betreiben eine eigene Supermarktschiene und beliefern sowohl selbständige Kaufleute wie Tankstellenshops. Gibt es da Interessenskonflikte?

Pfeiffer: Nein, ich sehe da keinen Widerspruch. Wir unterstützen die Nah & Frisch-Kaufleute seit 20 Jahren mit konzeptiven Schwerpunkten und spielen mit Unimarkt die Rolle einer regionalen Supermarktkette. Was die Tankstellenshops betrifft, so bin ich überzeugt, dass diese Art des Convenience-Stores in unserer mobilen Gesellschaft einfach von der Kombination Tankstelle und Shop lebt.

Handelszeitung: Auf Kongressen wie diesem werden gerne Begriffe wie "Strukturbereinigung" oder die "Renaissance des Greisslers" strapaziert. Tatsache ist, dass es in Ballungsgebieten einen Verdrängungswettbewerb gibt, während - nicht nur in Oberösterreich - immer mehr Gemeinden ohne Nahversorger auskommen müssen.

Pfeiffer: Da haben Sie recht. Es gibt in Ballungszentren ein Überangebot an Verkaufsflächen und damit eine eher schlechte Flächenproduktivität. Was die Gemeinden ohne Nahversorgung betrifft, muss man akzeptieren, dass von der Einwohnerzahl her eine wirtschaftliche Mindestgröße gegeben sein muss, damit sich dort ein Standort auch rechnet.

Handelszeitung: Während Rewe Austria und Spar - dem internationalen Trend entsprechend - immer mehr auf Handelsmarken setzen, verzichtet Nah & Frisch und auch Unimarkt weitgehend darauf. Warum?

Pfeiffer: Um eine vernünftige Handelsmarken-Strategie zu verfolgen, braucht man eine gewisse Größe bzw. Marktmacht. Die Handelsmarke als Ergänzung zu einem Markenartikel-Portfolio funktioniert, aber wenn die Eigenmarke einen Markenartikel ersetzt, lehnen das die Kunden ab. Wir setzen jedenfalls bewusst auf Markenartikel und fahren gut mit dieser Strategie.

Handelszeitung: Heißt das, dass Sie sich aus dem Preiswettbewerb heraushalten wollen?

Pfeiffer: Das ist unmöglich! Der Preis spielt natürlich eine enorme Rolle. Ich brauche argumentierbare Abstände zu Hofer: Qualität, Auswahl, Service usw. Aber wenn Unimarkt teurer ist als Billa, bin ich weg vom Fenster.

Handelszeitung: Stichwort "Ladenöffnungszeiten". Während selbständige Kaufleute eher für die Beibehaltung der derzeitigen Regelung plädieren, verlangen die Filialisten permanent eine Ausweitung bzw. Liberalisierung. Wie bekommen Sie da die Nah & Frisch-Kaufleute und Unimarkt unter einen Hut?

Pfeiffer: Wir sitzen mit Unimarkt im gleichen Boot wie die Nah & Frisch-Märkte. Aber der Trend zu längeren Öffnungszeiten ist unübersehbar. Wir werden flexibel auf eine allfällige Liberalisierung reagieren, etwa vormittags später aufsperren und dafür abends später schließen. Niemand wird es sich leisten können, offen zu halten, wenn keine Kunden da sind.

Handelszeitung: Danke für das Gespräch.
Interview: Max Pohl

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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