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Coverstory

23.01.2004

EU-Erweiterung. Eine Studie des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche prophezeit den Lebensmittelfirmen in den Beitrittsländern einen hohen Investitionsdruck und Selektionsprozess.

Eine Studie des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) hat ergeben, dass die Lebensmittelbranche in den EU-Beitrittsländern unter einen enormen Transformationsdruck kommen wird. Nur sehr wenige Unternehmen der Nahrung erzeugenden Branche können die hohen EU-Standards für die Branche erfüllen; dazu kommt, dass die Lebensmittelindustrie in fast allen Oststaaten der größte Industriezweig ist. In vielen Ländern ist diese Branche für über ein Fünftel der Industrieproduktion verantwortlich. Selbst in Ungarn liegt der Anteil noch bei 16 %, Slowenien 14 %. Zum Vergleich: In Österreich machen Lebensmittel 11,6 % der Industrieproduktion aus.
Die WIIW-Studie prognostiziert am Beispiel Tschechien eine schwierige Zukunft: Von insgesamt rund 13.000 Lebensmittelfirmen erfüllen gerade 4.000 die hygienischen EU-Standards. Von diesen hat Brüssel bislang nur 130 Betrieben jene Qualitätszertifikate zugestellt, die für den Export in die jetzigen EU-Länder notwendig sind. Die verbleibenden Unternehmen müssen entweder durch Investitionen von geschätzten 500 Mio. E auf EU-Standard kommen oder schließen. Zudem hat die EU beschlossen, die Hygienevorschriften auf die Urproduktion auszudehnen.

Die Preise der Produzenten aus der Landwirtschaft ziehen rasch auf das EU-Niveau an. Die Konkurrenz durch Waren aus den derzeitigen EU-Staaten wird durch das Wegfallen der Zollschranken noch stärker. Zudem wird der Importdruck aus Drittstaaten zunehmen: Denn der EU-Zolltarif für Lebensmittel-Importe ist niedriger als die derzeitigen Sätze der Beitrittsstaaten. Die Studie nennt auch die Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit als Hauptgrund: Zwar liegt das Lohnniveau der Beitrittsländer weiterhin um 40-85 % unter dem EU-Wert, doch die Produktivität hinkt noch weiter hinterher. Diese steigt stetig, doch nicht so stark wie die Löhne.

Dazu Dr. Michael Blass, Fachverbandsgeschäftsführer Nahrungs- und Genussmittelindustrie: „Vor rund 10 Jahren war Österreich in einer ähnlichen Situation. Viele heimischen Unternehmen mussten sich erst Euro-Fit machen, um in der EU bestehen zu können. Die Kernfrage wird sein, ob in den Oststaaten ein Konsumpatriotismus herrscht, wie einst in Österreich, der den Unternehmen das Überleben sicherte.“

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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