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Coverstory

29.06.2004

ACNielsen Strukturdaten 2003 bestätigen die weiterhin steigende Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel. Der Druck auf die Lieferanten wird immer größer.

Rewe Austria und Spar wachsen weiter und haben nach den Ergebnissen der jüngsten ACNielsen Strukturdatenerhebung bereits 36,9 bzw. 34,2 Prozent Anteil am Umsatz des Lebensmitteleinzelhandels (ohne Hofer und Lidl), der für das Jahr 2003 mit 11,731 Milliarden Euro ausgewiesen wurde. Beide Unternehmen haben eine marktbeherrschende Stellung (dies ist laut Kartellgericht ab 30 % Marktanteil der Fall). Und für marktbeherrschende Unternehmen gelten eigene Regeln, so Dr. Eckhard Hermann, Senatspräsident beim Oberlandesgericht Wien: „Sie dürfen weder zu hohe Preise von den Kunden verlangen noch zu niedrige von den Lieferanten.“ Was die Endverbraucherpreise betrifft, so ist schon durch den harten Wettbewerb der beiden Großen und den Vormarsch der Diskonter für niedrige Preise gesorgt.

Was die Behandlung der Lieferanten betrifft, kann man sich angesicht von 50- und 51-Prozent Rabattforderungen ausmalen, wie es hinter den Verhandlungstüren in Wr. Neudorf und Salzburg zugeht. Doch kaum ein Unternehmen wagt, sich gegen die Handelsriesen aufzulehnen. Tun sie es doch, sind sie schneller aus den Regalen geräumt, als sie ihre Produktion stoppen können. Selbstverständlich bleibt ihnen der Gang zu den Kartellbehörden unbenommen. Doch er wird ihnen in aller Regel nicht mehr helfen. Hermann bestätigt im Gespräch mit LK-Handelszeitung auch, dass es nicht häufig passiert, „dass sich Lieferanten an die Gerichte wenden. Obwohl das Thema allgemein bekannt ist.“ Sind die Produkte eines Lieferanten erst einmal ausgelistet, wird kein Kartrellgericht eine Rückkehr erzwingen können, da der Nachweis des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung nicht einfach gelingen wird. Zu schwammig die Gesetze, zu mächtig die Handelsriesen. Sie boxen natürlich auch die Mitbewerber aus dem Ring. Rewe Austria und Spar halten bereits über 71 Prozent des Umsatzkuchens im LEH. Viel bleibt da nicht mehr über.

Die Umsätze des Lebensmitteleinzelhandels betrugen 2003 (exkl. Hofer/Lidl) 11,731 Mrd. E und stiegen somit versus 2002 um 2,1 %. Bei einer Inflationsrate von 1,3 % bedeutet dies ein leichtes reales Wachstum. Die von ACNielsen seit 1964 jährlich durchgeführte Erhebung der Strukturdaten umfasst den österreichischen Lebensmitteleinzelhandel ohne Hofer und Lidl. Zur Umsatz-Entwicklung der beiden Diskonter Hofer und Lidl liegen lediglich Schätzungen, basierend auf der Filialexpansion, vor. Beide Harddiskonter entwickelten sich weiter positiver als der klassische Lebensmittelhandel.
Die kleinen Geschäfte bis 250 m2 hielten im Jahr 2003 erstmals einen Anteil von unter 10 % am Umsatzkuchen, stehen aber anzahlmäßig immer noch für 41 % der LH-Geschäfte in Österreich.
Supermärkte (400 bis 1000 m2) wurden auch 2003 in den Ausbauplänen der Handelsfirmen stark forciert und zeigen mit + 7 % Umsatzwachstum den deutlichsten Aufwärtstrend. Verbrauchermärkte (= Shops über 1000 m2) zeigen ebenfalls – verglichen mit den Supermärkten aber deutlich geringere – expansive Entwicklung.

Rewe bleibt vor Spar
Der Marktführer im Lebensmittelhandel heißt auch heuer wieder Rewe Austria LH (Billa, Merkur, Mondo/Penny, Emma ohne bipa). Rewe blickt auf ein erfolgreiches Jubiläumsjahr für Billa zurück. Mondo wurde auf das internationale Diskontformat der Rewe (Penny) umfirmiert. Im November schloss sich mit Sutterlüty (vorher Spar) der erste selbstständige Kaufmann der Rewe an.
Spar, die Nummer 2 am österreichischen Lebensmittelhandel, wächst 2003 am stärksten. Verantwortlich dafür ist noch die „Nachwirkung“ der Maximarkt-Übernahme, die ab KW 31/02 wirksam wurde, aber auch gezielte Eigenexpansion.

Im Schatten der beiden Handelsriesen entwickelt sich Zielpunkt wieder sehr erfolgreich. Das Softdiskontkonzept Zielpunkt (+ 8 Filialen) geht auf, nebenbei wurden auch bei Tengelmann Österreich die Weichen Richtung Hard-Diskont, mit der Einführung von Plus, gestellt.
Die ZEV-Markant-Entwicklung (Pfeiffer, Wedl, Kiennast, Hornig, Kastner, Brückler) ist noch vom Verkauf von Maximarkt an die Spar-Gruppe geprägt. Auch Pfeiffer (minus 29 Shops) liegt mit 4,4 % Marktanteil etwas unter dem Vorjahr, aber auf dem Niveau von 2001.

Adeg wieder „dabei“
Die Adeg hat sich entschlossen, 2003 ihren Anteil wieder zu veröffentlichen. Die Adeg hat eine leicht rückläufige Entwicklung zu verzeichnen, die einerseits auf den Abschmelzungsprozess kleiner Händler (gesamt minus 26 Geschäfte), andererseits aber auch durch geringe Einbußen im Filialbereich und bei Magnet zu erklären ist. Die selbstständigen Händler hingegen konnten den Umsatz geringfügig steigern.
Auch 2003 mussten wieder viele kleine Lebensmittelhändler dem Druck der Handelsriesen Platz machen. Der Umsatzanteil sinkt damit auf 6,4 %.
MPreis, ebenfalls in der Marktunterteilung „übriger LH“ inkludiert, baute sein Filialnetz um vier Standorte aus und blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2003 mit deutlichem Umsatzzuwachs zurück.

Diskonter Hofer und Lidl setzen Filialexpansion fort, der klassische Lebensmittelhandel kontert mit neuen Diskontformaten (Penny und Plus).
Der Trend zum Diskont ist in Österreich unverkennbar. Hielten doch 2003 mit Penny (Umbenennung der Rewe Diskonttochter Mondo) und Plus (Tengelmann) zwei neue Formate in Österreich Einzug. Hofer und Lidl reagieren darauf mit einem deutlichen Ausbau ihres Filialnetzes (33 neue Hofer- und 14 neue Lidl-Filialen), damit hält Hofer jetzt bei 310 und Lidl mittlerweile bei 86 Filialen. Hofer und Lidl gemeinsam werden von ACNielsen im Jahr 2003 auf ein Umsatzvolumen von 2,7 Mrd. E geschätzt.
Bei einer Befragung im April 2004 (Basis 1000 Personen) gaben fast 90 % der Befragten an, zumindest gelegentlich beim Diskonter einzukaufen. 49 % der Diskonter-Kunden kaufen 50 % oder mehr ihrer Einkäufe dort. Grund dafür scheint eine vom Konsumenten subjektiv erlebte Inflation zu sein. So gaben 74 % der Befragten an, dass sie „mehr“ oder „viel mehr“ als früher für Lebensmittel und Körperpflege ausgeben.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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