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Coverstory

14.07.2004

Wettbewerb. Das Unternehmen Billa soll seine Marktmacht missbraucht und Lieferanten unter Druck gesetzt haben. Das angebliche „Preisdiktat“ wird nun zu Protokoll genommen.

Walter Barfuß, Chef der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde, macht Ernst: Seine Behörde hat gegen Billa Erhebungen eingeleitet. Der Anklagepunkt: Billa missbrauche seine „marktbeherrschende Stellung“, um Lieferanten die notwendigen Preiserhöhungen zu verweigern.
Betroffen sind so bekannte Markenartikel-Unternehmen wie Wiesbauer, Handl Tyrol und Neuburger, sowie weitere Unternehmen aus der Fleisch verarbeitenden Industrie. Ein Teil dieser Betriebe hat bereits zu Beginn dieser Woche vor der Wettbewerbsbehörde ausgesagt.
Den Stein so richtig ins Rollen brachte der oberösterreichische Fleischverarbeiter Neuburger, der seinen Abnehmern unter Hinweis auf gestiegene Kosten (z. B. Lkw-Maut) Preiserhöhungen angekündigt hatte. Billa hatte sich – im Gegensatz zu anderen Handelsketten – strikt geweigert, höhere Preise zu akzeptieren, worauf Neuburger die Belieferung mit Edel-Leberkäse an Billa eingestellt hat. Mit der Folge, dass durch den zu erwartenden Umsatzrückgang vermutlich vier bis fünf in der Produktion beschäftigte Mitarbeiter gekündigt werden müssen.

Die Vorgeschichte: Billa hat für einige Thekenprodukte namhafter Hersteller die notwendig gewordenen Preiserhöhungen nicht akzeptiert. Daraufhin stellten die Betroffenen Markenartikler ihre Lieferungen mit den jeweiligen Produkten ein. Wiesbauer, Handl Tyrol und Neuburger sind die prominentesten „Opfer“ des Preispokers. Die Wettbewerbsbehörde hat darauf hin von sich aus Ermittlungen begonnen. Die Geschäftsbeziehungen zwischen Billa und seinen Lieferanten sollen durchleuchtet werden, um den Vorwurf entweder zu bestätigen oder zu entkräften.
Der erste in der Liste der „Zeugen“ war Ernest Pollak vom Verband der Fleischwarenindustrie. Er stellte aus seiner Sicht dar, wie der Handelskonzern bei den jüngsten Preisverhandlungen agiert hat. Besonders verwunderlich sei die Tatsache, dass innerhalb eines Konzerns bei der SB-Ware Preiserhöhungen gewährt wurden, bei der Thekenware aber nicht.

Erste Aussagen
Zu Beginn dieser Woche hat der oberste Kartellhüter Walter Barfuß bereits die ersten betroffenen Firmen – unter ihnen auch Wiesbauer und Handl Tyrol – zu einem Gespräch geladen, bei dem Licht in die Angelegenheit gebracht werden soll. Eine Stellungnahme vor der Wettbewerbsbehörde ist verpflichtend.
Karl Schmiedbauer, Geschäftsführer bei Wiesbauer und als ein „Sir in der Branche“ bekannt, bestätigt im Gespräch mit LK-Handelszeitung: „Wir mussten bereits einige Mitarbeiter in der Produktion entlassen, um die Kosten abzufangen.“ Bei drei Markenprodukten konnte Wiesbauer Preissteigerungen durchsetzen, drei andere Erzeugnisse (z. B. Extrawurst) wurden jedoch aus Billas Feinkosttheken genommen; ein Umstand, den sich Schmiedbauer nicht erklären kann, da diese Produkte ohnedies zu Grenzkosten produziert wurden; Umsatzvolumen: mehr als 3 Mio. E.
Bei Handl Tyrol waren es zwar „nur“ rund 60 Tonnen Schinkenspeck, dennoch ist man in Tirol enttäuscht über das fehlende Verständnis für notwendige Preisanpassungen; rausgenommen sei das Produkt worden, weil Handl keine Null-Runde hinnehmen wollte.
Auch wenn alle unter dem Regime der Handelskette stöhnen: Den Mund wollte sich bislang keiner verbrennen – nicht einmal vor dem Chef der Wettbewerbsbehörde. Zu groß war die Furcht vor Sanktionen ihres wichtigen Kunden. Barfuß: „Sobald ich in einigen Fällen konkret nachgefragt habe, haben sich die Betroffenen ängstlich zurückgezogen.“ Öffentlich geben sich die Lieferanten auch zum Teil noch heute zugeknöpft: „Kein Kommentar. Wir wollen das Verhältnis zum Handel nicht noch weiter belasten“, sagt Neuburger-Prokurist Franz Rohringer zum Nachrichtenmagazin profil. Ähnlich wird Marmeladenhersteller Klaus Darbo zitiert: „Ich möchte keine Stellungnahmen über Kunden abgeben.“

Suche mit der Lupe
Behördenleiter Barfuß hat drei Mitarbeiter auf den Fall angesetzt: „Alle dürfen sich darauf einstellen, dass wir die Vorgänge genauestens dokumentieren werden“, so Barfuß gegenüber profil. Erste Vorladungen an Betroffene wurden bereits verschickt – auch die ersten Vernehmungen haben schon stattgefunden: Am Montag um 12.30 Uhr sind erste Lieferanten von den Wettbewerbshütern ausführlich befragt worden.
Wenn die Wettbewerbsbehörde zum Schluss kommen sollte, dass die Vorwürfe der Lieferanten berechtigt sind, wird sie ihre Ermittlungsergebnisse an das Kartellgericht weiterleiten. Von dort droht Billa bei einer Verurteilung eine saftige Geldstrafe. Barfuß: „Theoretisch kann diese die Höhe eines Jahresumsatzes ausmachen.“ In Fall von Billa wären das rund 2,5 Milliarden Euro.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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