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Coverstory

15.09.2004

Der Lebensmittelhandel kommt in Zugzwang. Die Bundeswettbewerbsbehörde ermittelt in der Causa „Geschäfts- und Lieferbedingungen“. Und erstmals spricht ein Unternehmer offen über seine Probleme mit Rewe Austria.

Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) nimmt ihre Aufgabe sehr ernst. Wie vom Sprecher der BWB, Dr. Stefan Keznickl, zu erfahren war, wurden die Ermittlungen ausgeweitet. Untersucht werden die „Geschäfts- und Lieferbedingungen im Lebensmittelhandel“ ohne Einschränkung auf bestimmte Handelsorganisationen. „Jetzt wollen wir es genau wissen, wir gehen allen Hinweisen nach“, so Keznickl. Die Lieferanten müssten den Vorladungen Folge leisten und seien verpflichtet, die Wahrheit zu sagen. Gefragt werde nach betriebswirtschaftlichen Parametern ebenso wie nach dem Produktangebot. Insbesondere interessiere die BWB die Rabattforderungen der Handelsorganisationen und die erbrachten Gegenleistungen. Etwa 30 Einvernehmungen gab es bereits und bis Ende September werde man noch mal so viele Lieferanten befragen. Anschließend hätten auch die Betroffenen, also die Handelsunternehmen, Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Dann werde es einen ausführlichen Bericht geben. Ob die Causa dann weiterverfolgt wird, liegt beim Kartellgericht. Dieses hat im Falle einer Verurteilung nach § 142 Geldbußen aufzuerlegen, und zwar „in der Höhe von 10.000 bis 1 Million Euro oder über diesen Betrag hinaus bis zu 10 % der von dem einzelnen an der Zuwiderhandlung beteiligten Unternehmer im letzten Geschäftsjahr erzielten weltweiten Umsatzerlöse, wenn sie ihre marktbeherrschende Stellung missbrauchen“ (Gesetzestext).
Ebenso wie zu den Vorwürfen bezüglich der Verstöße gegen das Arbeits- und Sozialrecht (siehe Stellungnahme auf www.billa.at), sind auch in der Causa „Knebelungsverträge für Lieferanten“ vom Handel erwartungsgemäß nur Dementis zu hören.

Rabatte aller Art
Wie es tatsächlich etwa in der Wr. Neudorfer Billa-Zentrale zugehen soll, will Lutz Irgel, Inhaber der deutschen Collo GmbH, wissen. In einem Brief an die BWB, den er auch LK-Handelszeitung übermittelte, schreibt Irgel: „Collo hat Billa seit der Eröffnung des ersten Merkur-Marktes beliefert. Ich hatte u. a. mit den Herren Schalle und Wimmer verhandelt, inzwischen die beiden Spitzenmanager von Rewe Austria. Wenn man seinerzeit in der alten Billa-Verwaltung die Treppe dem Einkauf zustrebte, ließ ein Plakat des Billa-Gründers wissen: Wenn Sie mich sprechen wollen, müssen Sie mindestens 50% Rabatt bieten! Ich zog es deshalb vor, mit anderen Billa-Akteuren zu verhandeln, die freilich kaum weniger zimperlich waren mit ihren Forderungen. Aus den ursprünglichen ca. 20 Collo-Produkten wurden wir gestutzt auf 2. Aus Anlass des 50-jährigen Billa-Bestehens forderte man einen Bonus, den wir für das Jubiläum auch gewährten. Aber auch längst nach dem Jubiläum besteht die Forderung fort. Sie heißt jetzt Zinsausgleich und addiert sich zu Skonto, Jahresbonus + Sortimentsrabatt (obwohl Sortiment auf nur noch 2 Artikel reduziert), Logistik, Umsatzaktivierungsbonus (obwohl der Umsatz deaktiviert wurde), Europa-Bonus, Werbekostenzuschuss (obwohl keine Werbung für Collo-Produkte seitens Rewe Austria betrieben wird). Forderungen solcher Art mögen unbillig sein, illegitim sind sie nicht. Schließlich hätten wir die Alternative, nein zu sagen – allerdings mit der möglichen, ja sogar wahrscheinlichen Konsequenz, abgestraft und damit ausgelistet zu werden.“ Es dürfte verdammt hart sein, mit Rewe Austria im Geschäft zu bleiben.

Max Pohl

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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