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Coverstory

24.02.2005

Megafusion. Procter & Gamble wird nach der Übernahme von Gillette mit einem Gesamtumsatz von etwa 50,6 Mrd. Euro der weltgrößte Konsumgüterkonzern vor dem Unilever-Konzern mit 36,8 Mrd. Euro.

Der amerikanische Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (Cincinnati), weltbekannt durch die Marken Pampers, Tempo, Meister Proper und Ariel, übernimmt den Rasierer-und-Klingenhersteller Gillette (Boston) im Zuge eines Aktientauschs für etwa 57 Mrd. Dollar (43,8 Mrd. Euro).
Sollten die Aufsichtsbehörden den Zusammenschluss genehmigen, entstünde der weltweit führende Konsumgüterhersteller mit mehr als 50 Mrd. Euro Jahresumsatz und Mitarbeitern in aller Herren Länder. Der bisherige Branchenprimus, die britisch-niederländische Unilever, würde auf Platz 2 verdrängt.
Unter Führung von A.G. Lafley, der im Jahr 2000 zum Chef berufen wurde, drängt P&G aggressiv in das Geschäft mit der Schönheit. 2003 übernahmen die Amerikaner für 3,2 Mrd. Euro den deutschen Haarpflegemittelhersteller Wella AG und in 2001 die französische Clairol SA. Finanziell ist P&G zu solchen Sprüngen in bester Verfassung. P&G hatte in der am 31. Dezember 2004 beendeten ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2004/2005 einen Umsatz von 28,2 Mrd. Dollar (21,64 Mrd. Euro) verbucht, ein Plus von 11 Prozent. Der Halbjahresgewinn war um 13 Prozent auf 4 Mrd. Dollar (3,07 Mrd. Euro) in die Höhe geschossen.
Die überraschende Mammut-Transaktion ist für Procter & Gamble die mit Abstand größte Akquisition der langen Firmengeschichte. Der Gillette-Kauf bringt P&G rund 10 Mrd. Dollar (7,67 Mrd. Euro) mehr Umsatz und weltbekannte Marken wie Gillette-Rasierklingen und -Rasierer, Oral-B-Zahnbürsten und -Zahnpflegeprodukte, Braun-Elektrogeräte und Duracell-Batterien.
Gillette beschäftigt 29.400 Mitarbeiter, P&G hat 110.000 Mitarbeiter. Die Gesamtmitarbeiterzahl soll nach der von den Verwaltungsräten beider Firmen bereits abgesegneten Fusion um 6.000 oder vier Prozent reduziert werden.

Der Zusammenschluss lässt den größten Konsumgüterkonzern der Welt entstehen“, erklärte der amerikanische Multimilliardär Warren Buffett. Er ist mit 96 Millionen Gillette-Aktien und einem 10-prozentigen Gillette-Anteil größter Anteilseigner. Der zweitreichste Mann der Welt bezeichnete die Transaktion als „Traumgeschäft“.

Die Aktien beider US-Unternehmen haben dank ihrer guten Geschäftsentwicklung zuletzt stark zugelegt. Sie passen nach Darstellung von P&G-Boss A.G. Lafley „hervorragend zusammen“. Er wird in seinem Amt bleiben. Gillette-Chef James M. Kilts kommt in den P&G-Verwaltungsrat und wird dort stellvertretender Vorsitzender. Kilts strich das starke Wachstumspotenzial des zusammengeschlossenen Unternehmens heraus.
P&G hat angesichts des geplanten Gillette-Kaufs sein Wachstumsziel von 4 bis 6 Prozent auf 5 bis 7 Prozent pro Jahr erhöht. Die Gesellschaft sieht auch höhere Gewinnchancen. Die Transaktion muss von den Aktionären beider Gesellschaften und von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden, sie soll im Herbst über die Bühne gehen. Größere kartellrechtliche Probleme werden nicht erwartet.

Mit der hochprofitablen Gillette stößt Lafley in zwei völlig neue Geschäftsbereiche vor: Rasierer und Rasierklingen sowie Batterien. Dies sind klar auf Männer ausgerichtete Märkte. Bisher war P&G mit seinen Waschmitteln, Kosmetika, Lebensmitteln und Haarpflegeprodukten sehr stark auf Frauenkunden ausgerichtet. Die Produktpaletten beider Unternehmen ergänzen sich ausgezeichnet. Die Gillette-Produkte dürften von der außerordentlich starken globalen P&G-Marketingposition bei allen Einzelhändlern profitieren. Lafley hat in den zurückliegenden Jahren bereits den Haarpflegeanbieter Clairol und den deutschen Kosmetikkonzern Wella gekauft. Diese deutlich kleineren Transaktionen stärkten die P&G- Position im wichtigen Haarpflegemarkt.
Gillette hatte im vergangenen Jahr nach Wall-Street-Schätzungen 10 Mrd. Dollar (7,67 Mrd. Euro) umgesetzt und 2,3 Mrd. Dollar (1,76 Mrd. Euro) verdient. P&G hatte in der am 31. Dezember beendeten ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2004/2005 einen Umsatz von 28,2 Mrd. Dollar (21,64 Mrd. Euro) verbucht, plus 11 Prozent. Der Halbjahresgewinn war um 13 Prozent auf 4 Mrd. Dollar (3,07 Mrd. Euro) in die Höhe geschossen, teilte P&G parallel zur Gillette-Kaufankündigung mit.

Machtposition gegenüber dem Handel
P&G gewinnt dank seines noch umfangreicheren Produktangebots auch gegenüber Einzelhandelsriesen wie Wal-Mart mehr Einfluss. Diese üben einen immer größeren Preisdruck auf die Konsumgüteranbieter aus. P&G wird zukünftig über insgesamt 21 wichtige Marken mit jeweils mehr als einer Milliarde Dollar Umsatz verfügen. Wal-Mart bringt nach Branchenschätzungen allein 17 Prozent des P&G- und 13 Prozent des Gillette-Umsatzes.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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