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Coverstory

29.03.2006

Edeka-Center zu verkaufen. Auftakt zur Sanierung des eigenen Filialnetzes in Österreich ist die Veräußerung der ehemaligen Magnet-Märkte.

Man nennt es in der obersten Managementebene „Besinnung auf das Kerngeschäft“ – kurz und gut: Die Adeg in Österreich befindet sich mitten in einem weiteren großen Sanierungsschritt, bei dem neben anderen Maßnahmen auch 21 E-Center (ehemalige Magnet-Märkte, gehören heute der Edeka Austria HandelsgesmbH, eine 100%-Tochter der Edeka Südbayern) so rasch wie möglich verkauft werden sollen.Die tief in den roten Zahlen steckende Adeg Österreich hat im jahr 2005 760 Mio. Euro umgesetzt und stagnierte damit auf dem Niveau von 2004. „Der Verlust wird das Ergebnis von 2004 von minus 2,2 Mio. Euro jedoch um ein mehrfaches übersteigen“, erklärt Dkfm. Andreas Poschner, Vorstand der Adeg Österreich Handels AG und der Edeka Chiemgau eG. Von den 23 E-Centern, die zuletzt etwa einen Umsatz von 121 Mio. Euro einbrachten und somit etwa 5% Verlust erlitten, sollen 21 verkauft werden. Spittal und Villach werden vorher ausgegliedert und stehen nicht zum Verkauf. „Wir hatten aufgrund der Ankündigung des Verkaufs etliche Anfragen, nun stellen wir die Unterlagen zusammen und treten dann in die Verkaufsgespräche“, so der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Adeg Österreich, Dkfm. Hans Georg Maier. Edeka bleibt in ÖsterreichDer Verkauf der E-Center bedeutet jedoch nicht, dass sich die Edeka aus Österreich zurückzieht, sondern genau das Gegenteil: Die gut funktionierenden Bereiche sollen gestärkt werden. Dabei wird mit Hilfe der Unternehmensberatung Czipin produktiv an unterschiedlichen „Erfolgsschrauben“ angesetzt:Die Regiebetriebe sollen hoch an der Zahl an selbstständige Kaufleute abgegeben werden. Von den derzeit 120 eigenen Filialen sollen bis 2008 70 Filialen an Selbstständige übergeben werden. In einem ersten Schritt sollen noch heuer 35 Filialen privatisiert werden. Derzeit werden 663 selbstständige Kaufleute betreut. Sie liefern trotz schwieriger Marktverhältnisse Umsatzzuwächse. Im Rahmen der Sanierung soll das Netz der Selbstständigen ausgebaut und jenes der Filialen redimensioniert werden. Die eigenen Filialen werden weiterbestehen, aber eine untergeordnete Rolle einnehmen. Für die Sanierung nimmt die Lebensmittelkette heuer noch 20 Mio. Euro in die Hand. Darin enthalten sind 10 neue Standorte, 60 Standort Up-Gradings, der Ausbau des Vertriebsnetzes selbstständiger Adeg-Kaufleute, eine Optimierung der Logistik und daher eine erhebliche Fehlerquotenreduktion. Die Adeg hat schon im Juli 2005 auf Czipin produktiv zugegriffen.

Um das Ziel – nämlich mehr als 70 Filialen an selbstständige Kaufleute bis Ende 2008 zu übergeben – zu erreichen, müssen die Filialen vorher auf einen sehr guten Stand gebracht werden. Sie sollten für den neuen Eigentümer eine gute, betriebswirtschaftliche Basis für den Sprung in die Selbstständigkeit bieten.Im vergangenen Jahr war der Umsatz in diesem Gebiet rückläufig. Daher ist der erste Ansatz des Produktivitätskonzepts die Verbesserung des Filialauftritts. Ziel ist ein Umsatzplus von 3% heuer und 5% im kommenden Jahr. „Der Projektplan sieht die Umsetzung in zwei Roll-Out-Phasen in je 60 Filialen vor“, so Alois Czipin. Die erste Phase wurde im Jänner abgeschlossen. Im Februar zeigten sich bereits erste positive Auswirkungen in der Umsatzentwicklung. Darüber hinaus konnten die Abschriften um 20% reduziert werden, die Produktivität stieg um 25%.Die zweite Roll-Out-Phase wird bis April dauern. Die Audits sind für das restliche Jahr angesetzt, um rechtzeitige Nachbesserungen zu ermöglichen. Optimale MarktgrößeDie optimale Marktgröße für die Umsetzung des regional geprägten Produktmix liegt bei 300 bis 1.000 m2 Verkaufsfläche. Eine Expansion in die größeren Verkaufsflächen ist vorerst nicht Teil des Adeg-Konzeptes, und deshalb werden die E-Center – wie bereits erwähnt – abgestoßen.Eine wesentliche Verbesserung auf der Kostenseite wird die Implementierung des neuen Logistik-Systems WAMAS 4.1 bringen, das am 6. März gestartet ist. Damit wurde die Lagerverwaltung an den fünf Standorten vereinheitlicht. Die Kosten des Lagerverwaltungssystems betrugen 3 Mio. Euro. Die Umstellung des gesamten Logistik-Systems auf „Pick by Voice-system“ wird zu Kostenreduktionen führen, die an die selbstständigen Kaufleute in Form von reduzierten Weitergabepreisen weitergegeben werden. Im Wesentlichen wird der Turn Around bereits Ende des Jahres mit der Umstellung aller Läger auf „Pick by Voice“ und der Sanierung der Filialschiene abgeschlossen sein. Die Vertriebsfläche der selbstständigen Kaufleute wird in den nächsten Jahren sukzessive ansteigen. In der eigenen Filialschiene wird hingegen die Anzahl und Fläche durch Abgabe von Standorten an Einzelhändler abnehmen.Die Konzernsparte C&C-Abholgroßmärkte wird bei gleicher Verkaufsstellenanzahl qualitativ verbessert und die Vertriebsfläche ausgeweitet. StandortveredelungDass dieses Konzept aufgehen kann, zeigt der Weg in Deutschland. Auch hier hat man Filialen an Kaufleute abgegeben. Ein Beispiel für einen äußerst erfolgreichen deutschen Edeka-Kaufmann ist der Markt von Leo Schwaiberger, Aufsichtsratsmitglied der Edeka Handelsgesellschaft Südbayern mbH. in Passau. Er erhielt heuer den deutschen Fruchtpreis, der auf der FruitLogistica in Berlin vergeben wird, für seine Präsentation der Obst- und Gemüseabteilung.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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