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Coverstory

04.05.2006

Noch lange nicht am Ende der Fahnenstange

2,6 Prozent Rendite sind Martin Lenz, Vorstands-sprecher der Rewe Group Austria, nicht genug. Mit 8,23 Milliarden Euro Umsatz bilanziert er das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte.

In den 90er-Jahren, als nach der Konsum-Pleite der große Ausverkauf des heimischen Lebensmittelhandels nach Deutschland begann, hieß es, der Handel mit den Gütern des täglichen Bedarfs sei in Österreich nicht rentabel genug. Von einem mageren Prozent Umsatzrendite war damals die Rede – nicht genug für Karl Wlaschek oder Julius Meinl V. Doch schon damals verwies etwa Spar-Chef Dr. Gerhard Drexel auf die atemberaubenden Gewinnspannen der internationalen Markenartikelindustrie und bezichtigte sie der Wehleidigkeit, als die Industriebosse angesichts der Aktionspolitik im Handel zu stöhnen begannen. 50 Prozent Rabatt sind heute im Lebensmittelhandel im Allgemeinen und bei Billa im Speziellen eine Selbstverständlichkeit – und doch bleibt unterm Strich offenbar mehr übrig denn je.Der Bruttoumsatz der Rewe Group Austria ist im abgelaufenen Geschäftsjahr in Österreich, Zentral- und Osteuropa sowie in Italien um 5,3% auf 8,23 Milliarden Euro gestiegen. Die Umsatzrendite lag bei 2,6%. Mit diesem Ergebnis sei man zwar „zufrieden“, betonte Vorstandssprecher Mag. Martin Lenz, die „ideale Umsatzrendite“ sehe er allerdings bei 3%. „2005 war ein gutes Jahr für die Rewe Group Austria, ein Jahr der Veränderungen“, sagte Lenz bei der ersten Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Österreich. „Wir haben die Handelslandschaft stark geprägt und wollen das auch weiter tun.“60% des Umsatzes (5,05 Mrd. Euro) wurden in Österreich erwirtschaftet, was gegenüber 2004 einem Plus von 1,2% entspricht. Besonders stolz zeigte sich Lenz, dass der heimische Umsatz im Lebensmittelhandel in Höhe von 4,43 Mrd. Euro im Jahresvergleich um 1,1% gestiegen ist – bei einem rückläufigen Markt (–0,6%). Der Marktanteil im österreichischen Lebensmittelhandel wurde damit laut ACNielsen 2005 auf 37,4% ausgebaut. Bis Ende Februar ist dieser weiter auf 38,8% gestiegen. Nach GfK, also inklusive der Diskonter Hofer und Lidl, hält die Rewe Group Austria allerdings nur 31,5% Marktanteil (nach 32,2% in 2004).Auf den Drogeriefachhandel entfiel 2005 ein Umsatz von 540 Mio. Euro. Damit ist auch in dieser Sparte die Marktführerschaft ausgebaut worden. Der Marktanteil von Bipa lag per Ende 2005 bei 39,3%.Der Tourismus-Bereich erwirtschaftete 80 Mio. Euro Umsatz und damit weniger als erwartet, so Lenz. Man wolle aber weiterhin an diesem Bereich festhalten.Die Expansion wurde 2005 im In- und Ausland fortgesetzt. So ist die Zahl der Filialen in Österreich um 44 (davon 12 Drogerien) auf 1.907 geklettert, insgesamt wurden im Vorjahr 116 neue Supermärkte eröffnet. In Summe zählte Rewe Austria per Ende des Vorjahres 2.529 Standorte, 356 in Italien und 266 in Osteuropa. Die Zahl der Mitarbeiter ist um 1.400 auf 52.296 gestiegen. In Österreich sind 31.700 Mitarbeiter beschäftigt, um 781 mehr als 2004.Die Rewe Group Austria ist 2005 vor allem im Ausland gewachsen. Vom Auslands-Umsatz über 3,18 Mrd. Euro wurden 1,89 Mrd. Euro in Italien und 1,29 Mrd. Euro bei Eurobilla, dem Handelsunternehmen, das die Aktivitäten mit Billa in Zentral- und Osteuropa bündelt, gemacht.

Die Rewe Group Austria ist 2005 vor allem im Ausland gewachsen. Vom Auslands-Umsatz über 3,18 Mrd. Euro wurden 1,89 Mrd. Euro in Italien und 1,29 Mrd. Euro bei Eurobilla, dem Handelsunternehmen, das die Aktivitäten mit Billa in Zentral- und Osteuropa bündelt, gemacht. Nachdem Rumänien und Kroatien im Vorjahr die Wachstumssieger im Osten waren, sieht man künftig vor allem in Russland noch großes Potenzial. „International Gas geben“ wolle die Rewe Group Austria auch bei Drogerien.In den sieben osteuropäischen Ländern, in denen Billa mit insgesamt 266 Märkten vertreten ist, hat der Umsatz im Jahresvergleich um ein Drittel zugelegt. In allen Ländern außer Russland, wo der Markteintritt am spätesten erfolgte, rangiert die Rewe Group Austria mit Billa unter den Top 3. Wie auf Seite 5 dieser Ausgabe nachzulesen ist, hat die Rewe in Russland durch die Akquisition von 15 Supermärkten im Großraum Moskau die Zahl der Filialen verdoppelt. Bis 2008 ist die Ausweitung auf 80 bis 100 Märkte geplant.In Italien sei Billa zwar nicht Marktführer, aber die einzige Kette, die landesweit präsent ist, sagte der für Italien zuständige Vorstand Frank Hensel. Nach einer Testphase im Vorjahr wurde Ende März 2006 der erste Bipa in Italien eröffnet, weitere sollen folgen. Der Auslandsanteil von derzeit 40 Prozent soll weiter steigen.Neue Kundenbindungs-programmeUm im stagnierenden Lebensmittelmarkt weiter reüssieren zu können, setzt man auch bei der Rewe Group Austria zunehmend auf Bereiche außerhalb der klassischen Versorgung mit Nahrungsmitteln. Neben Neuerungen bei Kundenbindungsprogrammen werde in den Bipa-Drogerien künftig etwa auch Schminkberatung angeboten. „Wir wollen in den Märkten ein höheres Einkauferlebnis bieten und uns damit von den Diskontern absetzen“, gab Lenz den Weg vor.Kooperationen mit der ARGE Rind und mit der Agrarmarkt Austria (Bericht auf Seite 8 dieser Ausgabe) weisen in die Zukunft der Rewe Group Austria. Apropos Zukunft: An Investitionen seien heuer 420 Mio. Euro geplant, nach 365 Mio. Euro 2005. Bei Billa habe man heuer das größte Investitionsbudget in der Geschichte des Unternehmens, zeigte sich Wolfgang Wimmer, der dem Vorstand der Rewe Group Austria noch bis Jahresende beratend zur Seite steht, stolz. Im Sommer werde der 1.000 Billa – ein Big Billa – in Pernitz (NÖ) im Wienerwald eröffnet.

Rewe Group Austria 2005
Umsatz: 8,23 Mrd. Euro (+5,3%)Österreich: 5,05 Mrd. E (+1,2%)Italien: 1,89 Mrd. E (+3,1%)Eurobilla (Zentral- und Osteuropa): 1,29 Mrd. E (+30,7%)Mitarbeiter: 52.296 (+1.440)Filialanzahl: 2.529 (+116)Österreich: 1.907 (+44)Italien: 356 (+11)Eurobilla: 266 (+61)Österreich:LEH-Umsatz: 4,43 Mrd. E (+1,1%)DFH-Umsatz: 0,54 Mrd. E (+1,8%)Tourist.-Ums.: 0,08 Mrd. E (+5,6%)Mitarbeiter: 31.700 (+781)Filialen/Verkaufsfläche:LEH: 1.382 / 808.125 m2DFH: 525 / 130.097 m2

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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