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Daniel Böhny, Leiter der Division Bell International und Mitglied der Gruppenleitung der Bell Food Group

Daniel Böhny (Bell Food Group): "Wir setzen auf Region, Convenience und CSR"

08.08.2017

Daniel Böhny, Leiter der Division Bell International und Mitglied der Gruppenleitung der Bell Food Group, sprach mit der Handelszeitung über das AMA-Gütesiegel, Tierschutz-Standards in der D-A-CH-Region und die Zusammenarbeit mit den heimischen  Handelsketten.

Hubers Landhendl, mit Sitz in Pfaffstätt im Innviertel (Oberösterreich), wurde 1973 von Maria und Johann Huber 1973 als Geflügelhof Huber gegründet. 2016 übernahm die Schweizer Coop-Tochter Bell Food Group AG den größten heimischen Geflügelfleisch-Produzenten. 

HZ: Am 29. Juni fand in Wien eine Presse­konferenz der AMA zum Start der Kampagne „Hendl und Pute aus Österreich sind federführend“ statt. Am Podium waren Vertreter der Landwirtschaft, der Geflügelverarbeitung und des Lebensmittelhandels. Welche Position nimmt Bell/Hubers Landhendl in der Frage des AMA-Gütesiegels und der Tierwohl-Auflagen bei der Hendl- und Putenmast ein? Worin unterscheiden sich aus Bell-Sicht die diesbezüglichen Standards in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland?

Böhny: Das AMA-Gütesiegel haben wir nur beim Hähnchen und nicht bei der Pute. Pute wird in Deutschland verarbeitet. Hubers hatte schon immer hohe Anforderungen betreffend Tierwohl und der Einhaltung der Tierschutzauflagen. Bell hat schon vor der Übernahme mit Hubers zusammengearbeitet, namentlich bei der Produktion von Geflügel nach Schweizer BTS-Standard (Besonders Tierfreundliche Stallhaltungssysteme). Bei den Hähnchen haben in Österreich bereits diverse Produzenten auf BTS umgestellt, bei den Puten ist die Umstellung derzeit im Gang. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Ausbau des Bio-Anteils bei Hähnchen und Puten. Bei unserer Hähnchenproduktion in Österreich liegt der Bio-Anteil derzeit bei 10 Prozent. In der EU gelten unterschiedliche Tierschutzbestimmungen. Die Schweiz verfügt über die strengsten Anforderungen, gefolgt von Österreich und dann Deutschland. Wir treiben aber auch in Deutschland das Thema Tierwohl aktiv voran. Unser Ziel ist, dass wir in allen Ländern, in denen wir Hähnchen oder Puten verarbeiten, das gesetzliche Minimum überschreiten. Deshalb setzen wir in Zukunft vermehrt auf BTS und Bio.

Unterstützt  Bell die Tierwohl-Auflagen  in den AMA-Gütersiegelprogrammen  für Schweinefleisch, Rindfleisch und Geflügel?

Böhny: Im Geflügelbereich unterstützen wir die Tierwohl-Auflagen im AMA-Gütesiegelprogramm. Andere Fleischsorten verarbeiten wir in Österreich nicht.

Wie beeinflusst das Engagement des European Players Bell die Außenhandelsbilanz Österreichs bei Schweine-, Rind- und Geflügelfleisch sowie bei Convenience-Produkten und Fertig­salaten? Welche Chancen sehen Sie für den Ausbau der Exporte von Bell-Produkten aus Österreich in die Schweiz, nach Deutschland?

Böhny: Auch hier können wir nur für den Geflügelbereich Auskunft geben. In ­diesem Bereich gibt es keine wesentlichen Änderungen, weil die Bell Food Group bereits vor der Akquisition Geflügel von Huber importiert hat und sich die Mengen seither nicht groß verändert haben.

Ist Ihre „Schwesterfirma“ Transgourmet Ihr bevorzugter Kunde, oder streben Sie in Österreich eine verstärkte Zusammenarbeit mit  Rewe, Tann (Spar), Metro, Aldi und Lidl sowie mit dem Fachhandel (Metzgereien) an?

Böhny: Transgourmet ist ein Kunde wie andere auch. Unser Fokus wird in Österreich weiterhin auf den bisherigen, regionalen Kunden liegen.

Welche Position nehmen Sie in der Frage „Herstellermarke oder Handelsmarke“ ein?

Böhny: Wir wollen unseren Kunden für beide Bedürfnisse die beste Lösung bieten. Wichtig ist uns aber, dass Q-Gütesiegel wie beispielsweise AMA auf dem Produkt erwähnt sind.

Welche Verbrauchertrends sehen Sie in den Kategorien Frischfleisch, Wurstwaren & Schinken, Fleisch-Convenience, Fertiggerichte, Fertigsalate? Wie stehen Sie zu veganen Fleischersatzprodukten?

Böhny: Es gibt eine sehr große Zahl an Verbrauchertrends in den erwähnten Kategorien. Wir versuchen uns mit unseren Sortimenten auf die wichtigsten zu konzentrieren. Im Vordergrund stehen für uns Regionalität, Convenience und Nachhaltigkeit. Mit unseren vegetarischen oder veganen Sortimenten von Hilcona und Eisberg bieten wir auch eine Vielzahl an Produkten für die fleischlose Ernährung an.

Können Sie uns verraten, ob und wann Sie weitere Expansionsschritte (Akquisitionen, Neuerrichtung von Betrieben) in Österreich planen?

Böhny: Österreich ist für uns ein interessanter Markt. Mit dem Produktionsbetrieb von Hubers Landhendl in Pfaffstätt sowie der geplanten neuen Produktionsanlage für Convenience-Produkte in Marchtrenk sind wir gut aufgestellt. Ob und wann in Zukunft weitere Expansionsschritte folgen, können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Das Interview führte Hanspeter Madlberger.

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