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Darf’s noch ein bisserl mehr sein?

18.04.2007

In Wien sind neue Einkaufs- und Fachmarktzentrenprojekte bzw. Erweiterungen bestehender Zentren mit einer Gesamtfläche von über 300.000m2 gewidmet oder bereits in Bau. Die neuen Shopping-Tempel sind nicht nur eine ernsthafte Gefahr für die Einkaufsstraßen, sondern treten immer mehr miteinander in Konkurrenz.

Wie sehr sich die Lage zuspitzt, zeigt sich am Beispiel rund um die geplante Bahnhofcity am Wiener Westbahnhof. Dort sollen bis 2010 auf rund 46.000m2 neue Verkaufsflächen, sowie Flächen für Büronutzungen und ein Hotel entstehen. Reisen, Shopping, Entertainment und Arbeiten – all diese Funktionen soll der Bahnhof in Zukunft abdecken. „Mit diesen Zielsetzungen treten wir natürlich in Konkurrenz zur Lugner City“, gibt ÖBB-Pressesprecherin Mag. Sandra Doblmayr unumwunden zu. Nur einen Häuserblock entfernt hat Baumeister Lugner sein 26.000 m2 großes EKZ erst im Vorjahr um ein Kinocenter mit 10.000 m2 erweitert. Und im selben Bezirk sind auf dem Gelände der Ottakringer Brauerei noch einmal über 10.000 m2 für ein EKZ-Projekt gewidmet. Entlang des Westbahnhofs verläuft die Maria­hilferstraße, wovon allein der innere Abschnitt über rund 140.000m2 Verkaufsfläche verfügt. Dr. Fritz Aichinger, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien, spricht aus, was viele denken: „Wir haben den Kulminationspunkt erreicht, man kann bereits von einer Überversorgung sprechen. Zudem ist ein unerträglicher Filialisierungsgrad erreicht, die Handelslandschaft wird immer uniformer.“ Aichinger vermutet, dass die ÖBB aber bereits Schwierigkeiten haben, für die Bahnhofcity geeignete Mieter zu finden und nur deshalb die ECE Europa Bau- und Projektgesellschaft ins Boot geholt haben. „Welche Mieter die Kundenmagneten werden sollen, ist Teil der Strukturplanung, daher ist noch keine Aussage dazu möglich“, entgegnet Doblmayr. Lugner gibt sich indessen gelassen: „Die Lugner City hat sich neben der Mariahilferstraße etabliert, wir zählen 5,2 Millionen Besucher pro Jahr und haben keine Angst vor der Bahnhofcity. Nur wenn dort längere Öffnungszeiten gewährt werden, werden wir uns zur Wehr setzen.“ Da scheint der Konflikt vorprogrammiert: „Natürlich würden wir uns flexiblere Öffnungszeiten wünschen“, so Doblmayr. Denn Kernaufgabe des ÖBB-Konzerns sei der reibungslose Betrieb an 365 Tagen im Jahr. „Ebenso Aufgabe ist es, den Reisenden jene Services zu bieten, die sie sich von einem modernen Dienstleister – parallel zu dessen Mobilitätsleistung – erwarten können“, erläutert die ÖBB-Pressesprecherin. DI Wolfgang Richter, Geschäftsführer von RegioPlan, relativiert dieses Ansinnen: „Ein EKZ-Projekt dieser Größenordnung wird nicht von den Bahnreisenden allein leben können. Auch angeschlossene Büro- und Hotelkomplexe bringen aus unserer Erfahrung nur wenig Einkaufspotenzial. Das Einzugsgebiet wird sich daher über mehrere Bezirke erstrecken müssen.“ Wichtig sei für ein EKZ zudem eine unverwechselbare Positionierung und nicht immer mehr vom Gleichen anzubieten. Ein Problem, das auch die Ottakringer Brauerei erkannt hat. Auf dem Firmengelände unweit der Lugner City und der geplanten Bahnhofcity sind weitere 10.000 m2 EKZ-Verkaufsfläche gewidmet, das Projekt ist aber auf Eis gelegt. Ottakringer-Pressesprecher Dr. Thomas Sautner: „Die uns vorliegenden Pläne entsprechen nicht unseren Vorstellungen. Wir wollen kein klassisches EKZ, davon gibt es in unserem Umfeld bald genug, sondern eine Mischung aus Erlebnis, Kommunikation, Gastronomie und Kleingewerbe. So etwas wie eine Brauwelt wäre ideal.“ Max Pohl

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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