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Das Ende der Regionalität naht

02.07.2008

Mit einer Novelle des Baugesetzes gefährden die steirischen Landesgesetzgeber ein Weiterleben der Schweinezüchter aus der Region.

Vor zwei Wochen wurde in der Steiermark die Novelle des Baugesetzes, die sowohl in Österreich als auch in Europa einzigartige Auflagen für Schweine-, Geflügel- und Rinderzüchter enthält, mit den Stimmen von SPÖ, Grünen und KPÖ beschlossen. Der geschlossene Protest von Landwirtschaft, Schlachthöfen, Verarbeitungsbetrieben, Vermarktern und LEH, der auf die weitreichenden negativen Auswirkungen dieses Gesetzes hinwies, stieß auf taube Ohren.

Hintergrund des lautstarken Aufschreis, der auch zu Protesten vor der Grazer Burg führte: Jeder Bauer der mehr als 80 Schweine im Stall stehen hat, wird dazu verpflichtet, Geruchsfilter in die Abluftanlagen einzubauen um die Geruchsbelästigung für Anrainer zu minimieren. Der geschätzte Kostenaufwand liegt laut Landwirtschaftsvertretern – abhängig von der Stallgröße – bei 400.000 Euro aufwärts. Eine Summe, die die finanziellen Möglichkeiten der von steigenden Futtermittel- und Energiepreisen und niedrigen Basispreis ohnehin arg gebeutelten Züchter deutlich übersteigt.
Keulenschlag
„Dieses Gesetz ist ein Keulenschlag für die steirische Landwirtschaft. Mit den darin vorgeschriebenen Auflagen zerstört man die bäuerliche Produktion und bringt die Produzenten und Veredler im Land um“, formulierte Landwirtschaftskammer-Obmann Josef Kowald im Rahmen einer Pressekonferenz, die letzte Woche in der Grazer Spar-Zentrale abgehalten wurde, mehr als deutlich: „Ich habe zwar Verständnis für das zugrunde liegende Problem, die Lösung kann aber nicht alleine auf Kosten der Landwirte gehen.“ Gerade in Zeiten, wo die Regionalität als großes Thema das Konsumverhalten bestimme, wäre es widersinnig, so Kowald weiter, mit solchen Gesetzen kleine Produktionseinheiten den Garaus zu machen und Großbetrieben auf der Grünen Wiese oder der Abhängigkeit von Importen aus dänischen oder holländischen Mega-Mästereien, die tausende Tiere wöchentlich verarbeiten, Tür und Tor zu öffnen. DI Heinz Schlögl, Geschäftsführer der Styriabrid, der rund 2.000 Landwirte vertritt, führt ein weiteres Argument ins Treffen: „Es ist ein Trugschluss der Politik zu glauben, dass man mit solchen Maßnahmen den hohen Stand der Eigenversorgung mit hochwertigem Schweinefleisch (Anm. d. Red.: Fast 100 % des verkauften Schweinefleischs stammt aus Österreich, rund 50 % stammen aus AMA-Gütesiegel-Produktion) aufrecht erhalten kann.
Siegfried Weinkogel, Leiter des Bereichs Frischfleisch bei der TANN-Graz legt aus Sicht des LEH ein Schäuferl nach: „Die meisten Schweine werden in Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark produziert und wenn jetzt unser Bundesland mit solchen Auflagen belastet wird, führt das zu einer enormen Wettbewerbsverzerrung, die in einem kleinen Land wie Österreich, das zu recht Stolz auf die hohe Qualität, die in bäuerlichen Strukturen erzeugt wird, seinesgleichen sucht.“

Josef Kowald, der als Vertreter der Landwirtschaft die Verhandlungen im Ausschuss des steirischen Landtags führte: „Der Grundstock des Vertrauens bei den Konsumenten ist die Herkunft. Dazu zählen auch artgerechte Haltung und kurze Transportwege. Wir haben versucht auf höchster Ebene unsere Argumente vorzubringen, man hat uns aber von höchster Ebene, sprich der Landesregierung her abblitzen lassen.“ Betroffenheit herrscht auch bei der Landesinnung der steirischen Fleischer. Innungsmeister Karl Turza: „Diese Situation ist einzigartig und sie betrifft alle, die in der Steiermark mit Fleisch zu tun haben. Wenn die Bauern nicht mehr produzieren, sind die kleineren Schlachthöfe direkt betroffen. Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, wie wir die Versorgung mit regional gezüchteten Schweinen und allen Produkten, die daran hängen, aufrechterhalten können.“ Pikantes Detail: Die Ergebnisse der Arbeitskreise, die seit knapp zwei Jahren an der Novelle arbeiten und wo relativ praktikable Lösungen erarbeitet wurden, finden sich nicht im aktuellen Gesetzestext.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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