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Der kaufmännische Mittelstand braucht dringend eine Blutauffrischung...

14.06.2016

und für diese sorgt  das Franchising. Wie erfolgreich im Idealfall das Zusammenspiel von Markenpower und Startup-Begeisterung funktioniert, zeigte die Franchise Convention, die der Österreichische Franchise-Verband (ÖFV)  vergangene Woche in Wien  anlässlich seines 30 Jahre-Jubiläums veranstaltete.

Andreas Haider, Geschäftsführer der Unimärkte (85 Filialen, 40 Franchisepartner), und Präsident des ÖFV erläuterte im Vorfeld der Tagung den Beitrag der vertraglich genau geregelten Vertriebsallianz, genannt Franchising,  zur Regenerierung und Dynamisierung zahlreicher Branchen, insbesondere des Einzelhandels und der Gastronomie. Im Jahr 2015, merkt Haider an, haben fast 30.000 Menschen in Österreich ihr eigenes Unternehmen gegründet. Aber dieser Weg in die Selbstständigkeit ist für einen Großteil der Startups  mit einem hohen Risiko des Scheiterns  verbunden. Über die Flopraten bei den Neueinsteigern wird auch in den Medien gerne der Mantel gnädigen Schweigens gebreitet.

Die Franchising Partnerschaft hat für dieses Dilemma eine patente Lösung anzubieten. Sie verheißt dem Jungunternehmer, sofern die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind, substantielle Erfolgschancen und reduziert zugleich das Risiko des Misserfolges. Franchising funktioniert nach dieser Formel: Branchen- und Marketing-Profi meets energiegeladenes, arbeitsfreudiges Management- Naturtalent. Markterprobte Geschäftsmodelle werden durch Franchising multipliziert und wenn sich die beiden zueinander passenden Partner finden, profitieren beide  Seiten gleichermaßen. Der Franchisegeber kann mit geringem Kapitaleinsatz viel rascher als ein klassisches Filialunternehmen expandieren. Der Franchisenehmer kann sich als Quereinsteiger, gestützt auf eine bekannte  und beliebte Marke rasch einen Kundenstamm aufbauen. Sein Betrieb wird vom Start weg als bedeutender Player im Markt eingestuft, das sorgt für einigermaßen stabile und  damit planbare Umsätze. Die Franchisegebühr als Gegenleistung für den Image- und  Knowhow-Transfer, ergänzt durch ein Schulungs- und Servicepaket wird damit zur Kaskoversicherungs-Prämie gegen  den Unternehmenscrash.

Zahlen, die das Institut Dr. Peter Hajek im Auftrag des ÖFV erhob, belegen  den anhaltenden Erfolg des Franchisemodells in Österreich. 2013  gab es hierzulande 445 Franchise-Systeme mit 7.150 Franchisenehmern  die an 8.720 Standorten mit 66.000 Beschäftigten einen Umsatz von 8,5 Mrd. € schafften. Und: Die jährliche Umsatzwachstumsrate der Systeme  liegt bei 8%. Kommenden Herbst werden aktuelle Daten vorgelegt.

Rund die Hälfte der Franchise-Systeme sind österreichischen Ursprungs (Palmers, Unimarkt, OMV Viva, Coffeeshop, Anker, Sonnentor, Futterhaus, Testa Rossa) die andere Hälfte trägt  große, internationale Namen amerikanischer (McDonalds, Subway, Starbucks) oder deutscher (Obi, Fressnapf, Backwerk, Nordsee, Vapiano) Provenienz.

Schattenseiten des Franchise-Modells

Franchisesysteme sind keine Selbstläufer. Franchise-Geben  ist oft seliger  als Franchise-Nehmen. In der Beziehungskiste der beiden Komplementär-Partner (jeder bringt ein, was der andere nicht hat) lauern so manche Fallstricke. Die Startinvestitionen, die der  Franchisenehmer  zu entrichten hat, sind bisweilen durchaus heavy. So muss ein McDonald´s Franchisenehmer in Deutschland, der ein Lokal erwerben will, im Schnitt rund zwei Millionen € als Kaufpreis entrichten und davon ein Viertel, also 500.000€ mit Eigenkapital finanzieren. Dieser hohe Finanzierungsaufwand hat zur Folge, dass unter den Franchisenehmern die  Zahl der Großunternehmen, die mehrere Standorte betreiben, steigt.  So zählt McDonald´s Deutschland 238 Franchise-Nehmer, von denen jeder im Schnitt 5 Restaurants hat.   

Heimische Franchise-Geber  stellen da viel bescheidenere Ansprüche, als (unterer) Richtwert für KMUs gilt eine Investitionssumme von 50.000 €, die der Franchise-Nehmer  aufbringen muss. Die Franchisegebühr macht zwischen fünf und acht Prozent des Umsatzes aus, dazu kommt bei manchen Systemen ein Werbebeitrag. Zoff kann es geben, wenn der Franchisenehmer verpflichtet ist, (fast) den gesamten  Waren- und Materialeinkauf beim Franchisegeber  zu tätigen und dafür überhöhte Preise zahlen muss. Auch das Thema Gebietsschutz  eignet sich vortrefflich als Zankapfel zwischen den Vertragspartnern. Und gar nicht so selten kommt es vor, dass lokale Konsumkultur und globale Trendsetter-Formate so gar nicht zusammenpassen. Wie zuletzt in der Wiener Kärntner Straße, wo der Starbucks-Franchisenehmer das Handtuch warf, weil an diesem prominenten Standort vis a  vis vom Sacher das Verhältnis von Umsatz und  Mietkosten sich als die reinste Katastrophe entpuppte..

Autor/in:
Dkfm. Dr. Hanspeter Madlberger

Hanspeter Madlberger war unter anderem bei Henkel Austria und der Handelskette A&O beschäftigt, arbeitete 17 Jahre als Redakteur bei der Fachzeitschrift Regal, war 21 Jahre Herausgeber der Handelszeitschrift Key Account und ist seit Herbst 2014 als freier Wirtschaftsjournalist tätig.

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