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Florian Böhme (Amazon Business DE) und Rainer Will (Handelsverband-Geschäftsführer)

„Der Kunde gibt den Wandel vor“

10.04.2017

Der Handelsverband lud in Wien zum Retail-Branchentreff unter anderem mit Amazon, Alibaba, dm, Google, Microsoft, Whatchado, um über Online-Marktplätze, Smart Data und Human Resources zu sprechen.

Mehr Besucher  als je zuvor (mehr als 200) waren dabei, als vorige Woche beim 27. Handelskolloquium in Schönbrunn „Smart Commerce“ im Mittelpunkt stand. Die im Rahmen von Keynotes, Podiumsdiskussionen, Case Studies und Break-out-Sessions behandelten Themenfelder reichten von Onlinemarktplätzen- und Plattformen über Big Data bis zu Human Ressou

Ob der Online-Marktpla

rce im digitalen Zeitalter.

Der Kunde gibt den Wandel vor

Seit vier Monaten gibt es Amazon auch für Businesskunden und der Online-Gigant scheint das Wachstumstempo aus dem B2C-Markt auch in das neue Geschäftsfeld übertragen zu können. Florian Böhme, Head of Amazon Business, berichtete in seiner Keynote von bereits 10.000 Verkäufern und 50.000 Kunden auf der Amazon Businessplattform, die als „geschlossene Gesellschaft“ ausschließlich Unternehmen zur Verfügung steht. Den Veränderungen im Handel begegnet Böhme mit Konstanz: „Seit dem ersten Tag ist der Kunde bei uns im Fokus. Wir wissen nicht, wie der Handel der Zukunft aussehen wird, aber die Grundprinzipien Preis, Auswahl und Convenience werden auch in 10 Jahren noch Gültigkeit haben.“ Er forderte die Anwesenden auf dem Wandel offen zu begegnen und strich eine Kernkompetenz von Amazon in fünf Worten hervor, die sich jeder Händler zu Nutze machen kann. „Mit uns generieren sie Wachstum“.
 

Marktplatz als Einstieg in den E-Commerce

tz für den Handel wirklich unverzichtbarer Vertriebsweg ist, wurde im Anschluss an die Keynote leidenschaftlich diskutiert. Martin Engelmann, Geschäftsführer von dm drogerie, rät den Wert der Marke und der stationären Präsenz nicht aus den Augen zu verlieren: „Wir erfüllen Bedürfnisse, die der Kunde erst entdeckt wenn er zu uns ins Geschäft kommt. Wir schaffen Nähe zum Kunden.“ Er warnt davor den Markenauftritt bei Bespielung beider Ebenen zu beschädigen: „Der Wechsel vom emotionalen, stationären Auftritt zu einem rationalen Online-Auftritt ist schwierig. Der Markenauftritt darf nicht unter einer Präsenz auf beiden Ebnen leiden.“ Christoff von Lattorff, Country Manager der B2B Beschaffungsplattform Mercateo ist davon überzeugt, dass man auf Plattformen nicht verzichten sollte, und differenzierte sich von Amazon Business dadurch, dass Mercateo als reiner Vermittler auftrete und kein eigenes Sortiment habe. „Marktplätze sind ein weiterer Vertriebskanal, den man nutzen muss. Langfristig wird sich der Multichannel Handel durchsetzen“. E-Commerce Profi Jan Radanitsch berät mit seinem Unternehmen smec internationale Händler und hat dabei gelernt, dass „für viele der Marktplatz der Einstieg in den E-Commerce ist“. Professionelle Strukturen nehmen dem Händler so anfangs die Last der vielfältigen neuen Anforderungen ab. Er fügt jedoch hinzu, dass es auch mal zu Missverständnissen kommen kann: „Manche Händler sind bei Amazon nur Passagiere.“ Eric Hoffmann von der neuen Post E-Commerce Plattform Shöpping sieht es als „die Pflicht des Händlers, diesen Vertriebsweg auszuprobieren, da man so andere, neue  Kunden erreichen könne“. 

Kunden verstehen und servicieren

Zum zweiten Themenschwerpunkt des Tages entführte Johannes Oppermann, Analytical Lead bei Google, das Publikum in die Welt der Daten. Jede Kaufentscheidung sei von Daten begleitet, die korrekt interpretiert und verwendet gehören. „Wenn wir smart handeln wollen, müssen wir verstehen wie Entscheidungsprozesse und die einzelnen Schritte der Customer Journey funktionieren.“ Mit Google versucht er den Handel dabei zu unterstützen die Online- und Offlinewelten miteinander zu verbinden um gewonnene Daten bestmöglich zu nutzen. Entgegen vieler Meldungen belegt er einen starken positiven Einfluss des Webs auf die stationären Umsätze. So geht 85% der Käufe im Geschäft eine Onlinerecherche voraus: der sogenannte Online-To-Store-Effekt. Die Unzahl an Daten bringt den Menschen jedoch an die Grenzen seiner Kapazitäten. Deshalb kommen immer selbstlernende Programme zum Einsatz. „Wenn ein Mensch mit dem Optimieren nicht mehr nachkommt, helfen Algorithmen. Machine Learning hilft den Kunden zu verstehen und ihn mit relevanten Informationen zu servicieren“.

Talente sind ein rares Gut

Software soll Daten analysieren und interpretieren um den Mensch bei seiner Arbeit zu entlasten und zu unterstützen. Im dritten Themenspektrum des Tages stand der Mitarbeiter und eine moderne Personalführung im Fokus. Um Talente innerhalb eines Unternehmens zu erkennen und zu fördern hat Google die Studie Talent Revolution durchgeführt, die York Scheunemann vorstellte. Er sieht im Mitarbeiter den Schlüssel zum Erflog und plädiert dafür sich mit seinen Potentialen zu beschäftigen: „Talente sind ein rares Gut heutzutage. Es ist ein richtiger Krieg ausgebrochen um gute Leute. Viele Unternehmen wissen jedoch gar nicht, was sie nicht wissen.“

Achtsamkeit als wichtigsten Skill

Ali Mahlodji, seines Zeichens Gründer und CEO der Online-Plattform Whatchado, der auf seinem Weg vom Flüchtlingskind in Traiskirchen zum Europäischen Jugendbotschafter 40 Jobs ausübte, stellte bestehende Hirachiepyramiden auf den Kopf. „Was Menschen antreibt ist das `Warum`. Sieht man einen Sinn in seiner Arbeit und weiß man, warum man etwas macht, wird man danach streben es bestmöglich zu machen. Als Arbeitgeber hat man mit der Lebenszeit von Menschen zu tun, diese darf man nicht verschwenden. Man muss seine Mitarbeiter mit Kompetenzen ausstatten und Fehler zulassen.“ Als Mahlodji 2012 Whatchado ins Leben rief hatte er einen Wunsch: „Ich wollte 25% der Menschheit retten“. Rund 25 % der Weltbevölkerung sind unter 15 Jahre alt. Wie „Tomorrows Workforce“ aussehen muss, wurde bei der anschließenden Gesprächsrunde diskutiert.
Klaus Magele, Geschäftsführer des Schuhhändlers Salamander, sieht es als Aufgabe der Führungsebene Vertrauen zu schaffen um gemeinsam Ziele zu erreichen. „Wir müssen vom Sollen zum Wollen kommen.“ Gerhard J. Vater, Autor und Berater, fordert einen Fokus auf die Frage nach dem Zweck einer Arbeit. „Die Menschen haben vergessen, dass das Tun nur Wert hat, wenn man fragt, was man bewirkt. Die wirklichen Profis sind Amateure, da diese ihre Tätigkeit aus purer Freude ausüben.“ Mahlodji sieht Achtsamkeit als wichtigsten Skill der Zukunft und empfiehlt jedem mit bestem Beispiel voran zu gehen. „Du kannst von Mitarbeitern nichts verlangen, was du selber nicht tust.“ 

Don`t bring a knife to a gunfight

Als abschließenden Best Practise Case präsentierte Martin Zimmermann von Microsoft zeitgemäße Tools zur Personaleinsatzplanung. Er sieht heutzutage den größten Fehler darin, dass zur Lösung komplexer Anforderungen veraltete Werkzeuge und manuelle Prozesse herangezogen werden: „Der Arbeitsalltag ist für MitarbeiterInnen und Personalplaner oft durch untaugliche Werkzeuge geprägt.“ Deshalb sein Tipp: „Don`t bring a knife to a gunfight.”

Handelsverband Geschäftsführer Rainer Will, zeigte sich am Ende des Tages sehr zufrieden: „Wir bringen den heimischen Handel mit allen wichtigen internationalen Playern zusammen, um gemeinsam die gesamte Branche und damit den Standort voranzubringen. Die hohe Besucherzahl freut uns und jeder einzelne Teilnehmer war und ist zentraler Bestandteil des neuen Setups mit integrierten Formaten.“

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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