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Der Lebensmittelhandel wuchs mit + 3,3 % im Jahr 2006 seit langem wieder deutlich

22.05.2007

Bei einer Inflationsrate von 1,5 % lag damit das reale Wachstum bei 1,7 %. Im Vergleich dazu lag in den vergangenen zwei Jahren das Wachstum bei nur +1,4 % (2004) und + 2,0 % (2005). Bereinigt um die Inflationsrate bedeutete dies Stagnation bzw. sogar leichten Rückgang.

Mag. Martin Prantl, GF Nielsen Österreich, erläutert die positive Entwicklung: "Wir beobachteten 2006 und auch im ersten Quartal 2007 einen für Handel und Industrie gleichermaßen erfreulichen Trend. Die in den vergangenen zwei Jahren deutlich gebremste Konsumlaune ist wieder angesprungen. Es zeigte sich, dass die Diskonter zwar stärker, aber nicht allein davon, profitieren konnten."

Insgesamt wurden im Lebensmittelhandel damit 15,4 Mrd. € Umsatz in 6.204 Geschäften getätigt. Das bedeutet einen Rückgang der Geschäftsanzahl von minus 0,4 % oder 28 Standorten. "Die Schließung kleiner Geschäfte schritt zwar 2006 noch weiter fort, war jedoch weniger stark als in den Jahren zuvor. Zugenommen hat - durch Filialexpansion - wiederum die Anzahl bei den Geschäftsformaten größer als 400 qm, auch bei den Diskontern ist nach wie vor Flächenexpansion zu beobachten, sodass es insgesamt nur mehr zu einem Minus von 28 Shops bei gleichzeitigem Anstieg der Gesamtfläche im Lebensmittelhandel kam."

Diese Daten basieren auf der von Nielsen seit 1964 jährlich durchgeführten Erhebung der Strukturdaten, die den österreichischen Lebensmitteleinzelhandel ohne Hofer und Lidl und die Drogeriemärkte umfasst. Die ebenfalls ausgewiesenen Umsätze der beiden Diskonter Hofer und Lidl basieren auf einer Nielsen Schätzung. Seit Beginn 2007 werden die Umsätze von Hofer und Lidl erstmalig in Österreich durch Nielsen mittels der Methode "Cash Slip Store Intercept" erhoben (Details zur neuen Methode finden Sie im Anhang). Die Angaben zur Sortimentsentwicklung basieren auf den laufenden Warengruppen-Erhebungen mit Nielsen MarketTrack.

Die Gründe für das reale Plus lagen u.a. in externen Faktoren begründet. Das gute BIP-Wachstum und die im Jahresvergleich gesunkene Arbeitslosigkeit wirkten sich positiv auf die Kaufkraft aus. Rund um die Fußball-WM im Juni gab es weiters absatzstarke Aktionen, etwa bei Bier und Pikanten Snacks. Und der heiße und schöne Juli brachte vor allem den Getränkeherstellern gute Umsätze. Bei den alkoholfreien Getränken konnten speziell Mineralwasser und Energy Drinks stark zulegen. Bier konnte ebenfalls vom heißen Sommer profitieren. Bei den Heißgetränken kam das Plus über die Preiserhöhung bei Kaffee.
Convenience lag weiter im Trend und war ebenfalls für einen Teil des Wachstums verantwortlich, speziell die Sortimente Tiefkühlkost, Convenience, Frühstücksprodukte und Fertiggerichte. Weiters zählte 2006 auch Käse zu den Umsatz-Gewinnern.

"Die Gründe für die positive Entwicklung lagen zwar stark an den externen Faktoren wie Konjunktur und Wetter. Aber Industrie und Handel gelang es auch, sich mit ihrem Produktangebot v.a. bei Convenience Produkten an die Wünsche der modernen Konsumenten anzupassen und damit zu punkten. Weiters zeigte sich einmal mehr, dass ein mediales Großereignis wie die Fußball-WM und die damit zusammenhängenden Aktivitäten von Industrie und Handel genützt werden, um wachsenden Umsatz zu erzielen. Dies sind somit positive Aussichten auch für 2008 mit dem nächsten Großereignis der Fußball-EM."

Weniger erfreulich als im Bereich Food (verpackte und frische Lebensmittel) war die Situation beim Non-Food1-Sortiment (Drogeriewaren) für den Lebensmittelhandel. Deren Umsatz war im Lebensmittelhandel leicht rückläufig, da sich die Umsätze in diesen Sortimentsbereichen weiter zu den Drogeriemärkten verlagerten. Die Drogeriemärkte dm-drogeriemarkt, Bipa und Schlecker verzeichneten 2006 ein Umsatzplus von 3,3 % mit insgesamt 2.042 Geschäften.

Die Nummer eins am Markt, Rewe Group Austria, konnte mit moderatem Filialausbau und substanziellem Umsatzzuwachs mit ihren Handelsfirmen BILLA, MERKUR, PENNY und dem kooperierenden SUTTERLÜTY den Marktanteil leicht von 29,6 % auf 29,7 % ausbauen. Das bedeutet ein Plus zum Vorjahr von insgesamt 3,7 %. (Die ebenfalls zur Rewe Group Austria gehörende Drogeriemarktkette BIPA ist - da die Zahlen nur den Lebensmitteleinzelhandel umfassen - NICHT inkludiert). Die Filialanzahl wurde nur mehr leicht von 1.376 auf 1.385 Geschäfte ausgebaut.

Die starke Nummer zwei am Markt, Spar, wächst ebenfalls stärker als der Markt und baut ihren Marktanteil ebenfalls leicht von 27,5 % auf 27,6 % aus. Das Plus von 3,6 % kam ausschließlich über Eigenexpansion, bei immer noch laufender Strukturbereinigung bei den unabhängigen Kaufleuten. Ein leichtes Minus in diesem Bereich wurde mit einem Plus bei den Spar-eigenen Filialen und bei Interspar sogar überkompensiert.

Hofer (ALDI), die Nummer drei des österreichischen Lebensmittelhandels, war, wie in den letzten Jahren, mit einem Plus von 6,6 % der Wachstumssieger am Markt. Hofer steigerte seinen Anteil von 18,8 % auf 19,4 %. 2006 wurde die Filialanzahl um 28 auf 397 gesteigert, das ist ein Plus von 7,6 % bei der Geschäftsanzahl. Das Wachstum war damit ausschließlich auf die Flächenexpansion zurückzuführen.

Der Anteil der Nummer 4, Adeg, fiel 2006 neuerlich von 6,6 % auf 6,1 %, das bedeutet ein Minus von 4,4 %. Mehr als die Hälfte des Minus fiel dabei auf die Verbrauchermärkte (e-Center), das bedeutet ein Umsatzminus Adeg exkl. Verbrauchermärkte von 2,4 %. Der Anteil der Adeg ohne Verbrauchermärkte betrug 2006 5,3 %. Speziell bei den selbständigen Kaufleuten, welche das Adeg Logo führen und über den Adeg-Großhandel beliefert werden, gab es auch 2006 noch eine Strukturbereinigung und daher ein leichtes Minus. Flächenbereinigt zeigt aber der derzeit stattfindende Privatisierungsprozess bei den Kaufleuten bereits positive Wirkung.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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