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(v.l): Dieter Wasserbauer (Rewe), Peter Umundum (Österreichische Post), Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will und Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbandes

Der Markt verändert sich disruptiv

02.10.2017

Mehr als 100 führende Vertreter des heimischen Handels und der Logistikbranche diskutierten am 27. September 2017 beim Standorttag des Handelsverbandes über die Neuerfindung des stationären Handels.

Die 13. Auflage des jährlichen Retail-Pflichttermins fand hoch über den Dächern Wiens im ThirtyFive Twin Tower am Wienerberg statt. Das Programm der Veranstaltung war so breit wie noch nie angelegt: Von erfolgsversprechenden Filialstrategien und Magic Moments im Shop über die besten Expansionsmaßnahmen und Smart Cities bis hin zu den Tücken des österreichischen Mietrechts und der Zukunft der Innenstädte spannte sich der Bogen. Erstmals wurde auch ein besonderer Schwerpunkt auf den Logistikbereich gelegt und über die neuen Möglichkeiten der Beschaffungs-, Inhouse-, Distributions- und Last-Mile-Logistik gesprochen.

Fläche ist König

Moderiert wurde der 13. Standorttag, der mit mehr als 100 Besuchern an den Erfolg der letzten Jahre anknüpfte,  von  Bernd Winter, Chefredakteur der internationalen Wochenzeitung Verkehr und profunder Kenner der Logistik-Branche. Die Einleitung übernahm aber, wie gewohnt, Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des österreichischen Handelsverbands. „Fläche ist König, auch im Zeitalter der Digitalisierung. Rund 90 Prozent der Handelsumsätze werden nach wie vor stationär erzielt. Aber mehr als die Hälfte aller Einkäufe sind mittlerweile digital beeinflusst“, so Mayer-Heinisch. Alleine im letzten Jahr gab es ein Minus von 100.000 Quadratmeter bei der Verkaufsfläche. „Verantwortliche Manager und Politiker müssen darauf reagieren“, mahnte Mayer-Heinisch. „Wir brauchen eine gemeinsame Anstrengung von Politik und Wirtschaft, um neue Strategien zu entwickeln und neue Wege zu gehen.“

Quantitative Expansion

Einer der Programmhöhepunkte war die Best Practice Präsentation von Dieter Wasserburger, Leiter des Konzernbereichs Immobilien und Expansion von Rewe. Er gab einen spannenden Einblick in die Expansionsstrategie von Rewe, bei der nach wie vor kein Ende in Sicht ist. Allein Billa expandiert jährlich um 6 Filialen und bespielt aktuell österreichweit 1060 Filialen. Das Credo von Wasserburger: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Expansion ist die Grundlage für Innovation.“ Der Fokus liegt mittlerweile nicht mehr auf quantitativer, sondern auf qualitativer Expansion – alte Filialen sollen sukzessive erneuert bzw. ersetzt werden. „Österreich wird 2030 rund 9,4 Mio. Einwohner haben, v.a. die Städte wachsen. Das gilt es bei der Expansionsstrategie zu berücksichtigen. Wir müssen also heute schon an die Lösungen von morgen denken“, wies Wasserburger auch auf die Bedeutung des demographischen Wandels hin.

Stirbt der Einzelhandel?

Im Best Practice Vortrag "Schöne Neue Handelswelt – wer braucht noch Innenstädte?" behandelte Omnichannel-Pionier Martin Zieger unter anderem den von Multimilliardär Waren Buffet bereits angekündigten Death of Retail. In den USA drohe der Einzelhandel mittelfristig auszusterben, denn Händler wie RadioShack schließen seit Jahren immer mehr Filialen. „Toys’R’Us ist die fünftgrößte Retail-Insolvenz in der Geschichte. Auch in Österreich geht die Zahl der Filialen im Einzelhandel seit 2013 permanent zurück, das ist ein Trend. Dafür steigt die Verkaufsflächenproduktivität, die einzelnen Standorte haben also immer größere Flächen“, mahnte der Branchenkenner. „Die nächsten zehn Jahre werden mehr Veränderung im Handel in den Innenstädten bringen als die letzten 40 Jahre. Ich gehe davon aus, dass im LEH ein Drittel bis die Hälfte der stationären Filialen geschlossen wird“, so Zieger. Seiner Meinung nach sei der Offline-Handel nicht bequem genug und die Öffnungszeiten hinderlich.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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