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Die Verkaufsfläche der Rewe ist in Österreich gewachsen, die Zahl der Standorte gleichgeblieben.

Der starke Abgang des Monsieur C.

25.04.2016

Die Vorstandsverträge von Caparros und Hensel laufen mit Ende 2018 aus. Schon jetzt aber beginnt der Countdown zur Hofübergabe in Köln und in Wiener Neudorf.

Die große Überraschung, die bei der Vorstellung der noch nicht testierten Geschäftszahlen am 5. April 2016 in Köln. der Rewe Group in Köln vergangene Woche bekannt gegeben worden ist: Rewe International übernimmt auch die Verantwortung für Penny International.

Aber zunächst zusammengefasst die Fakten über das Geschäftsjahr der Muttergesellschaft der Rewe International AG:

Penny, die Diskont-Sparte der Rewe schafft 2015 in Deutschland unter Jan Kunath erstmals den Turnaround und schreibt auf den Auslandsmärkten (Tschechien, Italien, Österreich etc.) zarte schwarzen Zahlen. Im deutschen Supermarktgeschäft, für das Lionel Souque verantwortlich zeichnet, mausert sich Rewe mit einem Umsatzplus von 5,5% zum Wachstumsführer.

Im österreichischen LEH wachsen die Rewe-Formate (Billa, Merkur, Penny, Adeg) mit 2,47% leicht über dem Branchenschnitt und zementieren damit die Marktführerschaft des Rewe Einzelhandels.

Im deutschen Onlinehandel punkten die Rewe-Formate umsatz- und imagemäßig gegenüber den eher ambitionslosen Mitbewerbern Edeka, Lidl und Aldi, Das GfK-Markenranking sieht Rewe als zweitbesten Onlinehändler Deutschlands hinter Amazon und vor Douglas. In Österreich ist Billa der Vollsortiments-Online-Pionier (Start bereits 2004), Bipa setzt starke Akzente im Cross Channel-Retailing, weist aber infolge seines sinkenden Preislevels ein Umsatzminus von 1% auf.

Billa und Merkur begegnen Hofers Backbox-Offensive mit dem Ausbau ihres Konditoreiwaren-Angebots. Merkur wächst stärker als Billa, weil der neue „Fränz“ den „Mr. Anonym“ rasch vergessen ließ.

Die Übernahme des Zielpunkt-Pakets beschert der Hensel-Truppe einen Netto-Verkaufsflächenzuwachs von 8000 m². Legt man dieser Akquisition die Flächenproduktivität von Billa zugrunde, dann resultiert daraus ein Umsatzplus von 40 bis 50 Mio. Euro.

Nie vor Überraschungen gefeit ist das Geschäft der Rewe International AG außerhalb Österreichs: Billa in Russland und der Ukraine profitieren von hohen Inflationsraten. Das Wachstum in Bulgarien wird von der Übernahme einiger Penny-Märkte beflügelt. In Italien und Rumänien wurde Billa verkauft, Penny kämpft in diesen beiden Ländern allein weiter.

In Deutschland hingegen eröffnen sich neue Perspektiven. Mit der Übernahme von Kuoni landet Rewe einen Überraschungscoup im Touristikbusiness, das Geschäft in Österreich ist davon kaum betroffen. Die kürzlich vereinbarte Zusammenarbeit mit Aral sollte den Food-to-go-Umsätzen der Kölner starken Auftrieb verleihen.

Stabile, moderate Ertragslage

Von der Umsatz- zur Ertragsentwicklung: Das EBITA (operatives Ergebnis) des Rewe-Konzerns stieg um 12% auf 587 Mio. Euro, das sind 1,34% vom Nettoumsatz. Der Reingewinn (Jahresüberschuss) 2015 liegt voraussichtlich bei 383 Mio. Euro. Das ist zwar ein Anstieg um 22%, die sich daraus ergebende Umsatzrendite in Höhe von knapp 0,9% ist dennoch nicht berauschend. Wie Alain Caparros gegenüber der handelszeitung erklärte, leistet die Rewe International AG, die für rund 19,2 % des Konzernumsatzes aufkommt, einen überproportionalen Beitrag zum Konzernergebnis. Einem Cash Flow des Konzerns in Höhe von 1,49 Mrd. Euro standen 2015 Investitionen in Höhe von 1,3 Mrd. Euro gegenüber, Da blieb also Geld für den Schuldenabbau und die Erhöhung des Eigenkapitalpolsters. Dieser kletterte 2015 auf 5,3 Mrd. Euro, das sind 31,3% der Bilanzsumme.

In bewegten Zeiten, in gesättigten Märkten muss ein Branchenriese wie Rewe bei seinen Expansionsplänen kleine Brötchen backen. So gleicht die Fülle an Daten, die in den vergangenen beiden Wochen bei den Mediengesprächen in Köln und in Wien serviert wurden, einer langen Kette von Erfolgsperlen, allesamt aber mit kleinem Durchmesser. Unterm Strich präsentierte sich der Rewe Konzern im Jahr 2015 als mäßig ertragreiches, moderat wachsendes und auf Konsolidierung bedachtes europäisches Handelsunternehmen, das jedoch dank günstiger Lieferantenkredite der launischen Finanzwelt die kalte Schulter zeigen kann und dessen Eigenkapital-Rendite infolge der genossenschaftlichen Struktur nicht den Begehrlichkeiten von Shareholdern ausgesetzt ist.

Temperamentvoller „Gallier“

So lautstark und temperamentvoll Alain Caparros, Vorstandsvorsitzender der Rewe Group, in seiner bisherigen, zehnjährigen Amtszeit als Rewe-Boss nach außen hin agierte, (wie zuletzt in der Causa Tengelmann-Edeka) so beharrlich hat er den Konzern von Altlasten und Verlustquellen befreit, damit auf eine solide finanzielle Basis gestellt und Optionen für die Zukunft (Stichworte: Online Handel, Food to go) eröffnet. Dass er die Rewe nach den Turbulenzen des Reischl-Abgangs, des häufigen Geschäftsführerwechsels in ruhigere Bahnen geführt hat, dafür sind dem temperamentvollen Gallier der Dank und die Anerkennung der Genossenschaftsfunktionäre gewiss. Caparros schmunzelnd: „Die meisten meiner Vorgänger sind hinausgeschmissen worden, ich will freiwillig gehen. Und ich werde die Rewe in einem besseren Zustand verlassen, als sie vor zehn Jahren war.“

Rewe-Vorstand wird reduziert

Es sind Sager, wie dieser, auf die das Journalistenvolk bei der traditionellen, im übrigen nach strengem Protokoll ablaufenden Jahrespressekonferenz in der Kölner Domstraße warten. Waren es in früheren Jahren scharfe Abrechnungen mit dem Lieblingsgegner Edeka, so gab sich der Langzeitchef der Rewe diesmal sentimental-nostalgisch. „In Deutschland kennt man das Sprichwort: Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören“. Im Laufe der Frage-Antwort-Runde überraschte der eloquente CEO mit der Ankündigung, dass der Vorstand des Konzerns schon im kommenden Sommer von sechs auf vier Personen verkleinert wird. Die Ressorts „Discount National“ und „Discount International“ fallen dem Rotstift zum Opfer. Unverändert bleiben die Vorstandsjobs für Finanzen und Touristik. Das Warengeschäft aber wird zu den beiden Superressorts Retail National (Deutschland) und Retail International komprimiert. Manfred Esser, Vorstand für Discount International und den Rewe Group- Einkauf, scheidet im Zuge dieses Revirements aus.

Wr. Neudorf als Headquarter

Im Klartext heißt das: Die Rewe International AG (RIAG) mit Sitz in Wiener Neudorf zeichnet schon bald auch für alle Penny-Aktivitäten außerhalb Deutschlands verantwortlich. Damit steigt ihr Umsatzvolumen (netto) von 8,35 auf 12,43 Mrd. Euro, ihr Anteil am Gesamtumsatz des Konzerns von 19,1 auf 28,4 %. Für Frank Hensel, dessen Vertrag als CEO der RIAG Ende 2018 und damit zeitgleich mit jenem von Caparros in Köln ausläuft, bedeutet dieser Zuwachs an Umsatzverantwortung die Krönung seiner Rewe-Laufbahn. Die handelszeitung hat an diesem Punkt beim Kölner Big Boss nachgehakt und erhielt auf die Frage nach dem Nachfolger Hensels folgende, etwas orakelhaft anmutende Antwort: „Die Position von Frank Hensel wird nicht nachbesetzt, aber der neue Landeschef für die Rewe-Firmen in Österreich wird ein Österreicher sein.“

Als Favorit für die Caparros-Nachfolge in Köln wird von Insidern der weltläufige Lionel Souque, Absolvent der französischen Kaderschmiede Essec Business School, gehandelt. Wenn Souque zur Nummer 1 im gestrafften Rewe-Vorstand aufsteigt, wird er vermutlich, als „Zweitjob“ das Ressort Retail International übernehmen. Sein Kollege Jan Kunath bekäme dann die Leitung des Kerngeschäftsfeldes „Retail Deutschland“ zugesprochen. Denkbar ist freilich auch, dass Souque auch als CEO Chef von Retail Deutschland bleibt und Kunath das erweiterte Ressort Retail International übernimmt. Souque und Kunath haben sich seinerzeit unter Hensel in Wiener Neudorf erste Manager-Sporen verdient.

Und Volker Hornsteiner? Er hat ausgezeichnete Chancen, nach Hensels Abgang das gesamte Retail Business in Österreich, bestehend aus Billa, Merkur, Penny, Bipa und Adeg, zu leiten.

Unterschiede zwischen D und A

Was ändert sich damit konkret beim Marktauftritt der Rewe Group in Österreich? Alle Entscheidungen betreffend Penny (Sortiment, Aktionen, Eigenmarken) fallen nicht mehr in Köln, sondern ausschließlich in Wiener Neudorf. Das erlaubt ein stärkeres Eingehen auf den heimischen Wettbewerb, der sich ja von jenem in Deutschland in etlichen Punkten massiv unterscheidet. Als klare Nummer 1 im LEH tut sich die Rewe Group hierzulande wesentlich leichter als die Mutter auf dem deutschen Heimmarkt, wo sie marktanteilsmäßig klar hinter Edeka liegt und den zweiten Platz gegen die Schwarz-Gruppe (Lidl/Kaufland) verteidigen muss.

Im deutschen LEH liegt der Diskonter-Marktanteil bei 42%, in Österreich deutlich unter 30%. Dafür ist bei uns der Aktionsanteil mit aktuell rund 31% um einiges höher als beim nördlichen Nachbarn. Im Eigenmarken-Management agieren die Österreicher viel professioneller als ihre Kollegen. Daher tut sich „Echt Bio“ von Penny sehr schwer gegenüber „Ja! Natürlich“, die Preiseinstiegs-Dachmarke „Clever“ ist den vielen „Penny“-Billigeigenmarken überlegen. Auch im Nachhaltigkeitsmarketing geht die heimische Rewe der Mutter beispielhaft voran. Das hat positive Folgen für die strategische Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft, die sich in Maßnahmen wie dem 21-% -Preisaufschlag für Bio-Heumilch oder der Ganzjahres-Tomatenproduktion mit Zeiler niederschlägt.

Rewe D „kann“ Kaufleute

In einer Disziplin aber ist Rewe D ungleich besser aufgestellt als Rewe A: Bei den Kaufleuten. Regionalfilialisten wie Petz (gehört der Familie des HDE-Präsidenten und ehemaligen Rewe-Vorstandsmitglieds Josef Sanktjohanser), Richrath oder Dornseifer sind Wachstumstreiber und Innovationsführer. Die „selbstständigen Rewe-Partner“ kamen 2014 auf ein Umsatzplus von 7,9% und übertrafen dieses Ergebnis im Jahr 2015 mit einer Wachstumsrate von 10,6%. Ihr EBITA stieg von 212 auf 250 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen beträgt rund 4% vom Nettoumsatz. Angesichts dieser, für ein Genossenschaftsunternehmen sehr beachtlichen Entwicklung will Caparros verstärkt Konzernfilialen an Kaufleute abgeben. Und bei Penny soll das Marktmanager-Modell eingeführt werden. Es verleiht dem Marktleiter einen unternehmerähnlichen Status mit viel Eigenverantwortung.

Hanspeter Madlberger

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