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Der Welthandel soll allen nützen

06.09.2006

Fairtrade. Die mit dem Gütesiegel ausgezeichneten Produkte geben Sicherheit, dass Menschen in den Entwicklungsländern fair bezahlt und keine Kinder ausgebeutet werden.

Der Faire Handel geht zurück auf das Ende der 40er Jahre, als sich die beiden großen US-amerikanischen Organisationen Ten Thousand Villages (vormals Selfhelp Crafts der Mennonitischen Kirche) und SERRV mit dem Verkauf von Handwerksprodukten von europäischen Flüchtlingen und später von lateinamerikanischen Produzenten beschäftigten. In Europa begann der Faire Handel durch die Hilfsorganisation Oxfam UK, deren Direktor auf einer Reise nach Hongkong auf die Idee kam, Handwerksartikel von chinesischen Flüchtlingen in den Oxfam-Läden zu verkaufen. Das erste Verkaufsobjekt war übrigens ein ausgestopftes Nadelkissen.

Das erste Fairtrade Label wurde als „Max Havelaar“ 1988 in Holland eingeführt und wurde vorerst nur für Kaffee vergeben. Der Name Max Havelaar geht auf einen Helden im gleichnamigen Buch des holländischen Autors Eduard Douwes Dekker zurück, das 1860 veröffentlicht wurde und über die Ungerechtigkeiten im Kaffeehandel zwischen den Niederlanden und deren früherer Kolonie Indonesien berichtete.
Der Erfolg von Max Havelaar Holland bewirkte, dass auch andere europäische ATOs (Alternative Trade Organization) Fairtrade Labels einführten. 1990 folgte Belgien, 1992 die Schweiz, die ihr Siegel ebenfalls Max Havelaar nannten. Im selben Jahr gründete die EFTA (European Fair Trade Association) TransFair International und als erstes und größtes Mitglied trat die deutsche AG Kleinbauernkaffee als TransFair Deutschland bei. Auch Luxemburg (1992), Österreich (1993), Italien (1994), Kanada und die USA (1996) traten TransFair International bei, während Dänemark (1994) und Frankreich (1996) das Max Havelaar Konzept einführten. Großbritannien (1992) und die skandinavischen Länder entwickelten ebenfalls ihre eigenen Systeme.

Internationaler Zusammenschluss
Im April 1997 schlossen sich alle 17 nationalen Siegel-Initiativen zusammen und gründeten die Dachorganisation FLO International (Fairtrade Labelling Organizations International) mit Sitz in Bonn, Deutschland. FLO koordiniert alle auf Produzentenorganisation ausgerichteten Aktivitäten wie das Monitoring und die Kontrolle. FLO entwickelt auch gemeinsam mit den Produzenten und anderen Stakeholdern die internationalen Fairtrade Kriterien, leistet Lobbyarbeit auf internationaler Ebene und stellt die Kommunikation zwischen den nationalen Initiativen sicher.

Label-Entwicklung in Österreich
Die Gründung von TransFair Österreich wurde in mehreren Treffen mit allen wichtigen Fairtrade Akteuren (z.B. EZA Dritte Welt GmbH, ARGE Weltläden, CONA, usw.) und Gewerkschaftsvertretern 1992 und 1993 beschlossen. Im März 1993 haben 11 Trägerorganisationen die Gründung des gemeinnützigen Vereins unterzeichnet. Das erste in Österreich zertifizierte Produkt war Kaffee (Oktober 1993), dann folgten ein Jahr später Tee und Anfang 1996 Kakao und Schokolade. Im März 1996 kam Honig dazu, im Juli 1999 Orangensaft, im Februar 2002 Bananen und im Jänner 2003 Rohrzucker. In Folge wurde die Produktpalette um weitere Fruchtsaftsorten, das Erfrischungsgetränk „Guaranito“, Schokoladenaufstrich, Reis und Bälle (seit Juni 2004) erweitert. Seit September 2004 ist der Fairtrade Regio Kaffee (als erster Fairtrade Eigenmarkenkaffee der Handelskette Spar) erhältlich. Im März 2005 kamen Fairtrade Weine, Coffeepads für Kaffeemaschinen und Würfel-Rohrzucker dazu, seit Sommer 2005 gibt es außerdem Shirts aus fair gehandelter Baumwolle und seit September 2005 faire Rosen, wobei Spar die Pionierrolle übernahm. Der neueste Produktzugang kommt aus Trausners Genusswerkstatt: Seit 24. Oktober 2005 sind Marmeladen erhältlich, für deren Zubereitung fair gehandelter Rohrzucker verwendet wird.

Georg Gruber, seit Jänner 2006 Geschäftsführer von Fairtrade Österreich, hat mehr als 15 Jahre Markenartikel-Erfahrung bei Procter & Gamble hinter sich. Die neue Aufgabe sieht er als große Herausforderung. „Wir arbeiten in einem sehr umfassenden Bereich und haben zahlreiche Partner aus Handel, Markenartiklern und Werbeagenturen“, so Gruber. Er sieht die Rolle von Non-Profit-Unternehmen als eine, die in der Zukunft stark an Bedeutung gewinnen wird. „Eine Welt ohne WWF, Caritas oder Amnesty International wäre heute nicht mehr vorstellbar“, erklärt er.
Vermarktung des Gütesiegels
Die Grundaufgabe des Geschäftsführers liegt in der Vermarktung des Gütesiegels Fairtrade. „Dadurch ergibt sich für alle eine Win-Win-Situation: Die Bauern werden fair bezahlt, die Industrieunternehmen kräftigen ihr Image und der Handel erhöht seine Kompetenz beim Konsumenten“, fasst Gruber die Vorteile für alle zusammen.
Je länger Fairtrade existiert, desto leichter wird die Akquisition. Der Grund dafür liegt im höher werdenden Bekanntheitsgrad des unabhängigen Gütesiegels. „In Österreich hatten wir 2005 um 19% mehr Lizenznehmer als noch 2004, in ganz Europa liegt der Prozentsatz bei 29. Und das Interesse reißt nicht ab. Dabei erweitern wir auch laufend die Sortimente“, freut sich der Geschäftsführer.

Bei Fairtrade spricht man von einem Umsatz mit den Produkten von 25,6 Mio. Euro in Österreich, das ist ein Plus von 62% zu 2004. Der Plan für das Jahr 2006 liegt bei 35 Mio. Euro. Die größte Warengruppe ist Obst: „90% aller Bio-Bananen kommen von Fairtrade. Wir merken immer mehr, dass wir mit unserer Arbeit neue Märkte öffnen können“, blickt Gruber in die Zukunft. Für jene Unternehmen weltweit, die sich ein soziales Denken an die Fahnen heften, ist Fairtrade ein unumgänglicher Weg, Produkte aller Art fair an den Konsumenten zu bringen.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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