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Geht es nach der deutschen Bundesagentur für Arbeit soll das Arbeitslosengeld in Bar künftig an den Kassen von Supermärkten und Drogeriemärkten ausgegeben werden

Deutschland: Arbeitslosengeld an den Supermarktkassen?

13.11.2017

Die deutsche Bundesagentur für Arbeit lässt mit einer außergewöhnlichen Idee aufhorchen: Arbeitslose sollen ihr Bargeld statt in den Jobcentern und Arbeitsagenturen an den Kassen von Supermärkten und Drogerien ausgezahlt bekommen.

Der Lebensmitteleinzelhandel hat sich in den letzten Jahren immer wieder mit neuen Ideen in Position gebracht. Nun könnte das Geschäftsfeld in Deutschland um eine außergewöhnliche Dienstleistung wachsen:  Die deutsche Bundesagentur für Arbeit (BA) möchte nämlich das Bargeld aus allen Jobcentern und Arbeitsagenturen verbannen. Und kam daher auf die Idee, dass die Arbeitslosen stattdessen das Bargeld an den Supermarkt- und Drogeriemarktkassen ausbezahlt bekommen.

8000 statt 300 Auszahlungsstellen

Im vergangenen Jahr zahlte die Bundesagentur bei 400.000 Vorgängen über ihre eigenen Automaten insgesamt 120 Mio. Euro an Bargeld aus. Laut "Welt am Sonntag" sollen die gut 300 Kassenautomaten aus Kostengründen abgebaut werden, denn die Agenturen mussten dafür bisher 3,2 Mio. Euro pro Jahr aufwenden. Wie bisher wird weiterhin der mit Abstand größte Teil des Arbeitslosengeldes per Überweisungen an die Betroffenen geleitet. Auch die von den Jobcentern ausgegebenen Barschecks blieben erhalten. Durch die Umstellung, die ab dem zweiten Quartal bis Ende 2018 abgeschlossen sein soll,  könnten die Betroffenen aber statt bei lediglich 300 Automaten ihr Geld in über 8000 Märkten von Rewe, Penny, Real, dm und Rossmann erhalten. Betreffen würde es nur Auszahlungen im Notfall oder beispielswiese Obdachlose, die über kein eigenes Konto verfügen.

Denkbar indiskretes Verfahren

Auch wenn die Barcodezettel, für die es dann das Bargeld an der Kassa gibt, neutral gedruckt werden sollen, wird eine Stigmatisierung der Betroffenen befürchtet, beispielsweise von Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. „Wenn das ein Bescheid mit einem Barcode ist, den man in der Supermarktschlange an der Kasse vorzeigen muss, um Geld ausbezahlt zu bekommen, ist das ein denkbar indiskretes Verfahren", zeigt sich Schneider bei einem Interview in der Berliner Zeitung „B.Z.“ besorgt. Wenn so etwas gemacht werde, müsse "absolute Diskretion" gewährleistet sein, um jede Stigmatisierung auszuschließen. "Uns ist noch nicht klar, wie das in der Praxis funktionieren soll." Seitens des Lebensmitteleinzelhandels gibt es bis dato dazu noch keine Stellungnahme. (apa/ar)

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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