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Die 6. Urlaubswoche im LEH?

27.06.2018

Hornbach Österreich hat einen wichtigen Schritt für den Handel hat gemacht: Die Einführung der sechsten Urlaubswoche. Die Lebensmittelbranche wird diesem Beispiel nicht folgen, zumindest nicht in naher Zukunft. In der Handelszeitung-Umfrage erklären Rewe, Spar, Hofer und Lidl, wieso mehr Urlaub nicht in Sicht ist.

Die Baumarktkette Hornbach hat seine Mitarbeiter mit der neuesten Einführung vermutlich ein Stück glücklicher gemacht. Ab 1. Juli 2018 bekommen alle Mitarbeiter, die seit mindestens einem Jahr im Unternehmen sind, sechs Wochen Urlaub im Jahr. Gleichzeitig wird auch das Einstiegsgehalt von 1.750 Euro auf 1.820 Euro erhöht. Derzeit liegt das Mindestgehalt im Handel bei 1.586 Euro brutto für Vollzeitbeschäftigte.

Dass möglichst viele Handelsketten diesem Beispiel folgen, hoffen besonders Arbeitnehmervertreter. "Gerade im Handel ist die Chance auf die Erreichbarkeit der 6. Urlaubswoche sehr gering", so Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl. Deswegen wird die sechste Urlaubswoche, die es momentan in der Regel erst ab dem 26. anrechenbaren Arbeitsjahr gibt, in den Kollektivvertragsverhandlungen schon lange gefordert, bleibt aber höchst wahrscheinlich Wunschdenken, zumindest im österreichischen Lebensmittelhandel.

Zusatzleistungen statt Zusatz-Urlaub

Das Resultat unserer Umfrage, lässt keinen Grund zur Hoffnung, dass Rewe, Spar und Co. eine weitere Woche auf ihre Mitarbeiter verzichten können Bei der Supermarktkette Spar ist das derzeit „kein Thema“. Genauso wenig bei Konkurrent Rewe. Pressesprecherin Susanne Moser-Guntschnig erklärt „Rewe bietet seinen Mitarbeitern eine Vielzahl an Zusatzleistungen. Die 6. Urlaubswoche wird entsprechend des Urlaubsgesetzes geregelt, eine Ausweitung dieses Anspruchs ist derzeit nicht geplant.“ Auf Zusatzleistungen zum Ausgleich zwischen Berufs- und Privatleben beruft sich auch Hofer: „Es gibt eine Reihe von Initiativen, die individuell auf unserer Mitarbeiter eingehen und deren Bedürfnisse gut ausbalancieren. Dazu zählen zum Beispiel die Möglichkeit eines mehrmonatigen Sabbaticals, der Papa-Monat, unsere betriebliche Gesundheitsförderung und flexible Arbeitszeitmodelle“. Allerdings muss man dem österreichischen Diskonter anrechnen, dass das Gehalt schon ab dem ersten Berufsjahr, knapp über einem Viertel des Kollektivvertrags liegt. Außerdem hat die Aldi-Tochter schon einige Mitarbeiter, die in den Genuss einer extra Urlaubswoche kommen. Jeder zehnte Hofer-Mitarbeiter hat aufgrund seiner langjährigen Firmenzugehörigkeit schon Anspruch darauf.

Lidl sieht Hindernisse

Auch Mitbewerber Lidl Österreich ist bereits aktiv, wenn es um die Förderung der Vereinbarkeit von Freizeit- und Arbeitsleben geht. Im Rahmen des Audits „beruf & familie“ wurden bereits über 50 Maßnahmen, wie der Papa-Monat, familienfreundliche Teilzeitmodelle oder Eltern- und Wiedereingliederungsteilzeit, entwickelt und umgesetzt. Auf unsere Anfrage zeigt sich die Handelskette diskussionsbereit, die richtigen Rahmenbedingungen zur Umsetzung fehlen aber noch: „Eine 6. Urlaubswoche bedeutet mehr Personalaufwand. Gerade der stationäre Einzelhandel ist sehr personalintensiv. Da Arbeitszeit in Österreich generell sehr hoch besteuert ist, kommen daher bei einer zusätzlichen Urlaubswoche erhebliche Mehrkosten auf die Unternehmen zu. Ohne eine signifikante Entlastung des Faktors „Arbeit“ wäre eine 6. Urlaubswoche nur schwer verkraftbar.“

 

Autor/in:
Angela Flaggl
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