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Die Diskussion um eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten scheint verfahren

30.04.2007

Ladenschlussdebatte: Handelsverband-Geschäftsführer Dr. Stefan Mumelter plädiert für einen Konsens hinsichtlich einer 72 Stunden-Woche als ersten wichtigen Schritt.

Die Sozialpartner wollten sich bereits am 19. April in dieser Sache zusammensetzen, doch der Termin wurde kurzerhand auf den 2. Mai verschoben. Und die Regierung ist schließlich auf den Konsens der Sozialpartner angewiesen. Doch mittlerweile haben sich tiefe Kluften zwischen den Gewerkschaften und den Vertretern der Wirtschaftskammer aufgetan: Erpressung, Überstundenzuschläge, Mehrarbeit, Zuständigkeitsfragen und komplexe gesetzliche Regelungen sind nur einige der Schlagworte im Sumpf der Ladenschlussdebatten.

Dr. Stefan Mumelter, Geschäftsführer des Handelsverbandes, wird es jetzt allerdings zu bunt: "Sozialpartner, einigt euch endlich auf eine 72 Stunden-Woche als ersten wichtigen Schritt!", lautet sein Appell an die Vernunft aller Beteiligten. Mumelters Hauptanliegen: Loslösung von Grundsatzdiskussionen, Ablegen der Scheuklappen und objektive Betrachtung der wirtschaftlichen Realität. "Wir streben weiter vehement einen flexiblen Ladenöffnungsrahmen von wochentags 6-22.00 Uhr an, sehen aber die Realisierung der Mindestforderung des österreichischen Handels als unverzichtbare Umsetzung eines wichtigen Vorhabens der Bundesregierung, die nicht länger durch die Sozialpartner blockiert werden darf."

"Dass längere Öffnungszeiten den Druck auf die Belegschaft erhöhen, keine zusätzlichen Arbeitsplätze und Umsätze bringen und Familie und Beruf dadurch noch schwieriger vereinbar werden, sind doch alles Mythen", ist Mumelter verärgert. Öffnungszeiten dürften nicht mit Arbeitszeiten gleichgesetzt werden: "Arbeitszeitregelungen und das Arbeitsrecht sind davon nur mittelbar betroffen und werden dazu führen, dass Unternehmen zusätzliche Arbeitsplätze schaffen werden." Außerdem hätten flexiblere Arbeitszeiten auch positive Effekte auf das Familien- und Freizeitleben der Arbeitnehmer.

Ganz zu schweigen von der heimischen Wirtschaft: "Österreich als eine der Top-Tourismusdestinationen soll die neuen Chancen, die sich für den Handel ergeben, nutzen", so Mumelter weiter. Derzeit gehört Österreich zu den Ländern mit den restriktivsten Ladenschlusszeiten innerhalb der gesamten Europäischen Union. In den angrenzenden neuen EU-Ländern gibt es diesbezüglich gar keine Einschränkungen. "Ein noch größerer Kaufkraftabfluss ist vorprogrammiert, wenn wir nicht rasch handeln", ist Mumelter überzeugt.

"Das Ziel muss sein, das Öffnungsgesetz aus dem Jahre 2003 zugunsten einer besseren Regelung für alle weiterzuentwickeln", meint Mumelter. Die Fülle derzeit vorherrschender Rechtsnormen und Regelungen gelte es zu vereinheitlichen. Konsumfreiheit, Konsumentensouveränität, Marktransparenz und eine Erhöhung des Einkaufsgenusses seien dafür die Grundvoraussetzungen. Ein Mehr an Beschäftigung, Lohn, Selbstbestimmung, Lebensqualität, Umsatz und Wettbewerb sowie Entbürokratisierung und eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur seien die Resultate. "Der Kunde ist König. Nach diesem Grundsatz haben sich die Ladenöffnungszeiten zu richten und nicht nach den Befindlichkeiten einzelner Interessensgruppen", so Mumelter abschließend.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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