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Die Rückkehr der Schwedenbombe?

06.02.2013

Helmut Kretzl (Salzburger Nachrichten): „Zucker, Hühnereiweiß, Pflanzenfett teilweise gehärtet, Glucosesirup, Kokosraspel, Magerkakao“ – so beginnt die Zutatenliste der Schwedenbombe, der zusammen mit Mannerschnitten, Pez-Zuckerln und Mozartkugeln wohl beliebtesten Süßigkeit von Herrn und Frau Österreicher.

Die Schwedenbomben von Niemetz haben treue Fans

 Das Besondere ist der Kakao, denn der unterscheidet die Wiener Niemetz-Schwedenbomben von den Berliner „Dickmann’s“ aus dem Hause Storck. Nicht zuletzt dieser Unterschied sichert dem heimischen Produkt 80 Prozent Marktanteil. Vergangenen Freitag um 12.43 Uhr platzte die Bombe: „Schwedenbombenhersteller Niemetz beantragte Sanierungsverfahren“, lautete eine APA-Alarmmeldung. Seither laufen fieberhafte Verhandlungen über eine mögliche Weiterführung des 1890 gegründeten Traditionsbetriebs. Das Hauptprodukt der Süßwarenfirma entstand um das Jahr 1926. Da entwickelte der Konditormeister Walter Niemetz nach sieben Jahren Aufenthalt in Paris zusammen mit einem schwedischen Freund die damals innovative Süßigkeit.

 

Doch nach jahrzehntelanger ungebrochener Marktführerschaft begannen die Verkaufszahlen zu bröckeln: Allein im Jahr 2012 schrumpfte der Absatz der Schaumkugeln um gut ein Fünftel auf rund 600 Tonnen – nach einem Volumen um 1000 Tonnen zu Beginn des Jahrzehnts.

 

 Ein Grund für die nachlassende Popularität sei das gestiegene Ernährungsbewusstsein der Kunden, sagt Marktforscher Günter Schweiger. Dazu trage auch der Werbeauftritt der „Dickmann’s“ bei, die schon durch ihren Namen die Gedankenbrücke „Schwedenbombe – Kalorienbombe“ herstellen. Zwar sei Niemetz in Österreich Kult, „aber auch Kultmarken wollen gepflegt sein“, sagt Schweiger. Noch dazu gerieten in Österreich traditionelle Lebensmittelhersteller immer mehr durch starke Handelsmarken unter Druck.

„Viele tun sich schwer, überhaupt ins Regal zu kommen“, sagt Schweiger. Spar-Sprecherin Nicole Berkmann widerspricht: „Schwedenbomben muss man überall haben, das ist für uns ein wichtiges Produkt, das die Kunden verlangen.“ Der deutsche Markenexperte Kurt Imminger freilich vermisst bei Niemetz eine Aktualisierung des Werbeauftritts: „Wenn die Packung ohne werbliche Unterstützung für sich allein im Regal sprechen muss, erstarrt dieses Bild bei den Kunden wie eine Salzsäule.“

 

Massive Unterstützung bekommt Niemetz aus den modernen sozialen Medien: Auf dem Internet-Freundesnetzwerk Facebook hat die Plattform „Rettet die Niemetz Schwedenbomben“ bis Montagabend mehr als 8500 Unterstützer gefunden. Viele kündigten Solidaritätseinkäufe an. „Wäre Niemetz eine Bank, würde die Schwedenbombe vom Staat gerettet werden“, heißt es etwa. Der Tiroler Familienbetrieb Siko Solar schaffte 864 Schwedenbomben für die 54 Mitarbeiter (16 Stück pro Kopf) an, „als süßen Beitrag zur Jause“.

 

Niemetz selbst zeigt sich in einem Facebook-Eintrag „überwältigt, welche Emotionen unsere Produkte bei Euch wecken“, und verspricht, alles daranzusetzen, „dass die geliebten Schwedenbomben auch in Zukunft österreichisches Kulturgut bleiben“. Derzeit befinde man sich in einer „schwierigen Phase“. Aber die Auftragslage sei gut, der Rückhalt bei den Kunden „ungebrochen“.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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